Saw IV

Also ich fand SAW4 sehr schwach.
Storytechnisch hat er mehr Substanz gehabt als alle Teile zusammen, aber die tausend Rückblenden haben dem Film mehr geschadet als geholfen. Der ganze Film wirkt dadurch zerhacktstückt und durch den Drehwolf gezogen. Hier wäre weniger, deutlich mehr gewesen.
Wenn man schon dabei ist, hätte ich mir eher gewünscht, dass die Hintergründe von Jigsaw besser dargestellt worden wären. Der Großteil der Rückblenden rund um die Verwandlung des normalen Mannes zu einem Serienkiller war ermüdend und zudem noch schlecht gespielt. Jedenfalls kam es mir vor, als ob Tobin Bell nach 3 Teilen keinen Bock mehr hatte der Figur Jigsaw Leben einzuhauchen, nachdem er im dritten Teil ja eigentlich schon über den Jordan gegangen ist.
So gesehen hätte man gleich darauf verzichten können, der Figur mehr Tiefe zu verleihen. Ich fand die ganze Story rund um seine Frau, das Baby und die Suchtklinik arg konstruiert, man hätte beim Hintergrund des Erstlings bleiben sollen (Krebserkrankung).
Die Kurzauftritte einiger Bekannten aus der Serie waren zwar nett, aber bis auf beinharte Fans, hat niemand was davon (der Auftritt der Nutte beispielsweise war verschwendetes Zelluloid).
Nervig ist auch, dass nun ein weiteres Mal der Erstling erweitert bzw. umgeschrieben wurde. Ich erwarte für den 5. und 6. Teil zumindest noch, dass die Oma von Jigsaws Kindergärtnerin auch ihre Finger im Spiel hatte und ein Seehund, der sich als Clown verkleidet hat nun letzendlich der wahre Jigsaw ist. Wie man durch spätere Prequels und Sequels einen guten Erstling aushöhlt, hat Hollywood oft genug schon bewiesen - die Saw-Reihe triebt es auf die Spitze.
Das Problem der Saw-Fortsetzungen ist, dass sie sich sklavisch an das vermeintliche Erfolgrezept halten und dieses nur durch höher, schneller, brutaler fortentwickeln (vgl. "Der weiße Haie" und seine Sequels). Statt einem fulminaten Finale, an dem die ganze Story kippt, probiert man es mit immer mehr und immer absurderen Wendungen. Dadurch, dass sich die ganzen Spiele auf immer mehr und immer größere Räume erstreckt, wird das ganze nur noch unglaubwürdiger und noch abstruser (Wenn ein Mann, durch die ganze Stadt hetzt, in der überall verteilt Leute auf ihren Tod warten und alles so abläuft, dass immer alle erst dann sterben, wenn er anwesend ist, die Opfer nie vorher entdeckt werden und dieser Mann auf seiner Odyssee kein einziges mal auf einen Polizisten trifft, ist endweder typisch für einen Horrorfilm oder eben schlechtes Storytelling). Von der klastrophobischen Stimmung im Verlies des ersten Teiles, der ständigen Verdächtigungen und Teilerfolgen und -niederlagen, ist nichts mehr übriggeblieben. Der Regisseur hetzt von einem vermeintlichen Höhepunkt zum nächsten und will nichts erzählen, sondern nur schockieren. Während Teil 1 auch ohne explizite Gewaltdarstellung auskommen könnte (weil der restliche Film sehr gut funktioniert), sind die anderen Teile auf TorturePorn dringends angewiesen, das restliche Filmgerüst ist einfach zu instabil um die Fortsetzungen über ca. 2 Stunden zu tragen.
Es kam mir so vor, als ob der Regisseur/ der Schnitt hier bewußt von einem Ort zum anderen und von einer Zeitebene in die andere rast. Nicht nur weil man damit Spannung erzeugen wollte, sondern weil man hier nach dem Konzept gesucht hat, die Storyfetzen logisch und unterhaltend aneinanderreihen. Dass so die gesamte Atmosphäre getötet wird, weil schon wieder der Ort oder die Zeit gewechselt wird, scheint jedoch nicht interessiert zu haben. Von der emotionalen Bindung an irgendeinen Charakter will ich gar nicht erst anfangen. Während ich um das Leben von Adam und Dr. Gordon und dessen Familie mitfieberte, waren mir in diesem Film so ziemlich alle Figuren scheissegal.
Naja, was solls, ist ja sowieso nur ein weiterer seichter Horrorfilm.
 
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