Ob Action-Adventure die richtige Genre-Bezeichnung für das neue Star Trek-Spiel von Digital Extremes ist, muss sich erst noch zeigen. Was wir auf der E3 vorgeführt bekamen, ging nämlich schwer in Richtung Shooter. Aber der Reihe nach. Die Handlung des Spiels mit dem sehr einprägsamen Namen Star Trek ist zwischen dem letzten Film von J.J. Abrams und dem nächsten angesiedelt, der im Mai 2013 in die Kinos kommen soll. Von Anfang an trägt sehr zur Stimmung bei, dass die Originalstimmen der Schauspieler Chris Pine und Co. im Spiel zu hören sind, zumindest in der englischen Fassung. Das Spiel legt sehr viel Wert auf Teamwork – laut dem Lead Designer die gleiche Tugend, die auch in den Filmen hervorsticht. Ihr werdet sowohl als Jim Kirk als auch als der junge Mr. Spock unterwegs sein dürfen, am besten im Coop-Modus mit Split-Screen. Um die verschiedenen Spielweisen der beiden Sternenflotten-Youngsters zu demonstrieren, bekamen wir das Spiel auf zwei benachbarten Riesendisplays in 3D präsentiert, quasi eine Art Super-Spliscreen. Falls ihr nur alleine spielen wollt, übernimmt die KI den jeweils anderen Part.
Die Handlung gibt schon einen Vorgeschmack auf den kommenden Film: Nach der Zerstörung von Vulkan, dem Heimatplaneten von Mr. Spock, ist das Volk der Vulkanier zunächst heimatlos und gründet dann eine neue Kolonie auf einem felsigen Staubplaneten, sinnvollerweise als "New Vulcan" betitelt. Genau von dort kommt nun ein Notruf und dann reisst das Signal plötzlich ab. Dreimal dürft ihr raten, welches hinlänglich berühmte Raumschiff dorthin geschickt wird, um die Sache zu untersuchen. Die Demo beginnt mit einem kinoreifen Schwenk über die Enterprise, bis in die Kommandobrücke hinein. Auf dem Rat Spocks, doch erst einmal ein Außenteam hinabzuschicken, antwortet Kirk lapidar: "Das wäre zwar vernünftiger, aber so werden wir wesentlich mehr Spaß haben." Entgegen jeder Verantwortung beamen Kirk und Spock also allein hinunter und finden eine verschlossene Basis und ein paar tote Vulkanier vor, die durch einen unbekannten Virus ums Leben gekommen sind. Um in die Basis zu gelangen, müssen die beiden Teamgeist beweisen: Während Kirk die Tricorder-Frequenz einstellt, manipuliert Spock den Zugangscode des Eingangs.
Im Innenbereich greifen sogleich einige vom Virus befallene Vulkanier an, die von Kirk mit gezielten Phaserschüssen (natürlich auf Betäubungs-Modus eingestellt) und von Spock per Schultergriff ausgeschaltet werden. Während die beiden weiter in die Basis vordringen, offenbart sich für uns immer deutlicher das System hinter dem ungleichen Duo: Während Kirk der Cowboy ist, der sich ohne lange Überlegungen im Vorfeld Hals über Kopf in brenzlige Situationen stürzt, repräsentiert Spock eher den nachdenklichen, technischen Lösungsansatz. Ihr werdet das Spiel also beim zweiten Durchspielen aus einer völlig anderen Perspektive sehen, solltet ihr euch für den jeweils anderen Charakter entscheiden. In der folgenden Szene wird dies besonders deutlich: Kirk und Spock stehen vor einer Brücke, in deren Mitte eine Lücke klafft. Trotz Spocks Warnung wagt sich Kirk an den Sprung und rutscht prompt ab. Spock rettet ihn gerade noch so, indem er mit dem Tricorder die Brückensteuerung aktiviert und kurz vor knapp die Lücke schließt.
Ab dieser Szene wird die Demo nun sehr viel actionlastiger, denn die Verursacher des seltsamen Virus treten auf den Plan. Hierbei handelt es sich offenbar um die Gorn, eine echsenartige Rasse aus der Originalserie, die wir eigentlich schon längst für in den ewigen Annalen des Star Trek-Universums verschwunden hielten. Der erste Gorn, auf wir in der Demo treffen, kann nur mit viel Mühe und Kooperation besiegt werden: Spock muss zunächst seinen wunden Punkt mit dem Tricorder analysieren, woraufhin Kirk dann auf diesen feuern kann. Als typisches Spielelement, das laut dem Entwickler Dramatik erzeugen soll, tauchen nach diesem recht knackigen Bosskampf gleich mehrere gleichartige Feinde auf, die nun aber mit wenigen Schüssen aus dem Phaser zu Fall gebracht werden können. Während die Gorn Welle um Welle angreifen (ein Raumschiff hat ihnen mittlerweile Verstärkung gebracht) geraten Kirk und Spock, die aus der Deckung heraus feuern, immer mehr in Bedrängnis. Das Gefecht gipfelt darin, dass Kirk einen Luftschlag anfordert – in diesem Fall natürlich einen Angriff der Enterprise mit Photonentorpedos auf das feindliche Gorn-Raumschiff.
Was wir bisher von Star Trek gesehen haben, sieht gut aus und der Fokus, den die Entwickler auf das Teamwork legen wollen, war schon deutlich zu erkennen. Doch für unseren Geschmack überwiegt die Action und das Geballere derzeit noch zu sehr, um dem eigentlich friedfertigen, entdeckerischen Geist von Star Trek gerecht zu werden. Wir hoffen daher, dass uns im fertigen Spiel auch Knobel- und Rätselpassagen erwarten: Einfach nur als Spock mit dem Tricorder die richtige Stelle am Bildschirm zu finden, die gescannt werden muss, ist uns nämlich noch ein bißchen zu wenig und wird der Vorlage nicht gerecht, die bewußt oft ruhigere Töne anschlägt, statt alle Probleme erst mal mit dem Phaser zu lösen. Wir sind dennoch schon auf Anfang 2013 gespannt, wenn das Spiel für PC, Xbox 360 und PS3 in den Handel gebeamt werden soll.