So, nachdem ich nun schon eine Zeit lang am spielen bin und schon 4 Gaiatempel betreten habe, gebe ich nun auch mal genauer meine Meinung ab:
Zuerst ein Ersteindruck: Ich bin überrascht, nicht positiv, nicht negativ, einfach überrascht.
Zunächst Positives: Die Grafik sieht sehr gut. Die Städtchen sind sehr hübsch gestaltet, die Nächte sehen gut aus, die Farben sind intensiv aber nicht übertrieben und insgesamt kann man sich ganz gut in die verschiedenen Landschaften einfühlen. Nur das Aliasing stört hin und wieder.
Was mich am meisten überrascht: Ich kann die Sonic-Level nicht ausstehen und stehe mit der Meinung ziemlich alleine dar. Der Hauptgrund hierfür ist, das einfach zu viele unfaire Stellen plaziert sind. Wegen den rar plazierten Checkpoints muss man immer wieder eine halbe Minute spielen nur um dann die Chance zu kriegen, im Bruchteil einer Sekunde das richtige zu drücken und nciht wieder beim Checkpoint starten zu müssen, selbst, wenn an solchen Stellen doch häufig kurz nach dem Checkpoint Extraleben zu finden sind.
Das Spiel ist für den Igel zwangs-2D-isiert worden und als erstes ging die Übersicht verloren. Klar auch die alten Genesis-Teile von Sonic waren gespickt mit unfairen Stellen und wenigen Checkpoints, aber zumindest hat der dazugehörende 2D-Grafikstil doch für eine gewisse Übersichtlichkeit gesorgt, die hier wegen der im Gegensatz zu Sonic 2006- wirklich verdammt hohen Geschwindigkeit weg ist. Man traut sich gar nciht durch die Level zu flitzen, weil man weiß, dass jeden Moment eine Stelle kommen könnte, bei der nur eine Regel gilt: Instant Death
Klar gibt es auch einige 3D-Passagen, die sind im allgemeinen wegen der größeren Weitsicht übersichtlicher und daher einfacher und vom Spielstil surchaus an die Adventure-Reihe erinnern. Doch leiden auch diese Passagen unter der Kamera, die ich später ansprechen werde.
Aber egal wie man es nun macht oder nicht macht, es wird doch immer Trial und Error.
Und das ist schade. Die Oberwelt ist sehr schön gestaltet, man kann mit Personen reden, kleine Aufgaben erfüllen und einfach mal etwas erkunden. In den sogenannten Einstiegsleveln (der name kann verwirren, im Grund genommen sind sie nichts anderes als abgeschottete Teile der Oberwelt, die dazu dienen, einen Level auszuwählen) kann man richtig "rumtollen" und um zu den Leveln zu gelangen ist es meist nötig, erst mal den Lvl-Eingang zu erreichen. Man ist hier in echtem 3D unterwegs und 3D bedeutet auch nach oben, wenn ich an die einige von-hinten-Passagen in Sonics Level denke.
Es wäre wünschenswert gewesen, wenn die Level ebenfalls in dieser Art designed wären, wenn auch natürlich in eine Richtung orientiert. Das Spiel wurde ja als Sonic Adventure 3 gehyped, diesem Ruf wird es aber alleine deshalb nicht gerecht, weil man sich bei den Sonic-Leveln offensichtlich lieber an den Megadrive-Spielen orientiert hat.
Nun kommen wir zum Werehog. Ich bin wirklich überrascht das zu sagen, aber diese Passagen spiele ich deutlich lieber. Man kann klettern, kämpfen, Gegenstände zerstören, Sachen aufheben und werfen Geschicklichkeitspassagen gibt es zu Hauf, kurzum: man kann wirklich mit dem Level "interagieren". Es stimmt zwar, dass hier beim Kämpfen wirklich ziemlich dreist geklaut wurde, aber doch bleibt es solide.
Die Kletter-Passagen machen ziemlich Spaß, leiden aber unter der übertriebenen Genauigkeit, die sich auch beim Lightdash(dem Folgen von Ringlinien) von Sonic wiederfinden lässt. Um sich an etwas festhalten zu können bzw. etwas benutzen oder nehmen zu können ist es oft notwendig, genau im richtigen Moment die B-Taste zu drücken und man muss ziemlich genau in die richtige Richtung gucken, selbst wenn sonst ncihts da ist. Das wird wohl mehr als einmal dafür sorgen, dass man draufgeht. Das ist aber umso überraschender, wenn man das mit Sonics JumpDash (der Verfolgungsangriff in der Luft) vergleicht, denn der geht praktisch immer auch auf noch so weit entfernt Gegner, Sprungfedern,... los, selbst oder gerade dann, wenn man einfach nur einen Sprung verlängern möchte.
Die Steuerung leidet generell an ein paar weiteren Kleinigkeiten: Das Umdrehen ist im Gegensatz zur Fallgeschwindigkeit manchmal nicht hinreichend schnell, was zum Problem wird wenn man dran denkt, dass man als Werigel mit Blick auf das zu greifende Objekt gerichtet sein muss. Eigentlich könnte man auch sagen, dass die Fallgeschwindigkeit genrell etwas übertrieben ist, wenn man dran denkt, dass man mit Sonic oft sehr genau zielen muss.
Ein riesen Problem, schon seit der Adventure-Reihe, ist die Kamera, aber es war in meinen Augen ncoh nie so schlimm. Sonst konnte man immer noch von Hand die Kamera drehen, aber hier geht das nur selten. Meistens, wenn man versucht die Kamerea zu bewegen passiert ncihts weiter als dass die Kamera am Ort bleibt und sich nur um den eigenen Mittelpunkt dreht, so dass man etwas mehr von dem sehen kann, was unter, neben oder über Sonic ist. Aber die Kamera von Hand zu bewegen ist meistens nciht möglich und sehr nervig, weil die Kamera häufig ziemlich unnütz steht und gerade die Balance-Akte vom Werigel unnötig erschwert werden. EIn weiteres problem, der Kamera ist, dass sie manchmal dazu neigt, urplötzlich umzuschwenken.
Fazit: Sonic Unleashed ist sicherlich ein solides Spiel, dass sich durchaus Wertungen in den obigen 70ern oder unteren 80ern durchaus verdient hätte, Spaß macht und ein hübsches Setting bietet. Als alter Sonic Adventure-Fan enttäuscht von den Sonic-Passagen und überrascht vom Werigel bleibt mir nur zu sagen, dass Sonic sehr wohl in 3D gehört, gerade dann, wenn es der Rest ohnehin schon ist.