His Dark Materials S01
Kennt ihr das, wenn ihr endlich die Verfilmung eines Lieblingsbuches schauen könnt und schon im Vorfld Angst habt, dass sie es versaut haben. Von His Dark Materials (in Deutschland nur unter den drei Titel der Trilogie bekannt) wurde das erste Buch "Der goldene Kompass" bereits 2007 mit Starbesetzung und in Erwartung, das nächste Harry Potter oder HdR zu werden, verfilmt. Da man die Religionskritik der Romanvorlage komplett entfernte, um die christlich-konservativen Zuschauer in den USA nicht zu verschrecken, kam die Verfilmung bei Fans und Kritikern nicht gut an. Und entsprechend gab es keine Fortsetzung, sondern nur ein offenes Ende
Jetzt wagt sich HBO erneut an den Stoff und diesmal in Form einer Serie. Nun gut, nicht direkt, eigentlich die BBC, HBO macht nur den Vertrieb außerhalb von GB. Staffel 1 und 2 wurden auf einen Schlag gedreht, Staffel 3 ist gerade in der Mache und bildet damit die Trilogie komplett ab. Das sind schon mal gute Voraussetzungen.
Und die Serie startet auch echt stark. Die Schauspieler machen fast alle einen guten bis sehr guten Job. Gerade der Hauptcharakter Lyra ist wirklich gut getroffen und Dafnee Keen spielt super, obwohl erst 14 Jahre alt. Die Welt wird dank toller Sets, Kostüme und ordentlich Geld für CGI, das hier auch dringend nötig ist, wirklich lebendig. Denn in der Welt von His Dark Materials wird die Seele eines Menschen durch einen sogenannten Daemon repräsentiert. Das sind sprechende Tiere und da jeder Mensch eines hat, muss man extrem viele Tiere animieren (es hätten aber mMn noch mehr sein müssen). Durch die Serienstruktur kann man sich außerdem viel Zeit lassen. Der Zuschauer wird langsam in die Welt eingeführt, was dem Worlbuilding und Verständnis für die Charakter sehr gut tut.
Leider wird die Geschichte in der zweiten Hälfte immer stärker zusammengerafft. Wichtige Ereignisse bekommen so nicht den Fokus und vor allem die Zeit, den sie eigentlich benötigen. Gewisse Dinge werden auch erst viel zu spät oder gar nicht erklärt. Zum Beispiel fällt an einer Stelle ein Charakter am Ende der Episode auf einem Heißluftballon. Und in der nächsten Episode liegt er nur so da, rafft sich auf, streckt sich als sei nicht gewesen. Das wird im Buch erklärt, hier nicht. Oder es kann jemand hereingelegt werden, da er eine spezifische Schwäche hat. Diese erfährt der Zuschauer leider erst kurz vorher, obwohl sie in der Welt wohl allgemein bekannt war. Was dem Pacing dabei nicht hilft, sind diverse vorgezogen Szenen aus dem 2. Buch.
Das alles lässt sich zwar alles mit dem dann doch knapp gewordenen Budget erklären. CGI ist teuer und kurze CGI Szenen billiger als lange. Das erklärt auch die Szenen aus dem 2. Buch, da diese nur sehr wenig CGI haben. Wobei man fairerweise sagen muss, das CGI ist top, wirklich gut für eine Serie.
Und offensichtlich wollte man eine niedrige Altersfreigabe, weshalb die härteren Szenen des Buchs krass abgemildert wurden. Dazu kommen noch ein paar Entscheidungen, bei denen nicht zum besseren und auch völlig unnötig von der Vorlage abgewichen wird.
Das klingt jetzt vielleicht alles pingelig und kleinkariert. Aber es führt in seiner Gesamtheit dazu, dass wichtige Ereignisse nur unzureichend vermittelt werden, wie z.B. das Mensch Daemon Verhältnis oder sich einfach unbefriedigend anfühlen, wie z.B. der Bärenkampf.
Am Ende muss man aber sagen, die Serie hält sich recht nah an die Vorlage und das ist schon mal sehr gut. Man wird es Buchkennern eh nur schwierig recht machen können. Ich freue mich trotz der ganzen Kritik schon auf die 2. Staffel. Denn das Grundgerüst ist sehr gut und in einigen Episoden sieht man das Potential, das die Serie hat.