Ark, ich glaube, wir drehen uns im Kreis, weil zwei Dinge gerade offen bleiben: (1) welche Definition von „physisch“ du verwendest und (2) nach welchem Maßstab du „Nintendo tut mehr“ bewertest. Ohne das ist die Aussage nicht prüfbar.
Damit wir konkret werden, bitte ich dich um Antworten auf die vier unten aufgelisteten Punkte:
1. Was verstehst du in dieser Diskussion unter „physisch“? Welche Kriterien muss ein Datenträger erfüllen, um für dich als „physisch“ zu gelten (Lizenz am Datenträger, Daten am Datenträger, Offline-Nutzbarkeit, etwas anderes)? Wäre es darüber hinaus für dich akzeptabel, dass jemand anders eine andere Definition von phsyischen Datenträgern hat?
2. Woran machst du „Nintendo tut mehr für physische Medien“ fest? Anzahl physischer Releases, Qualität (offline/ohne Download), oder ausschließlich Investitionen/F&E ins Medium?
3. Du sagst, Blu-rays seien „ungeeignet“, weil sie zu langsam sind und deshalb installiert werden muss. Gleichzeitig verteidigst du GKC als Kompromiss, obwohl dort häufig ein Download nötig ist (sonst bräuchte es GKC ja nicht). Beides sind Kompromisse, nur an anderer Stelle. Warum ist Installation für dich ein Ausschlusskriterium, Download aber nicht? Warum ist die Blu-ray für dich als technisches Medium ungeeignet, die Cartridge aber schon?
4. Du sagst, Sony und Microsoft hätten „nur investieren müssen“, dann gäbe es bessere Alternativen. Worauf stützt du das konkret (Quelle/Beispiel/Technikvorschlag), statt als Annahme? Kannst du diese Aussage irgendwie belegen?
Wenn du diese vier Punkte beantwortest, können wir sauber weiterdiskutieren. Ohne Definition und Maßstab reden wir sonst zwangsläufig aneinander vorbei.
Es ist Jacke wie Hose für die Diskussion, was die Definition von physisch ist. Ich habe da schon längst meine Sicht erläutert: Da, wo die Lizenz ist. Physische Versionen sind datenträgerbasierte Lizenzträger (Blu-Ray, Cartrdige+GKC), digitale Versionen sind accountgebundene Lizenzen (Direktdownload im Shop, Code in a Box).
Aber in der gesamten Diskussion ging es nicht darum. Es ging um die Forschung und Entwicklung in physische Medien, völlig egal wie die Definition von physisch für jemanden ist.
Woran machst du „Nintendo tut mehr für physische Medien“ fest? Anzahl physischer Releases, Qualität (offline/ohne Download), oder ausschließlich Investitionen/F&E ins Medium?
Lies doch einfach die Diskussion von Anfang an. Du kannst mir gerne ein physisches Medium zeigen, was Spiele direkt von diesem Medium liest. Denn das wäre ein geeignetes Medium für Videospiele.
Du sagst, Blu-rays seien „ungeeignet“, weil sie zu langsam sind und deshalb installiert werden muss. Gleichzeitig verteidigst du GKC als Kompromiss, obwohl dort häufig ein Download nötig ist (sonst bräuchte es GKC ja nicht). Beides sind Kompromisse, nur an anderer Stelle. Warum ist Installation für dich ein Ausschlusskriterium, Download aber nicht? Warum ist die Blu-ray für dich als technisches Medium ungeeignet, die Cartridge aber schon?
Blu-Rays sind ungeeignet für Videospiele, das ist ein indiskutabler Fakt. Das heißt aber nicht, dass ich etwas gegen die Installation hätte. Wie kommst du darauf? Es ist halt ein Kompromiss und der billigste Weg für Hersteller. Ich habe aber kein Problem damit, so wie ich auch kein Problem mit GKCs habe. Bei der Diskussion geht es um was anderes.
Du sagst, Sony und Microsoft hätten „nur investieren müssen“, dann gäbe es bessere Alternativen. Worauf stützt du das konkret (Quelle/Beispiel/Technikvorschlag), statt als Annahme? Kannst du diese Aussage irgendwie belegen?
Was heißt "nur"? In der Technologiewelt funktioniert das schon seit eh und je so. Je mehr Unternehmen an etwas forschen und daran entwickeln, desto bessere bzw. insbesondere günstigere Lösungen, da Skaleneffekte. Proprietäre Technologien sind fast immer teuer. Du siehst ja, was bei SD-Karten passiert ist: Jahrelang viel zu langsam für moderne Systeme, aber da niemand die Anforderung hatte oder irgendwas geforscht hat, kam ewig kein Nachfolger. Erst Nintendo hat mit SD Express einen allgemeinen Standard mitentwickelt. Und so funktioniert es in der Branche oft. Ich mein, so funktionieren Weiterentwicklungen bei USB, HDMI, Bluetooth, Wi-Fi, SSDs, UFS uvm..
Warum gibt es keinen Nachfolger zu Blu-ray? Weil es schlichtweg niemanden interessiert. Aber interessieren sollten sich eigentlich die Videospielehersteller für. Oder glaubst du, Disks hätten sich für Konsumenten nicht weiterentwickelt, wenn man weiter investiert und geforscht hätte?
Warum gibt es von Sony und Microsoft nichts in diesem Richtung? Weil sie nichts für physische Medien tun. Seit über 20 Jahren ist beiden Unternehmen bekannt, dass Disks nicht mehr geeignet sind, trotzdem setzen sie drauf und scheinen auch nicht investieren zu wollen.
Es hätte vielleicht Cartrdiges geben können, die alle drei Konsolenhersteller verwenden, wo die Spiele auf dem Medium drauf sind. Das hat ja Nintendo an sich schon erreicht, wenngleich trotzdem deutlich langsamer als UFS-Speicher. Allein weil es drei Unternehmen einsetzen, wäre eine Cartridge günstiger bei der Herstellung. Ob es eine Lösung gegeben hätte oder nicht, wissen wir nicht. Wir kennen aber den aktuellen Stand und dieser Stand wäre natürlich fortgeschrittener als heute, wenn andere Unternehmen auch investiert hätten (wir wussten vorher auch nicht, ob es nach SD-Karten noch SD-Express-Karten geben wird... du siehst, es gibt sie). Ob es ausreichend gewesen wäre? Weiß ich nicht. Aber das spielt für die Diskussion "Nintendo tut am meisten was für physische Medien (+ Sony tut angeblich mehr)" auch absolut keine Rolle.
Was ist die Konsequenz? Das gerüchtelte PS-Handheld wird sehr wahrscheinlich digital-only werden oder ausschließlich mit GKC-ähnlichen Cartrdiges oder Karten, wo die Lizenz physisch da ist, veröffentlicht werden. Oder was sollen sie sonst verwenden? Oder Sony überrascht uns alle und bringt wirklich ein neues Medium, worüber sich dann die Videospiele-Industrie freuen kann. Das Problem: Ein Medium für Videospiele wird ohnehin immer teurer sein, weil die gesamte Filme-Industrie wegfällt (weniger Skaleneffekte), aber dennoch günstiger als heute eine Cartrdige für Switch 2.
Und so wie es aktuell läuft, sehe ich keine Zukunft für das Medium an sich. Da forscht eben kaum jemand. UFS-Speicher ist im Interesse insbesondere dem gewaltigen Markt der Smartphone-Hersteller, das wird immer weiterentwickelt. Bald soll UFS 5.0 mit fast 11 GB/s Lesegeschwindigkeit kommen, das sind Geschwindigkeiten, die nicht mehr einzuholen sind für physische Medien. Und ja, moderne Systeme benötigen diese Geschwindigkeiten auch irgendwann. Nur werden physische Medien nicht hinterherkommen, weil kaum jemand in diese investiert (hat). Es wird von Generation zu Generation enger, nicht besser. Ich sehe für Nintendo nächste Plattform in vielen Jahren diesbezüglich ein Problem. Lösung: GKC. Zwei andere Möglichkeiten:
- Geeignetes Medium für Videospiele (direkt aus dem Medium lesen): Höchst unwahrscheinlich. Das ist spätestens nächste Generation technologisch bedingt tot.
- Einen Weg finden, langsamen Flashspeicher sehr günstig herzustellen (eine Art USB-Sticks mit bspw. 128 GB) und diese verkaufen + Installationszwang: Wahrscheinlicher, aber vermutlich trotzdem zu teuer, wobei es in 8 Jahren anders aussehen kann.
Wir sollten nicht ignorieren, dass ja eine Switch-Cartridge mit 32 GB schon viel zu teuer für die meisten Publisher war. Es gibt vielleicht zwei Hand voll Spiele, die das gemacht haben. Aber auch hier: Wenn alle auf so was setzen, desto günstiger wird es. Eine weitere Alternative wäre es, dass Nintendo dann ebenfalls auf Blu-Ray setzen muss aufgrund der Kosten, nur ist die Usability hier für einen Hybriden kaum machbar. In der Dockingstation vielleicht, aber was, wenn man unterwegs ist? Soll man das externe Laufwerk ständig mitnehmen? Also auch eher nein. Somit wahrscheinlichster Fall: GKC. Hier scheint man eine kostengünstigere Lösung gefunden zu haben, wo sogar ein Capcom, die physische Veröffentlichungen auf der Switch vermieden haben, darauf setzt, weil es sich sogar für die offenbar kostentechnisch lohnt.