Xbox One X gegen PS4 Pro – Es wird mit zweierlei Maß gemessen
Microsoft hat den Start der ersten Xbox One ordentlich verbockt. Das Unternehmen sprintete förmlich von einem Fettnäpfchen zum nächsten. In der Gaming-Szene etablierte sich eine Negativität zur Konsole, welche sich auf eine gewisse Weise auch bei vielen Journalisten und Bloggern festgesetzt hat. Was Microsoft auch behauptet, wird in der Regel so negativ wie möglich aufgefasst, während das bei Sony oftmals nicht so ist.
Als Beispiele kann man Sonys Crossplay-Blockade nennen, ein Thema, das auch sehr vielen PlayStation 4-Besitzern am Herzen liegt. Microsoft setzt sich in der Gaming-Branche dafür ein, sämtliche Plattformen miteinander zu verbinden und hat mit Nintendo bereits einen ersten, großen Partner gefunden.
Einzig und allein Sony weigert sich bislang, wofür der Konzern sowohl von Spielern als auch von Entwicklern heftig kritisiert worden ist. In Deutschland findet man zum Thema medial überraschend viel Gelassenheit. Während Sony mit „for the players“ wirbt, agiert man im Hintergrund genau gegen die Interessen der Spieler. Kritik erntet der japanische Konzern in den deutschen Medien dafür allerdings nicht. So schreibt computerbase beispielsweise: „Kommentar: Sony muss Cross Play aktuell noch ablehnen“.
Eine Entscheidung, die für Konsumenten absolut nur schädlich ist, wird dort verteidigt, weil Sony schließlich ein wirtschaftliches Interesse daran hat, die Xbox One-Spieler nicht mitspielen zu lassen. Hier muss man allerdings die Frage stellen: Ist man als Journalist eher Konsument oder Sony-Mitarbeiter?
Die PlayStation 4 Pro wird als erste 4K-Konsole vermarktet, allerdings gibt sie Games nie wirklich in nativer 2160p-Auflösung aus. Stattdessen sieht man als Spieler eher eine 1080p- bis 1440p-Auflösung, da die PlayStation 4 Pro eher nur die Hälfte der Pixel rendern muss und kann. Für Sony ist wichtig, dass ein Unterschied zu nativer 4K-Auflösung fast nicht zu erkennen ist, wobei das natürlich auch Ansichtssache ist und davon abhängt, wie genau man hinschaut. Das Thema ist hoch technisch und durchaus kompliziert. Was Sony als 4K bezeichnet, ist jedenfalls kein 4K oder UHD. Medial wurde das Thema allerdings kaum behandelt. Wäre dem bei der Xbox One X so, würde man wahrscheinlich nichts Anderes mehr zur Konsole lesen.
PS4 Pro: Medien bejubelten jeden Grashalm
Zum Launch der PlayStation 4 Pro wurde die Konsole mit dem damaligen Angebot von Microsoft verglichen, der Xbox One S. Selbstverständlich hatte die drei Jahre alte Hardware in der One S keine Chance. Dennoch wurde verglichen und es folge eine Sensationsmeldung nach der anderen für jeden Grashalm, den die PlayStation 4 Pro mehr darstellen konnte als die Xbox One S.
Nun ist die Xbox One X da und kann dank der besseren Hardware natürlich die Games nachweisbar schöner ausgeben als die PlayStation 4 Pro. Die Jubelmeldungen darüber bleiben allerdings aus. Die häufigsten Headlines, die man zu beiden Konsolen liest: „Xbox One X: Ist sie besser als die PS4 Pro?“ oder „Xbox One X vs. Playstation 4 Pro: Grafikunterschiede oft gering“. Vor allem der letztere Artikel könnte subjektiver nicht sein: Verglichen wird nämlich anhand von FIFA 18, wo markante Unterschiede oft nur schwer feststellbar sind. Das im Artikel eingebettete Video, worauf sich der Artikel stützt, zeigt aber: Die Xbox One X hat eine höhere Render-Distanz als die PC-Version. Es wird nur am Rande erwähnt und bei einem derart schwer vergleichbaren Game, wie FIFA 18, ist das eben sehr wohl ein Unterschied.
Heute: Grafik-Vergleiche sind uninteressant
Nun, wo eben die Xbox grafisch der PlayStation-Plattform überlegen ist, sind die Grafik-Vergleiche und die merkbaren Unterschiede nicht mehr so wichtig. Wir erwähnen an dieser Stelle nur die 900p vs. 1080p-Diskussion, die es nach dem Release der ersten PlayStation 4 und Xbox One gab. Damals zählte noch jeder Pixel und es wurde gezoomt, um nur ansatzweise den zusätzlichen Grashalm auf der PlayStation 4 zu finden. Heute sind die Unterschiede sogar offensichtlich. Die Schärfe ist besser, die Bevölkerungsdichte sowie die Render-Distanz sind höher.
Tomb Raider, Shadow Of War, Battlefield 1, Assassin’s Creed: Origins und Co. zeigen schon zum Start die Unterschiede der Xbox One X zur PlayStation 4 Pro deutlich auf, doch medial wird das bislang völlig ignoriert. Artikel hierzu findet man wenige bis gar keine. Die Grafik-Unterschiede sind wohl nicht mehr so wichtig. Wir erlauben uns zu raten: Bis die PlayStation 5 erscheint?
Die Medien schreiben häufig, was die Leserschaft lesen will und klammern dabei Details aus, die gegen die im Artikel aufgestellte These sprechen. Dabei werden Tatsachen und Fakten gerne einfach ausgelassen oder geringer gewertet.
4K Launch-Titel – Medien widersprachen Sony nicht
Ein aktuelles Beispiel für die Negativität gegen Microsoft in internationalen Medien findet man ohne langem Suchen. Kürzlich behauptete Albert Penello, Marketing Director von Xbox, dass die Xbox One X die „meisten Launch-Titel aller Zeiten für eine Konsole“ hat.
Es gibt nämlich bereits 77 Games, welche Xbox One X Enhanced sind und der Marketing Director bezeichnet diese Games natürlich als Launch-Titel. Dass Forza Motorsport 7, Halo und viele mehr bereits vor Monaten oder Jahren erschienen sind, ignoriert er natürlich gerne. Die Medien zerreißen Microsoft dafür. Launch-Titel sollten schließlich neue Games sein und ich selbst bin dieser Meinung. Ja, die Halo: Master Chief Collection ist auf der Xbox One X traumhaft und wirkt wie ein Remastered-Game, wenn man mit der Xbox One vergleicht. Aber es ist eben kein neues Game, das extra mit der Xbox One X startet.
Die Sache ist allerdings die: Als Sony die PlayStation 4 Pro mit 40 optimierten Launch-Titeln auf den Markt brachte, gab es diesen Widerspruch medial nicht. Es wurde kein Wort darüber verloren, ob der Begriff „Launch-Titel“ gerechtfertigt ist oder nicht. Die Aussage von Sony wurde als Tatsache angenommen. Microsoft übertrifft Sony in dieser Hinsicht und die Grundsatzdiskussion beginnt. Zahlreiche Medien erachten es plötzlich als berichtenswert oder kontrovers, weil das ein Microsoft-Manager sagt. Hier hat sich eine absurde Eigendynamik entwickelt.
Schlusswort
Dieser Artikel soll aufzeigen, wie viele Medien stets das schreiben, was ihre Leserschaft hören will. Mit journalistischer Objektivität hat das allerdings wenig zu tun.
Medien, die zum Start der PlayStation 4 Pro die grafische Überlegenheit der Konsole bejubelt haben, sind nun nach dem Start der Xbox One X überraschend still oder können plötzlich markante Unterschiede nicht erkennen. Wer allerdings anhand von Tomb Raider oder Assassin’s Creed: Origins vergleicht, der wird bei genauem Hinsehen Unterschiede bemerken. Die Schärfe von Objekten ist auf der Xbox One X deutlich höher und im Falle von Origins ist die Auflösung der Ausgabe auf der Xbox One X zu jedem Zeitpunkt höher als bei der PS4 Pro.
Diese Unterschiede sind für das freie Auge oft nicht erkennbar, allerdings war genau das vor einem Jahr höchst relevant für die internationale Medienlandschaft. Heute, wo unserer Meinung nach der faire Vergleich zwischen Xbox One X und PlayStation 4 Pro wichtiger wäre denn je, bleiben die Medien stumm.
Der Konsolenkrieg wird häufig auf einen kleinen Teil der Community reduziert, doch dieser Hang zur Kritik an Microsoft hat sich bereits in den Köpfen vieler Beobachter, Journalisten und Blogger im Gaming-Bereich festgesetzt. Es wird wieder Zeit für objektiven Journalismus.