Die großen Flachbildfernseher haben die Röhre komplett abgelöst. Und nicht nur die Röhre: Ebenso erging es auch fast allen weiteren Technologien. Einzig Plasmadisplays sind hier und da noch vertreten. «Aus wissenschaftlicher Sicht ist schwer nachzuvollziehen, warum das geschehen ist»,
urteilt Raymond Soneira, Chef des US-amerikanischen Testlabors DisplayMate Technologies.
Die Kritik an LCD-Fernsehern wurde selten derart drastisch vorgetragen wie in dieser Studie. Da Soneira als ausgewiesener Experte auf dem Feld der Videodiagnostik gilt, findet die Studie viel Gehör. Er hat an der US-Eliteuniversität Princeton geforscht und für den US-Fernsehsender CBS technische Übertragungswege aufgebaut.
Bei seiner Untersuchung der Topmodelle 2008 aller großen TV-Geräte-Hersteller kam Soneira zu einem überraschend klaren Ergebnis: Ob LG, Samsung, Sharp und Sony - mit dem Top-Plasmamodell von Panasonic konnte keiner der LCDs mithalten. Daraufhin erklärte der TV-Experte die LCDs den Plasmas als unterlegen.
Der vielleicht größte Makel von LCD-Fernsehern ist seiner Meinung nach ihr eingeschränkter Blickwinkel. Auffällig würde dies gerade bei Fernsehabenden mit Freunden. Wer ganz außen sitzt, befindet sich demnach in Sachen Bildqualität im Abseits. Nur die Position genau mittig vor dem LCD garantiert laut Soneira ein optimales Bild.
Schon der direkte Sitznachbar auf der Couch müsse sich mit blasseren Farben, aber auch weniger Schärfe und Helligkeit zufrieden geben. Ein «erschreckendes Ergebnis», wie Soneira findet. «Völliger Schwachsinn» sei es deswegen von den LCD-Herstellern, die Kunden mit Blickwinkeln von 176 Grad zu ködern. Das leiste nur der Plasma.
Und so würden die LCD-Hersteller
auch bei anderen Messungen übertreiben. Da Käufer sich an Zahlen wie dem Kontrast oder der Helligkeit orientieren, tricksen die Konzerne vor allem bei diesen. «Die von den Herstellern angegebenen Werte sind derart übertrieben, dass sie schon fast absoluter Quatsch sind», moniert Soneira. Beispiel Helligkeit: Würden die beworbenen Werte tatsächlich erzielt, bräuchte man beim TV-Abend im abgedunkelten Raum Schutzbrillen für die Augen.
Um die anderen Nachteile wie verschwommene Bilder oder unechte Farben wettzumachen, haben die Entwicklungsabteilungen der LCD-Hersteller zahlreiche Bildverbesserungstechnologien erfunden. Das Fazit Soneiras: All diese Funktionen schaden mehr als dass sie helfen. Ob sie nun «Dynamic Backlight», «Dynamic Contrast», «Dynamic Black», «Dynamic White», «Dynamic Color» oder wie auch immer heißen, sie «sind im Grunde genommen alles nur Marketing-Gags». Soneiras eindeutiger Rat: einfach ausschalten.
Ganz so einfach ist es nach Ansicht von Christian Trozinski nicht. «Auch wenn ich selbst ein großer Plasma-Fan bin, gibt es durchaus Punkte, die für den LCD sprechen», hält der Chefredakteur des Heimkinomagazins
HD+TV dem vernichtenden Urteil der DisplayMate-Studie entgegen. «LCDs verbrauchen im Schnitt nur die Hälfte an Strom. Darüber hinaus werden die LCDs deutlich weniger heiß und flimmern nicht.»
Ein pauschales Urteil sei nicht möglich, da beide Technologien auch in der Bilddarstellung Vor- und Nachteile hätten. «Beim Fernsehkauf sollte man sich überlegen, wo der Fernseher steht, wann man in nutzt und was man gern sieht», rät der Experte. Für viele Zuschauer sei der Plasma tatsächlich die bessere Wahl, vor allem für Filmfans und bei gedämpftem Licht. «Wer aber in einem sehr hellen Raum fernsieht, sollte sich für einen LCD entscheiden», rät Trozinski.
Vor allem bei direkter Sonneneintrahlung sei der LCD unschlagbar, Plasmabildschirme spiegeln hier ähnlich wie früher die Mattscheibe der Röhrenfernseher. «Außerdem gewinnt das LCD-Bild bei hellen Sendungen.» Gut ausgeleuchtete TV-Studios wie zum Beispiel bei der Tagesschau kommen LCDs entgegen, während Filme mit ihren meist dunklen Passagen auf Plasmas besser aussehen.
Im Gegensatz zu seinem US-Kollegen attestiert der Fachjournalist den LCDs gute Fortschritte. «LCDs mit 200-Hertz-Technologie sind jetzt schon auf dem Stand von Plasmas was die Flüssigkeit der Bewegungen betrifft», so Trozinski. Einzig der geringe Blickwinkel werde immer die Achillesferse der LCDs bleiben. «Das ist tatsächlich ein K.o.-Argument, da lässt sich nichts wegdiskutieren.»
Eins rät der TV-Experte interessierten Käufern: Man sollte sich nicht vom ersten Eindruck im Elektronikmarkt blenden lassen. Denn die Verkaufsflächen sind meist heller als das abendliche Wohnzimmer, dazu laufen auf ihnen meist helle Testbilder oder TV-Sendungen. «Beides kommt den LCDs stark entgegen, führt aber letztlich viele Käufer in die Irre.»
Auch von vermeintlichen Schnäppchenpreisen sollte man sich nicht locken lassen. «Da die Preise jedes Jahr kräftig fallen, gibt es nie den falschen oder richtigen Zeitpunkt, sich ein Gerät zu kaufen», so der Journalist. Viel wichtiger sei es, auf Qualität zu achten und sich für ein aktuelles Modell zu entscheiden - und nach dem Kauf den Fernseher optimal einzustellen. Denn um die Kunden in den Geschäften zu locken, drehen die Hersteller ihre Geräte meist auf volle Helligkeit. Für Tüftler gibt es dafür
ein kostenloses Programm, wer es einfach mag, bekommt die optimalen Einstellungen auch von den
HD+TV-Testern.