Playstation-Besitzer laufen zu Nintendo über
In den USA haben sich Nintendos Spielekonsole Wii und Sonys Playstation 3 im Weihnachtsgeschäft einen heißen Kampf geliefert. Aber vor allem Sonys Kunden scheinen nicht mit dem Kauf zufrieden zu sein. Scharenweise bieten sie ihre Spielkonsole im Internet zum Tausch gegen eine Wii an. Einige nehmen sogar Wertverluste in Kauf.
Von Lars Winckler
Rumfuchteln in der Luft: das Wii-Eingabegerät
Foto: dpaBerlin - In den USA hat der Schlagabtausch schon begonnen. Dort stehen seit November die Playstation 3 und die Wii nebeneinander in den Regalen der Händler. Microsofts Xbox360 ist sogar seit über einem Jahr vertreten. Bislang galt die Playstation 3 als klarer Favorit, weil sie der Konkurrenz technisch überlegen ist. Zudem hält das Vorgängermodell einen Marktanteil von rund 60 Prozent.
Doch derzeit wankt der Platzhirsch. Viele US-Spieler sind mit ihrer gerade erworbenen Playstation offenbar unzufrieden. Im Internet wollen sie ihre Konsole gegen die Wii tauschen - ohne Angabe von Gründen. Das US-Spieleseite GigaGamez hat 72 solcher Anfragen bei der Kleinanzeigenplattform Craigslist.com vor Weihnachten gezählt. Nach den Feiertagen sind Dutzende hinzugekommen.
Viele Spieler verlangen zusätzlich zum Tausch auch Bargeld - die Playstation kostet im Handel je nach Ausstattung 499 bis 599 Dollar, die Wii 249 Dollar. Andere wollen eine Playstation gegen zwei Wii tauschen. Umgekehrt gibt es hingegen kaum Spieler, die eine Wii hergeben wollen.
Zwiespältige Testergebnisse
Fachmagazine hatten das magere Spielangebot bei der Playstation 3 bemängelt. Sie argumentieren, dass es bislang noch keinen zugkräftigen Titel gebe, der den Kauf der teuren Spielkonsole rechtfertige. Anders sieht es bei der Wii aus. Zum einen hat Nintendo die beliebte Rollenspielserie Zelda wieder belebt für dieses Spiel vergaben die Testzeitschriften Bestnoten. Zum anderen fahren offenbar viele Nutzer auf das Eingabegerät der Konsole ab. Es registriert die Bewegungen der Spieler, ermöglicht etwa virtuelle Schwertkämpfe oder Tennismatches durch Rumfuchteln in der Luft. Zudem "sind Nintendos Spiele familienfreundlicher und machen mehr Spaß", sagt Van Baker vom Marktforschungsunternehmen Gartner. Viele Kunden verzeihen dabei offenbar, dass die Wii-Grafik den Vergleich zu denen der konkurrierenden Konsolen verliert.
Spekulanten mischen mit
Experten glauben, dass es sich bei einigen Tauschwilligen auch um Spekulanten handelt. Denn sowohl Sony als auch Nintendo haben Lieferschwierigkeiten. Nintendo hat weltweit rund vier Millionen Wiis produziert, Sony rund zwei Millionen Playstations. Beide Konsolen sind weltweit ausverkauft. Clevere Spieler wollten sich das zunutze machen, kauften mehrere Konsolen und setzten auf steigende Preise beim Weiterverkauf. Aber vor allem bei der Playstation scheint die Rechnung nicht aufzugehen: Obwohl die Konsole nicht mehr im normalen Handel angeboten wird, bietet bei der Verkaufsplattform Ebay kaum jemand mehr als die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers. Anders bei Wii: Sie geht derzeit bei Ebay in den USA für bis zu 500 Dollar plus 50 Dollar Versandkosten über die virtuelle Ladentheke. Spekulanten hätten also einen Gewinn von 250 Dollar erzielt. Bei Ebay Deutschland kostet die Wii immerhin rund 320 Euro, ein Plus von etwa 70 Euro zum Ladenpreis.
Insgesamt scheint die Nachfrage nach Nintendos Wii demnach deutlich höher zu sein als nach der Playstation. Beobachter glauben, dass die neue Runde im Kampf der Konsolen sehr knapp ausgehen wird. Zum Vergleich: Von den Vorgängermodellen hatte Sony rund 110 Millionen Stück abgesetzt, Nintendo 20 Millionen. Endgültig geklärt wird die Frage aber erst, wenn es auch für Sonys Konsole gute Spiele gibt und die Lieferengpässe behoben sind.
Sonys später Start in Deutschland
Die Playstation 3 soll in Deutschland im März erhältlich sein. Kostenpunkt: 499 bis 599 Euro. Nintendo will die Händler nach dem Jahreswechsel wieder mit Wiis versorgen. Von der neuen Konsolengeneration verfügbar ist derzeit also nur die Xbox360. Von ihr hat Microsoft weltweit rund neun Millionen Stück abgesetzt.
Artikel erschienen am 27.12.2006
http://www.welt.de/data/2006/12/27/1157992.html