Bildungsstreik 2009

Nerazar

L99: LIMIT BREAKER
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Nun denn!

Ich habe hier noch keine Plattform gefunden, bei der dieses Thema ausdiskutiert werden könnte. Merkwürdig eigentlich, da der Großteil von CW sicherlich auch zu diesem Thema was zu sagen hat... es betrifft ja Schüler und Studtenten (und Lehrer und Dozenten) gleichermaßen! Keinem geht es wirklich gut.

Seit Dienstag ist auch hier in Augsburg das Audimax besetzt.
Und hier hört der inzwischen internationale Bildungsstreik bei Weitem nicht auf.

http://maps.google.at/maps/ms?ie=UTF8&hl=de&msa=0&msid=116283369278129786033.0004778dfa81fb402d565&source=embed&ll=49.21042,8.876953&spn=23.014452,46.582031

Überall in Deutschland 'brennen' die Unis und es werden von Tag zu Tag mehr.

Warum das so ist, müsste auch klar sein...
Das System, welches so zur Zeit unsere Bildung bestimmt, ist nach Meinung der Besetzer (mich eingeschlossen) einfach nicht mehr tragbar.

Auf jeder Ebene wird das Arbeitspensum immer größer, während die tatsächliche Bildung weiter zurückfährt.
Seit einigen Jahren werden Schüler und Studenten quasi am Fließband mit dem jeweiligen Abschluss ausgestattet, damit sie so schnell wie möglich an die Wirtschaft verfüttert werden können.

Workloads bei den Kindern der G8-Reform von über 40 Stunden in der Woche sind absolut keine Seltenheit. Nur:
Wie kann man da Kind sein? Wie kann man Menschen zur Kritikfähigkeit und zum Selbstbewusstsein erziehen, wenn das Einzige, das man mit der Schule verbindet, bestenfalls der Unmut ist, mit dem man sich tagtäglich hinschleppen muss.
Oder der Arbeitsaufwand ist, den man Tag für Tag zu bewältigen hat, da eine Note sowohl über die persönliche Stellung innerhalb der Klasse, als auch über die persönliche Zukunft entscheiden kann.

Ebenso bei den Studenten, die nun in das Bachelor/Master-System hineinrutschen.
Jede einzelne Note findet ihr Gewicht in der Abschlussnote... Das bedeutet, dass man zu jeder Prüfung an und für sich die volle Leistung geben muss, besonders beim Bachelor.
Studieren über den Teller/Fachrand hinaus wird nicht nur nicht gefördert, sondern immer öfters auch unterbunden durch die Regelungen.

Denn ohne (sehr!) gute Noten bekommt man zu oft schlicht und ergreifend nicht einmal die Möglichkeit zum Master-Studium.
Und wie 'wertvoll' der Bachelor nach Meinung der Wirtschaft ist (die das alles auch sogar selbst durchkonzeptioniert hat... paradoxerweise), wissen wir auch.
Er ist so ziemlich wertlos.

Und das ist wirklich nur ein sehr kleiner Ausschnitt davon, was schief läuft.

Was ich hier schaffen wollte, ist ein Thread, der zur Diskussion genutzt werden kann.
Besetzt ihr mit? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum? Habt ihr Vorschläge? Anlass zur Kritik?

Mir und vermutlich jedem der Besetzer ist es sehr wichtig, dass dieses Thema so viele Leute wie möglich erreicht.
Helft bitte mit, soweit ihr könnt. Zeigt euch solidarisch mit den Besetzern und, was ich sehr toll fände, macht da eventuell auch mit.

Bei uns in Augsburg kann sich jeder einbringen... Jede Entscheidung wird basisdemokratisch gefällt und alles entsteht in einer Diskussion. Niemand wird übergangen, jeder zu Wort gelassen, der will.

Wir formulieren das aus, was den Entscheidungsträgern auf Uni- und Politikebene bis zum Jahr 2011 (und darüber hinaus!) wirklich betreffen muss und woran diese Menschen schlicht und ergreifend arbeiten müssen.
Hier in Bayern wird, so befürchte ich, das System kurz vor dem Kollaps stehen, wenn der doppelte Abitur-Jahrgang in die 'freie Welt' der Universitäten entlassen wird.

Die Uni Augsburg hat schon bei 20% mehr Erstsemester (mich eingeschlossen) schon eine richtig dicke Raumnot in vielen Fakultäten.
Wie soll es erst bei 100% sein?

Also: Diskutiert :)
Wenn ihr wollt, kann ich euch von Augsburg aus weiter mit Infos versorgen... ich bin so ziemlich bei jeder Plenar-Sitzung dabei und kann dort auch auf die Dinge eingehen, die hier entstehen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich war am Dienstag in München streiken...
Und jetzt bin ich krank... Naja, meine Schuld wenn ich mit Halsschmerzen stundenlang brüllend rumlaufe... Aber das ist ja ein wichtiges Thema, dafür habe ich das gerne auf mich genommen.
 
Ich war am Dienstag in München streiken...
Und jetzt bin ich krank... Naja, meine Schuld wenn ich mit Halsschmerzen stundenlang brüllend rumlaufe... Aber das ist ja ein wichtiges Thema, dafür habe ich das gerne auf mich genommen.

OK, das lief leider nicht gut :/
Allerdings hast du Recht, dass die Präsenz verdammt wichtig ist, besonders bei Schülern/Studenten.

Wenn wir die Bürger erreichen, ist die Politik nicht fern.

Denn so, wie die Sache momentan steht, bewegt sich die Regierung auf Landes- und Bundesebene noch kein Stück.
Aber ... kommt Zeit, kommt Rat.

Die Besetzungen werden weitergehen... Sodass' am Ende vielleicht das Plakat

'Bitte lieber Weihnachtsmann, mach', dass ich studieren kann.'

nicht nur einen symbolischen Charakter bekommt :)
 
ich bin eigentlich schon streikfreudig, aber für mich gibt es kein grund: G8 ist standart in sachsen gewesen und da gab es keine probleme, und bei 1-2 vorlesung + 1 Übungsstunde am tag, da kann ich nicht von überarbeitung reden :>....ich bin ersty und kenne es nur so, und so wie es hier an der Uni Lü ist, da hab ich nix aus zu setzen...

ich will kein streikbrecher sein, aber ich glaube, dass generell die erstys wohl nicht mitstreiken werden
 
Naja, ich bin Erstsemester und habe den Hörsaal für 3 Tage mitbesetzt und mich in den Streik- und Diskussionsprozess aktiv eingebunden. Und werde das auch in der nächsten Woche tun, wenn ich wieder bei der Uni bin.

Aber ja, da hast du Recht:
Ich muss sagen, dass es bei mir als Erstsemester bisher auch 'läuft'. Ich kenne es ja nicht anders.

Allerdings weiß ich erstens, dass ich persönlich sehr viel Glück gehabt habe und viele meiner KommilitonInnen nicht einmal in alle erforderlichen Kurse reingekommen sind, aufgrund von Platzmangel.
Ein Beispiel: Ein Seminar, welches 5 Leistungspunkte bringt (und es ist 1/6 von dem, was in einem Semester grob zu schaffen ist) war in der Online-Anmeldung für etwa 5 Sekunden 'erreichbar'.
Ich kam rein, weil ich wirklich bis exakt zu diesem Zeitpunkt gewartet habe und als die Seite dann fertig geladen hatte, gab es bereits etwa 50 Wartelisteneinträge.

Zweitens weiß ich auch, dass es meinen Mitstudenten in diversen Fakultäten nicht gut geht.
700 Leute, die in einen Hörsaal für 500 Leute reinkommen wollen, als Beispiel.

Drittens weiß ich inzwischen auch, dass das, was von uns heute erwartet wird, schlicht und ergreifend nicht dem Ideal von Studium entspricht, welches ich mir vorstelle und viele der anderen Besetzer auch.

Auslandssemester werden zu großen Teilen unmöglich gemacht, wegen der knappen Regelstudienzeit und ein Studieren neben dem eigenen Thema ist nur äußerst eingeschränkt möglich.

*Und* viele Kurse werden nicht einmal akkreditiert, die du im Ausland gemacht hast.
Da läuft das System einfach nicht.

Das und einige Gründe mehr, haben mich dazu bewogen, mich dem aktiv anzuschließen.

Es geht jetzt nicht direkt darum, was mit uns heute passiert. Das ist nicht einmal erstrangig... Die Frage ist eher: Wo werden wir in 10 Jahren stehen, wenn das System weiterhin so läuft?
Wird es da überhaupt ein Aufgebot an kritischen und fundierten Wissenschaftlern geben?

Wird nicht eher diese Generation und die direkt darauf folgenden nicht das tun, wofür die Bildung eigentlich steht?

Ich meine... Die Universität ist keine Ausbildungs-, sondern eine Bildungsstätte.
Und zur Bildung gehört eine Auseinandersetzung mit dem Wissen der Vergangenheit und der Gegenwart... und das kann man nicht damit fördern, indem man den Studenten kaum Zeit lässt, abseits 'ihres Faches' zu studieren.
Und auch keine Zeit lässt, wirklich kritisch mit diesen Sachen umzugehen.

Es ist schön, wenn jemand sagen kann, 'Das ist so und das ist so.'.
Aber darum geht es meinem Bild von der Universität und der Wissenschaft nicht.

bei mir ist das eher ein 'Warum ist das so? Ist das wirklich so?'.
Und diesen Prozess sehe ich durch Bologna äußerst gefährdet.

Neben dem Punkt, dass Studiengebühren nicht zur Qualität der Lehre beiträgt... sondern an und für sich nur an der 'Qualität' der Studierenden schraubt, sodass am Ende gilt:

Wer das Geld hat, hat die Bildung.

Und das... ist auch ein Punkt, der schlicht und ergreifend nicht sein kann, finde ich.

Und ja, ich werde mich etwas kürzer halten, in Zukunft ;-) Diskussionen können auch kurz, knapp und prägnant begangen werden.
 
Bin zur Zeit auch im 1. Semester und kann wohl wies aussieht nach dem Semester wieder aufhörn, weil ich kein Bafög bekomm und mir deshalb des Studium net leisten kann.
Finde es sehr gut, dass zur Zeit gestreikt wird, war auch letzte Woche mit dabei.
Aber Erfolge sind ja noch nicht wirklich sichtbar, leider. Bafög Erhöhung bringt ja nix, wenn mans nicht bekommt, weil man 1/4 von ner Wohnung geerbt hat -.-.
Einen Erfolg hatte der Streik an unsrer Uni allerdings schon. Die Uni hat jedem, der den Bachelor macht, ein Masterstudienplatz zugesichert. Wie die des machen wollen is zwar noch net sicher, aber der Wille is schonmal da.
 
Ich bin Student in Heidelberg, auch Erstsemester.

Und G8 und Bologna-Refom sind der größte Scheiß.

In G8 hat man nur noch eine Schmalspurbildung. Es war wirklich frustrierend zu sehen, welche Themengebiete wegen G8 einfach alle aus dem Lehrplan gefallen sind.
Und genau so wird G8 doch umgesetzt: Zum einen mehr Stress und mehr Belastung, und weil selbst das nicht reicht, fallen noch viele Themen weg. Und beides ist genau das, was nicht passieren darf.

Und an Bologna ist auch fast alles beschissen.
Zuerstmal stört dieses scheiß CP-System. 30 CP ist für Naturwissenschaftler ein riesen Aufwand, und anders als es sein soll, ist ein CP weit mehr als 30 Stunden Aufwand bei uns. Meine Kollegen und ich sind nachts oft bis 2 oder 3 Uhr am Hausaufgaben-Zettel rechnen, und das während der Woche (wir müssen um 8 Uhr aufstehen!).

Am meisten stört mich diese Bachelor-Master-Unterscheidung. Früher konnte jeder bis zum Diplom studieren. Heute kann es passieren, dass man wegen einer durchschnittlichen Bachelor-Note nicht mehr weiter studieren kann oder irgendwo hin an eine schlechte Uni muss.

Und ich hab bisher die Erfahrung gemacht, dass sowohl Professoren als auch Studenten (zumindest in den Naturwissenschaften) die Bologna-Reform für den größten Unsinn halten. Ja warum haben wir den Scheiß dann eigentlich?

Weil irgendwelche inkompetenten Pseudo-Bildungspolitiker, (A)Sozialwissenschaftler und vor allem profitgeile Wirtschaftsvertreter das so wollten.

Dafür müssen wir auch noch zusätzlich CP in "fächerübergreifenden Kompetenzen" sammeln. Heißt im Klartext: Wir müssen uns anhören, wie naturwissenschaftsferne Sozialwissenschaftler glauben, dass wir Physik zu lernen hätten. Allein schon wenn ich Begriffe wie "Zeit-Management, Teamwork, ..." lese wird doch ziemlich schnell offensichtlich, dass das Ganze doch stark aus Sicht der Wirtschaft geprägt ist.

Imo hat der Bachelor nur ein Gutes:
Mir gefällt, dass jede Klausur in die Gesamtnote eingeht und es keine Abschlussprüfung mehr gibt. Ich lehne es stark ab, dass eine einzige AbschlussKlausur über die Note bestimmen soll und die Leistungen in den vorherigen Jahren völlig für die Katz war. Deshalb lehne ich auch die Abitur-Prüfung ab. Sehr viel besser finde ich, wenn immer mal wieder zwischendrin Leistungskontrollen gemacht werden.

Nebenbei: ich war beim Bildungsstreik dabei. :)
 
Zuletzt bearbeitet:
:ugly: das merkwürdig ist, dass die uni lü wohl als statistischer fehler auftritt. sie ist wohl klein und unbekannt, weshalb es wohl kein überlaufene vorlesung gibt :>
 
Ich bin Student in Heidelberg, auch Erstsemester.

Und G8 und Bologna-Refom sind der größte Scheiß.


FALSCH!!!!

bitte differenzieren, in Sachsen und thüringen gab es schon immer G8
und die haben keine schmalspurbildung ( wie ich darauf komme? Sachsen war 1. platz in Pisa 06, Bayern (G9) platz 2 und thüringen (g8 ) platz 3 seite 7 von 24: QUELLE )

für mich war es selbstverständlich, ab der 5./6. klasse schon bis 15.30 in der schule zu sein UND kantinenessen zu bekommen und danach hab ich mich meinen hobbys gewidmet.

es ist weder G8, noch Bologna, es ist viel eher: die inkompetenz der politiker, die es nicht richtig umgesetzt haben http://www.dradio.de/dlf/sendungen/pisaplus/1073683/

- see ya in the funny pages
 
Freut mich, dass sich weitere Leute eingeklinkt haben und dass wir in etwa alle der Meinung sind, dass was geändert werden muss. :)

Hier müssen wir als Streiker/Besetzer jedoch immer unterscheiden zwischen Poltik-Ebene und Schul/Uni-Ebene.

Die Schulen und die Universitäten sind verpflichtet, den Gesetzen, die eben in einem Parlament beschlossen worden sind, Folge zu leisten.
Die jeweiligen Leitungen können auch nicht alles erfüllen, was wir uns wünschen... da müssen wir wirklich Druck auf die Politik machen.

Ein Beispiel:

Die Studiengebühren an der Universität Augsburg liegen zur Zeit bei 500€.
Die Universitätsleitung könnte von einem Tag auf den anderen diesen Satz auf 300€ runterregeln, welches das gesetzlich vorgegebene Minimum darstellt.
Jedoch nicht gänzlich abschaffen.

Da muss der Gesetzgeber dementsprechend sich bewegen.

Wichtig ist, dass die jeweiligen Leitungen und die Schüler/Studenten miteinander daran arbeiten, dass unsere Forderungen durchgesetzt werden.

Auch so Sachen wie ein gesetzlich zugesicherter Master-Platz ist einer unserer Punkte, der klar an die Politik ginge.

Oder 'BaFöG für alle/Elternunabhängiges BaFöG'.
All jene Punkte diskutieren wir gerade aus und werden alsbald noch mehr aktiv.
Und werden diese Punkte an höhere Stelle weiterreichen.

Und weitere Ebenen hinzufügen...!

Ultrix: Das ist auch ein Punkt. Diese schwammige Formulierung, dass ein LP 'etwa 30 Stunden Arbeitspensum' bedeutet, funktioniert in der Realität bei weitem nicht.
Die Naturwissenschaftler sind da schlicht und ergreifend im Nachteil (neben anderen Studienrichtungen).

Hierbei haben die Besetzer der Uni Augsburg die Position, dass ein Mittelweg gefunden werden muss.
Zwischen wenigen Prüfungen, die sehr ins Gewicht fallen (alte Studienordnung) und zwischen vielen Prüfungen, die jede für sich ins Gewicht fällt (neue Studienordnung).
Eben keine bloße Ausrichtung auf das Eine oder Andere.

Ein weiterer Diskussionspunkt, der aber noch nicht abgestimmt worden ist, der mir aber gefällt, ist, dass die Zulassungsbeschränkungen aufgehoben werden sollen.
Und zwar in dem Sinne, dass die bloße Abiturnote (die im Endeffekt *nichts* über den Menschen selbst aussagt) weniger/keine Gewichtung mehr erhält.

Und dass am Ende jeder Studiengang NC-frei ist. (Aber andere Eignungsfeststellungen wie Eingangsprüfungen noch möglich sind... das wird hier aber auch ausdiskutiert.)

Wir sind ein wichtiger Teil der Gesellschaft. Und wenn wir Probleme haben, ist es die Pflicht der gewählten Politiker, diese Probleme aus der Welt zu schaffen.
Dafür werden wir kämpfen und einstehen.

Und ich hoffe, dass weitere sich uns anschließen werden und die Repressalien überstehen, die eventuell auf uns kommen werden.
Mehrere Unis wurden polizeilich geräumt und einige Demonstrationen in Deutschland wurden unter Einsatz von Polizeigewalt aufgelöst.

Wenn sich das so weiterhin ereignet, werden wir so hoffe ich, nicht mehr 'einfach nur' einen Hörsaal besetzen, um eine basisdemokratische Plattform zu schaffen.
 
WEiß gar nicht, was ihr alle habt. ich habe 25 semesterwochenstunden bin fast jeden Tag von 10-18 Uhr aus dem Haus und dazu muss ich noch richtig für Japanisch büffeln und lerne noch ca 20 stunden in der Woche zu hause japanisch.

Ich schreibe fast jede woche einen Test, wo ich bei allen tests zusammen 60% erreichen muss um überhaupt für meine Abschlussprüfung in Japanisch zugelassen werde. Ich lerne in fast jeder freien Minute japanisch und das muss ich auch bei dem tempo das wir an den Tag legen.

Ich beschwer mich aber auch nicht, bzw ich hätte gar keine Zeit mich irgendwo reinzusetzen und dumme Hörsääle zu besetzen. Ich wußte ganz genau, was auf mich zu kommt, und es war mir auch klar, dass es nicht so ruhig wie in der Schule zugehen wird.

Wem das zu viel ist, der soll einfach nciht mehr studieren, dann sind die ganzen Lehrgänge auch nicht mehr so voll. Werr eine ruhige Kugel schieben will, der soll arbeiten gehen^^
 
Zuletzt bearbeitet:
Das erinnert mich an einen Kumpel, der es in etwa so ähnlich ausgedrückt hat.

Meine Antwort bleibt die selbe:

Ein hohes Arbeitspensum scheint allgemein die Fähigkeit zur Kritik vollkommen zu zerstören.
Im Sinne von: Ist der Mensch beschäftigt, beschwert er sich nicht.

Du musst Folgendes wissen:
Wir bei der Uni Augsburg besetzen den Hörsaal in unserer Freizeit und gehen darüber hinaus noch zu großen Teilen unseren universitären Verpflichtungen und Verantwortungen nach. (Ich besuche z.B jede meiner Vorlesungen und lerne/studiere zwischen den Pausen der Plena.)
Die damit verbundene Arbeit ist immens und wir arbeiten hart daran, dass sich die Bedingungen für alle bessern.

Mit einer Einstellung á la 'Mir geht's doch gut, was habt ihr denn?' ist es bei Gott nicht getan, Darji.
Es 'freut' mich, dass du so viel zu tun hast, dass du keine Sekunde mehr an diejenigen denken kannst, die es nicht so 'gut' haben, wie du und die z.B in überfüllten Hörsälen sitzen, mehrere Nebenjobs mit der Uni vereinbaren müssen oder sogar noch eine eigene Familie zu ernähren haben.

Und das gleichzeitig mit dem Studium.

Das jetzige System macht ein Arbeiten neben dem Studieren oder gar eine Familie neben dem Studieren so gut wie unmöglich, es ist schlichtweg nicht realistisch.
Und das kann auch nicht angehen.

Zumindest solltest du dich solidarisch zeigen, es wäre schön, wenn die Besetzer zumindest moralische Rückendeckung auf Seiten der Studierenden bekommen.
Was wir tun, kommt allen zu Gute.

Zwar kann unmöglich jeder daran körperlich teilnehmen (die Gründe sind ja genannt), aber man kann den Streik zu den Leuten hintragen und zu einer Diskussion anregen.

Das alles ist ein demokratischer Prozess, der jetzt in den Vordergrund gestellt wird.
Da diejenigen, die eigentlich dafür zuständig sein sollten, die Politiker, dieses Thema seit Jahren falsch angegangen sind.

Das Ergebnis sieht man an Bologna. Und daran, dass die Ausgaben für die Bildung sehr viel niedriger angesetzt sind, als bei der Wirtschaft.

Du siehst es leider grundfalsch, in der Hinsicht, dass wir einfach nur 'weniger Arbeitspensum' wollen und angeblich faul sind und nichts zu tun haben.
Wir wollen, dass die Wissenschaft wieder eine solche ist.

Wissenschaft kann man nicht 'günstig und schnell und gleichzeitig qualitativ hochwertig' haben... Das ist eine einfache Metapher aus der Wirtschaft.
Aber genau das wird gefordert und gefördert... und genau das wird heftigst auf unsere Gesellschaft niederschlagen, wenn wir nicht etwas daran ändern.
 
Ich bin im neunten Semester und kurz vor den Diplomprüfungen.
Die ganze Streikthematik beschäftigt mich daher nur am Rande, da ich von den Entscheidungen ohnehin nicht entroffen bin.

Ich kann jedoch gut verstehen, warum sich der Ärger über das komplett verkorkste Bildungssystem irgendwann in einem Streik entlädt.
 
Meiun Kurs ist auch mehr als überfüllt und wenn ich nicht schnell genug wäre oder die Profs und dozenten nicht schnell reagiert hätten um extra Seminare und sogar Vorlesungen und soweiter einzurichten, müsste ich auch irgendwo auf der Treppe sitzen. Aber wie gesagt, dann komme ich halt 15 minuten eher und nicht erst um 11:13 Uhr :P


Es mag sicherlich löblich sein, gegen Studiengebühren zu protestieren aber euch sollte mal klar sein, dass ohne diese gebühren und auch ohne NC, die Hörsääle und Seminarraume noch wesentlich überfüllter wären. Ich bin auch kein reicher Mensch und musste deswegen auch einen Studienkredit aufnehmen, den ich später vollständig zurückzahlen muss, aber man sollte auch mal was in seine Zukunft investieren.

Viele studenten haben einfach so einkomisches solidaritätsgefühl oder einen Drang zu Demos und anderen Dingen. Diese Energie sollten sie viel eher in ihr studium stecken. Denn eins sollte jedem klar sein. Das Leben ist nicht Fair, es gibt keine soziale Gerechtigkeit und es wird auch niemals eine geben.

Ebenso bist du ja ncihtmal gezwungen dein studium in den 3 Jahren zu vollenden sondern kannst dir eigentlich immer noch soviel zeit lassen, wie du möchtest. Sind dir die Vorlesungen und seminare zu viel, dann belege ein paar halt im nächsten semester. Keiner zwingt dich zu 35 SMS oder dein studium in 3 bzw 5 Jahren zu beenden. selbst die Kreditunternehmen, würden niemals deinen Vertrag auflösen^^
 
Das Leben ist nicht Fair, es gibt keine soziale Gerechtigkeit und es wird auch niemals eine geben.

Wenn alle Leute nach dem Motto leben und handeln würden, gäbe es vermutlich selbst heutzutuage keine Rente, kein Krankengeld, kein Arbeitslosengeld etc und alle Kinder würden in der Fabrik arbeiten statt in die Schule zu gehen.
 
Ebenso bist du ja ncihtmal gezwungen dein studium in den 3 Jahren zu vollenden sondern kannst dir eigentlich immer noch soviel zeit lassen, wie du möchtest.

Naja...
Durch den finanziellen Druck ist man gezwungen es schnell zu beenden. Und in vielen Studienfächern gibts Studien"ziele". Wenn man da z.B. in Jura nach dem 4. Semester seine ZP nicht bestanden hat, isses aus!


Aber wie gesagt, dann komme ich halt 15 minuten eher und nicht erst um 11:13 Uhr

Das geht vielleicht aber nicht immer, wenn man nicht aus der Stadt kommt, in der man studiert.
Ich komme aus Solingen und muss jeden Tag nach Köln fahren. Mit der Bahn...
Bin also zum Großteil auf die Bahn angewiesen, was die Uhrzeit angeht.


Viele studenten haben einfach so einkomisches solidaritätsgefühl oder einen Drang zu Demos und anderen Dingen. Diese Energie sollten sie viel eher in ihr studium stecken.

Wer sagt denn, dass es nicht geht? Von dem Standpunkt aus könnte ich auch sagen: "Manche CW-User sollten vielleicht mehr Zeit in ihr Studium stecken anstatt im Forum rumzuposten." ;)
Siehste, auf was ich hinauswill?

Ich hab übrigens auch nen Studienkredit aufgenommen. Und dennoch schwebt ein finanzieller Druck über mir. Das ist für mich schon viel Geld.
Was ist, wenn ich nach dem Studium keinen Job bekomme? Wie soll ich das dann zurückzahlen? Wenn ich neben dem Studium noch jobben würde, würde ich mein Studium vernachlässigen. Das ist auch keine Lösung momentan.


Und neben den Studiengebühren kommen noch die Semestergebühren, 200€. Dazu dann noch Bücher pro Semester bei mir auch um die 150-200€.

Da komm ich pro Semester auf 500+200+150. Sind 850€ und was sehe ich dafür im Vergleich zur Zeit ohne Studiengebühren?
Nix....
 
Zuletzt bearbeitet:
Irgendwie ist das doch total idiotisch. Ein Studium, für das eigentlich Regelstudienzeit von 10 Semestern angesetzt waren, soll plötzlich in 6 Semestern zu schaffen sein.
Wie das zu schaffen sein soll, muss man mir erst mal erklären (ich werde wohl 11 Semester brauchen, vorausgesetzt ich fang im Frühjahr mit der Diplomarbeit an).

Außerdem nervt mich an Bachelor, dass jetzt Erstsemester an Kursen teilnehmen, die eigentlich erst für Sechstsemester vorgesehen sind.
Und da man überall Noten braucht als Bachelor, gibt es die guten alten Sitzschein-oder Übungsscheine nicht mehr.
In jedem scheiß Fach müssen jetzt Prüfungen abgehalten werden...
 
Wenn alle Leute nach dem Motto leben und handeln würden, gäbe es vermutlich selbst heutzutuage keine Rente, kein Krankengeld, kein Arbeitslosengeld etc und alle Kinder würden in der Fabrik arbeiten statt in die Schule zu gehen.
Es wird bald auch keine Rente mehr geben, aber das sollte Studenten eh klar sein oder? Wie gesagt es ist schön nach sozialer Gerechtigkeit zu schreien aber dann auch bitte mit Plänen wie man diese utopische soziale Gerechtigkeit erreichen will.^^

Naja...
Durch den finanziellen Druck ist man gezwungen es schnell zu beenden. Und in vielen Studienfächern gibts Studien"ziele". Wenn man da z.B. in Jura nach dem 4. Semester seine ZP nicht bestanden hat, isses aus!
Gibt es bei mir auch und wie gesagt ich schreibe fast jede woche tests und wenn ich bei denen im schnitt nicht mindestens 60% habe, dann kann ich nicht an der abschlussprüfung Japanisch 1 teilnehmen und MUSS 1 Jahr nicht semester warten, bis ich japanisch 1 wiederholen kann. Und schon jetzt merkt man, dass diese 60% bei der Fülle an stoff gar nicht so leicht zu meistern sind. Ansosnten darf ich meine AP halt 3 mal wiederholen wenn ich sie dann immernoch nciht bestanden habe, darf ich nie wieder japanologie studieren^^

@Bahn: Einfach ne Bahn eher nehmen? Ich bin auch ca 40-50 minuten vor Vorlesungsbeginn da und ich komme schon aus Düsseldorf^^


Wie gesagt: Was wollt ihr denn machen, wenn es aufeinmal keine studiengebührnen mehr gibt, die Bildung dadurch noch weiter im Keller ist und die Leute nichtmal mehr im Hörrsaal platz haben um zu stehen?

Dinge wie studiengebühren und NC sind Methoden um diese zustände nicht noch weiter zu verschlimmern. Würden diese aufgehoben, würde an den Unis das absolute Chaos herschen.

@Geld: Ich muss dazu noch für meinen Japanaufenthalt spaaren der auch verdammt teuer sein wird. Und dazu muss ich dafür auch noch 1 Wartejahr bzw Urlaubsjahr beantragen. Wie gesagt. Ich habe am Anfang ganz genau gewusst was auf mich zukommt und wenn den leuten das zu viel wird, sollen sie halt abbrechen. Umsoschneller bekommen die Leute, die wirklich ernsthaft studieren wollen auch einen Sitzplatz in den Vorlesungen^^
 
Zuletzt bearbeitet:
Beim Bachelor gilt in Deutschland eine maximale Regelstudienzeit von 8 Semestern.
Überschreitest du diese, wirst du exmatrikuliert und hast die Jahre davor 'vergeudet'.

Nein, wir können gewiss nicht 'unser Tempo' bestimmen, Darji.
Wir können nicht einmal ein Auslandssemester ohne extrem große Probleme einbauen, obwohl es für Sprachwissenschaftler wie mich (und viele andere Studiengänge) extrem wertvoll ist.
Das ist auch eines unserer Kernpunkte, die wir gerade ausdiskutieren.

Und keine Sorge:
Ich muss auch immer 15 Minuten vor Beginn schon da sein, damit ich nicht auf dem Boden sitzen muss.

Klar kann man sich da 'durchschlängeln' (wie gesagt, bei mir 'funktioniert' es auch), aber du musst dich ehrlich fragen:
Wofür zahlst du so ein ungeheures Geld denn bitte?

Damit du auf dem Boden sitzen musst? Damit du in überfüllten Seminaren/Vorlesungen einen Menschen reden hören kannst?
Ist Lernen und Lehren unter solchen Bedingungen auf universitärem Niveau überhaupt möglich?

Meine Meinung hierzu ist einfach... Nein, es ist schlicht und ergreifend nicht möglich.
Aus Seminaren, die zu reger Diskussion anregen sollten, wurden halbe Vorlesungen und aus Vorlesungen wurden Geduldsproben, bei denen man auf dem Boden ausharren muss... auch keine sehr förderliche Möglichkeit zum Studium.
Wie sähe das denn aus, wenn z.B der Bundestag überfüllt wäre?

Nein, jeder dort hat einen Sitzplatz.
Und wir? :)

Bei dem Punkt mit dem NC und den Studiengebühren kann ich dir teilweise Recht geben, Darji.
Wir müssen als Besetzer noch ausdiskutieren, wie wir es mehrheitlich denn wollen.
Gerade wenn beides wegfallen soll, braucht man einen genauen Plan, der gut ist.

Wirkliche Veränderungen der Bedingungen kann man erst in maximal 3-4 Jahren erwarten. Aber wir können zumindest erwirken, *dass* diese Veränderungen tatsächlich kommen und dass die Generationen nach uns wirklich gut studieren können.

Und nicht nur mit Mühe und Not (bestenfalls), wie wir es gerade tun.

Ich bleibe dabei:
Diese Besetzer, zu denen auch ich zähle, arbeiten sehr hart, damit alle sich im Endeffekt besser auf ihr Studium konzentrieren können.
Bei uns läuft es so ab:

Von 08.00 Uhr bis meistens 13.00 Uhr haben wir ein Plenum, bei dem wir basisdemokratisch alle Tagesordnungspunkte ausdiskutieren und Anträge beschließen.
Dann gibt es eine Lern/Studienpause, bei denen die Teilnehmer ihr Studium fortführen können.
Dazwischen kann ein Gastredner der Dozenten einen Vortrag halten.
Dazwischen arbeiten die Arbeitsgruppen mit allen möglichen Sachen.

Und dann geht's von 18.00 Uhr bis meistens 22.00 Uhr - 23.00 Uhr weiter mit einem weiteren Plenum, bei dem etwa 500 Menschen anwesend sind.

Und Darji, das ist im Endeffekt harte Arbeit. Demokratie ist harte Arbeit.
... Eines noch:

Das Leben ist vielleicht nicht fair.
Aber ist es dann nicht die Pflicht eines jeden von uns für ein faires, gleich berechtigendes und gut funktionierendes Bildungssystem zu kämpfen?

Es ist wichtig, bei solchen Dingen das 'Ich' abzulegen.
Wir sind im Endeffekt die Opfer der Tatsache, dass in den letzten Jahren kein großer Streik erfolgt ist und dass einfach weitergemacht wurde, weil man nicht gerade mit dem Rücken zur Wand steht.

Ich will nicht, dass es so weitergeht.
Ein System ist keine Sache, die unabänderbar ist oder unantastbar.
Das ist Grundstein der Demokratie und das ist es, worauf wir uns berufen.
 
Bei den Studiengebühren versteh ich auch nicht was das ganze soll.
Klar sind 500 € im Semster sehr viel Geld.
Im Vergleich zu anderen Ländern wie den USA oder Australien sind 500€ aber Peanuts.
An amerikanischen Unis zahlt man bis zu 50.000 € im Semester. Und das ist dann erst Recht deprimierend, wenn man die ersten Jahre erstmal Schulden im Wert eines Hauses abarbeiten darf.
 
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