Er setzt zu dem längsten Spurt des Spiels an, als alle anderen Blei in den Knochen haben. Wahrscheinlich vom Parkplatz vor dem Stadion ist er losgelaufen, hat Usain Bolt noch überrundet und nebenbei die Arenabezahlkarte aufgeladen. Dass er nicht »Miep, miep« ruft, ist erstaunlich. Dagegen steht Heiko Westermann, der manchmal so wirkt, als würde ihn ein Unsichtbarer von hinten festhalten. Und Schmitz steht auch noch da.
Schalke hat einen Schuldenstand, der so hoch ist wie Bayerns Etat. Zambrano, Moritz, Schmitz, Matip stehen bei Schalke als jugendliche No-Names auf dem Platz Arjen Robben kostete allein 25 Millionen. Die Szenerie erinnert an die Tage, als man seinen Führerschein frisch in der Tasche hatte. Draufgängerisch haute man sich in den klapprigen Wagen vom Opa und kurvte mit heruntergelassenen Scheiben durch die Kleinstadt. Alles war gut, bis plötzlich die versnobbten Lacoste-Hemdträger mit ihrem Mittelklassewagen neben uns an der Ampel standen. Jetzt sitzen Westermann und Schmitz im Ford Escort und Robben braust mit quietschenden Reifen und aufgedrehter »Kool and the Gang«-Musik vorbei.
Das wars für Schalke. Das ist das Pokalaus. Aber sie haben schließlich bis Mai noch eine Chance, den Bayern den Lack zu zerkratzen.
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111:03: Arjen Robben will nach Hause. Er nimmt den Ball auf und rennt los. Die ersten zwei Schalker haben noch längst nicht begriffen, dass es gerade brenzlig wird, da ist der Niederländer schon an ihnen vorbei. Westermann wird wohl schon ahnen, welches Unheil da auf ihn zukommt, er ist viel näher am Ball, bis zum letzten Moment sieht es aus, als könne er die Kugel weggrätschen, plötzlich liegt er am Boden und Robben lässt den vierten Schalker mit genau dem Haken ins Leere laufen, von dem jeder wusste, dass er ihn schlagen würde. Miep, Miep. Franck Ribery ist mitgelaufen, eben war er noch in der eigenen Hälfte, jetzt lauert er am langen Eck. Er hebt den Arm, er ruft, er will Bayern zum Sieg schießen, ins Finale, Robben schießt selbst.
Der Rest ist Taumel, Erleichterung, Ärger, nur ein Bayer nimmt den Arm runter statt rauf: Franck Ribery.