"Ich bin erst zufrieden,
wenn die Spieler vor der Konsole weinen"
Die Emotionen im Visier: Computerspiele befinden sich auf der Schwelle in einer neues Zeitalter. Ubisoft-Chef Yves Guillemot verrät im Interview, wie die Zukunft aussehen könnte und wie wichtig die Emotionen der Spieler sind.
Ubisoft hat es geschafft: Hinter Electronic Arts hat sich der französische Entwickler und Publisher den zweiten Platz bei PC-Spielen gesichert. Im Bereich Konsolen liegt das Unternehmen weltweit auf Platz sieben. CEO Yves Guillemot möchte auch in diesem Segment Marktanteile gewinnen und in beiden Bereichen die zweite Kraft hinter EA werden. Das funktioniert nur, wenn die Spieler emotional in ein Spiel involviert sind.
Monsieur Guillemot, ich befinde mich hier auf der Suche...
Guillemot: Wonach suchen Sie denn?
Ich suche ein Spiel, das mich vom Hocker reißt, von dem ich sage: Wow!
Guillemot: Eine schwierige Herausforderung. Ich denke, Computerspiele sind bereit, den nächsten Schritt zu wagen.
In welche Richtung?
Guillemot: Wir wollen die Spieler noch stärker emotional einbinden. Ich bin erst zufrieden, wenn die Spieler vor der Konsole weinen.
Das wird schwer. Es scheint ein Grundproblem von Computerspielen zu sein, starke Emotionen zu erwecken.
Guillemot: Das ist die Vergangenheit. Die Zukunft wird anders aussehen. Das ist meine Vision.
Wie wollen Sie das anstellen?
Guillemot: Zum Beispiel wird die Grafik so real werden, dass der Spieler gar nicht anders kann, als Emotionen zu empfinden.
Aber Grafik allein kann es nicht sein...
Guillemot: Nein, aber es ist eines von vielen Mitteln. Auch die Handlung von Spielen wird anders werden.
Bei Filmen war es anfangs so, dass die Menschen das neue Medium nur technisch wahrnahmen. Erst nach einigen Jahren wurden Handlung und Ästhetik diskutiert...
Guillemot: An genau diesem Punkt befindet wir uns gerade mit den Spielen. Der nächste Schritt muss jetzt stattfinden.
In welche Richtung wird dieser Schritt gehen?
Guillemot: Es muss Überraschungen geben. Eine wichtige Figur muss sterben.
Aber dann habe ich bei Computerspielen immer die Möglichkeit, das Spiel anzuhalten, zurückzugehen und die Figur zu retten...
Guillemot: Da haben Sie Recht. Doch das kann man in Zukunft ändern. Warum nicht eine Figur endgültig verschwinden lassen? Ein Tod, dramatisch inszeniert. Das wird den Spieler weinen lassen. Genau das ist mein Ziel.
Dennoch bringen Sie auch Fortsetzungen bekannter Spiele heraus...
Guillemot: Der Erfolg dieser Spiele gibt uns aber die Möglichkeit, in andere Projekte zu investieren, neue Ideen zu fördern. Und dabei liegt bei uns das Hauptaugenmerk darauf, die Spieler stärker teilhaben zu lassen.
Wann wird es das erste Spiel geben, bei dem Menschen weinen?
Guillemot: Früher, als viele denken.