Was für eine letzte Woche in der Gaming-Welt. Dass Phil zurücktreten würde, war klar, aber ich dachte, er begleitet uns durch die 25 Jahre-Jubiläumsfeierlichkeiten noch selbst und kündigt als letzten Akt die neue Konsole an. Bei Phil Spencer schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Einmal, man ist der Typ nahbar und sympathisch, er liebt Spiele wirklich. Er hat viele Initiativen angestoßen, v.a. Abwärtskompatibilität, Play Anywhere, den Game Pass und Crossplay. Die Hardware seit der Xbox One X war jeweils exzellent. Dann schien es sogar, dass er (einige Jahre zu spät) endlich die Exklusivtitel in den Griff bekommen würde. Aber diese Zukäufe bis Bethesda 2021, das wissen wir heute, kamen zu spät, große Spiele dauern zu lange und zu viele Projekte unter Spencer sind in der Entwicklerhölle gelandet (Halo Infinite, Forza Motorsport, Perfect Dark, Everwild). Starfield hatte immensen Druck und war am Ende nur "gut", hätte aber scheinbar GOTG sein müssen. Aber daraus, dass Starfield nicht so zog und die Xbox Series X|S sich im Weihnachtsgeschäft 2023 trotz Rabatten wenig verkaufte, zog man den Schluss, dass all der gute Wille und all die Versprechen an die eigene Community für exklusive Spiele über Bord geworfen werden musste, um mehr Geld zu machen. Das war quasi der zweite große Vertrauensverlust nach 2013, nur diesmal wusste man, wie die Fans reagieren würden, und zog deshalb den nahbaren Spencer aus der Öffentlichkeit heraus und hinterließ nur noch den Eindruck: growth, growth, growth, give me your money, it's all that matterzzzz! Für mich war der Kauf von ABK der große Fehler, man musste jetzt sofort Resultate produzieren anstatt endlich das abzuliefern, was man viele Jahre lang versprochen hatte. Insofern ist Spencers Bilanz zwiespältig für mich, und selbst wenn Sarah Bond den Multiplat-Push verantwortet hat, geschah das unter ihm. Das Zitat aus dem gestern hier geposteten Artikel, dass man die Kunden von heute vergessen hat für die Erschließung imaginärer Kunden von morgen, ist so treffend.
Asha Sharma hat in ihrem ersten Statement ein paar richtige Dinge gesagt, u.a. dass Spiele ein Werk von Menschen und nicht von KI sein soll, und dass die Konsole und die Core-Fans wieder ins Zentrum für Xbox rücken müssen. Aber sie wird es schwer haben und wir werden sehen, wie sie diese Agenda wirklich umsetzen will. Handlungen statt Rhetorik, daran wird man sie messen müssen. Ich bin skeptisch, aber wir werden sehen.