statement von 4players
Es gibt also keinen Gewinner, weil sich Sony und Microsoft fast egalisieren. Aber es gibt leider einen klaren Verlierer: Nintendo. Während die anderen beiden kaum über den Rand ihrer Teller schauen, versinken die Japaner in einer riesengroßen Familienfitness-Schüssel, in der Veteranen mit Anspruch hoffnungslos ertrinken. Quo vadis, Nintendo? In die Profitgasse. Microsoft und Sony haben wenigstens noch einige große Spiele in petto, hier herrscht gähnende Leere - jetzt wissen wir auch, warum man sich die Games Convention in Leipzig spart: man hat nix!
Trotzdem konnte Nintendos Marketingchefin gar nicht mehr aufhören zu betonen, dass sie immer mit einem Grinsen im Gesicht spielt. Den Zuschauern ist selbiges gehörig vergangen, als die Pressekonferenz vorüber war. Reggie Fils-Aime hat tatsächlich die Unverfrorenheit besessen und hört gar nicht auf, die Hardcore-Zocker gleichzeitig zu beschwichtigen, ihnen nichts zu zeigen und sein Versprechen zu brechen: Wo ist bitte das große Spiel, das letztes Jahr angekündigt wurde? Wo sind die Spiele für die Veteranen? Wir sind maßlos enttäuscht und es tat fast schon weh, einem kreativen Meister wie Miyamoto beim belanglosen Luftgezappel mit Wii Music zuzusehen.
Unterm Strich konnten mich zwar weder Microsoft noch Sony begeistern, aber sie haben das bessere Programm und die interessanteren Perspektiven für echte Zocker. Ich erwarte von Xbox 360 und PlayStation 3 keine Revolutionen, aber von Wii erwarte ich momentan gar nichts mehr. Das schmerzt, weil ich die höchsten Auszeichnungen meiner Testervita gerade Spielen aus diesem Hause gegeben habe - Zelda, Metroid Prime, Mario. Nintendo scheint aber vom Erfolg berauscht die Bodenhaftung und den Blick auf seine Wurzeln zu verlieren.
Selbst wenn man sich in die Charts musizieren, kochen und trainieren wird, hat man mit diesem unterirdischen Auftritt viele anspruchsvolle Spieler alter Schule vergrault. Ich galt in der Redaktion als "Last Nintendo Fanboy standing" - der ist jetzt umgefallen. Wer keine Kinder oder Rentner im Haus hat, kann gut auf das weiße Grinsen mit noch präziserem Gefuchtel verzichten.
Jörg Luibl
Chefredakteur