Dann gehöre ich, ehrlich gesagt, aber leider zu diesem einen Prozent.
Aber alles der Reihe nach.
Angefangen hat es bei mir noch in der Grundschule in Russland (wo ich geboren bin). Da gab es einige überzeugte "Marxisten", die aufgrund meines deutschen Vor- und Nachnamens, meine Abstammung mitbekommen haben. Von diesem Tag an war ich der scheiß Nazi. Dies ging leider bis in meinem Freundeskreis durch. Die meisten Klassenkameraden und Freunde standen hinter mir, verteidigten mich allerdings mit den Worten wie ich sei ein "Anti-Faschist". Zugegeben, etwas seltsam, aber sie wahrten die Freundschaft.
Leider ging es nicht immer gewaltlos.
Richtig schlimm wurde es, als mein Vater sich im Suff in der Nacht zu meinem neunten Geburtstag erhängt hat.
Irgendwie haben es diese Leute mitgekriegt. Dann hagelte es Sprüche wie "Saufen macht frei", "Hitler-Korn" etc.
Seit diesem Tag kam ich nie wieder mit einer sauberen Schuluniform (ja sowas hatten wir

) nach Hause. Für meine Mutter hatte ich immer eine Ausrede, habe ihr bis heute nicht gesagt, dass ich mich jeden Tag geprügelt habe. Und das blaue Auge kam natürlich immer vom irgendwo-gegenlaufen.
Naja, und ein Jahr später kam dann der Umzug nach Deutschland. Ich habe mich gefreut wie ein Schnitzel, denn ich hoffte das alles hinter mich zu lassen.
Leider Pustekuchen...
Plötzlich mutierte ich von einem Nazi zu einem dummen Russki. Es fühlt sich wirklich mieserabel an, wenn man zu verstehen bekommt, man sei nirgendwo willkommen.
Als ich dann in die fünfte Klasse eingeschult wurde, saß ich praktisch isoliert da. Keiner konnte/wollte sich mit mir unterhalten, dem Unterricht konnte ich mangels Sprachkenntnissen nicht folgen. Ich war quasi einfach nur körperlich anwesend.
So ca. 2 Jahre später (soziales Leben und Sprache waren nun in bester Ordnung), als ich mich mobbingfrei bestens eingelebt habe, kam ein Neuer zu uns in die Klasse. Dieser avancierte recht schnell zum Klassenclown und wurde neben mich gesetzt.
Und dann ging es auch wieder mit dem Mobbing los. Eine Woche habe ich mir seine Stänkereien angehört. Stunde für Stunde, Pause für Pause. Dann, mitten in der Deutschstunde habe ich mit dem Arm ausgeholt und... naja, er machte jedenfalls mitsamt seinem Stuhl eine Rolle nach hinten, die Nase war gebrochen.
In dem Moment brach es aus mir heraus. Ich saß mit den Händen vorm Gesicht an meinem Tisch und habe geschluchzt und mir kamen die Tränen. Ganz automatisch.
Dabei habe ich mich nie unterkriegen lassen und habe mich immer gewehrt. Ich habe nie gedacht, dass ich wegen so etwas einmal weinen muss.
Dies war allerdings das letzte mal in meinem Leben, dass ich gemobbt wurde. Statt happy end. halt ein crying end

Und mit dem Typen habe ich mich plötzlich prima verstanden.