LCD oder Plasma?
LCDs dominieren den Flachbildmarkt, während Plasmas sich immer mehr zum Geheimtipp entwickeln. Dabei sind die Unterschiede gar nicht so groß.
Ende des Jahres produzieren alle namhaften TV-Hersteller LCD-Fernseher, selbst jene, die bislang nur Plasma-TVs anbieten. Diese Entwicklung zeigt deutlich, dass die LCD-Technologie den Wettstreit um die Vorherrschaft im Wohnzimmer gewonnen hat. Anfangs schienen die Chancen ausgeglichen. Plasmas boten den bekannten Bildeindruck eines Röhren-TVs: Ein breiter Blickwinkel sowie gute Farben und Kontraste ließen die LCD-Konkurrenz vor Neid erblassen. Doch innerhalb kurzer Zeit wandelte sich der Trend, denn der HDTV-Standard definierte sich vorrangig über eines: Auflösung. Binnen weniger Monate wurde der Aufdruck Full-HD populärer als Farbtreue, Kontraste oder ein makelloser Blickwinkel. Für die Plasmaanbieter entwickelte sich dieser Trend zur Katastrophe, Modelle ohne Full-HD-Auflösung verkommen seitdem zum Ladenhüter.
Die halbe Wahrheit
Für den Laien ist die Theorie klar: Full-HD-Fernsher bieten eine Auflösung von zwei Millionen Bildpunkten und sind damit besser als TVs mit einer geringeren Pixelanzahl. In der Praxis bedeutet eine Full-HD-Auflösung zwar keine Verschlechterung der Bildqualität, aber auch nicht automatisch eine Bildverbesserung, denn: Die Bildgrößen bei Flachbild-Fernsehern sind weiterhin begrenzt. So sind 32-Zoll-Fernseher noch immer der große Verkaufsschlager. Das Problem: Selbst bei einer Sehstärke von 100 Prozent und perfektem HD-Material sind zwei Millionen Bildpunkte nur aus geringer Distanz wahrnehmbar. Als Richtgröße gilt die dreifache Bildhöhe. Sitzen Sie deutlicher weiter als die dreifache Bildhöhe vom Fernseher entfernt, benötigen Sie streng genommen keinen Full-HD-Fernseher. Zahlreiche Tests in unserem Hause, an denen sich auch Hersteller beteiligten, untermauterten diese Angabe. Bei einem Sitzabstand von drei bis vier Metern versprüht der neue Standard erst mit einer Bilddiagonale von 60 bis 80 Zoll seine ganze Faszination. In der Praxis dürfte dies nur mit einem Projektor finanziell zu schultern sein. Ist Full-HD damit überflüssig? Nein, denn die LCD-Anbieter ermöglichen die hohe Auflösung ohne Zusatzkosten für den Konsumenten. Anders die Entwicklung im Plasma-Bereich: Mehr Plasmazellen bedeuten einen höheren Energiebedarf. Apropos Stromverbrauch: Plasma besitzen nicht generell eine höhere Leistungsaufnahme als LCDs, mit dunkleren Filmbildern sinkt der Energiehunger deutlich. Wer den Stromsparmodus nutzt, muss mit einer geringen Helligkeit Vorlieb nehmen.
LCD-Fernseher nutzen Flüssigkristalle als Lichtschranken. Diese blockieren das Licht oder lassen es hindurch. Die Hintergrundbeleuchtung ist bei hellen als auch dunklen Bildinhalten gleichermaßen aktiv. In der Schwarzdarstellung und dem Blickwinkel besitzen LCD-Fernseher Nachteile im Vergleich zu Röhre und Plasma.
Unfairer Vergleich
Sollten Sie den Eigenversuch unternehmen und Flachbildfernseher in den Märkten vergleichen, so fällt die Wahl vermutlich nicht schwer. LCD-Fernseher wirken brillanter, klarer, einfach besser. Dabei können die eigenen Sinne täuschen, denn unsere Wahrnehmung unterliegt dem subjektivem Empfinden. Ist die Umgebung, in diesem Fall der Fachmarkt, hell erleuchtet, wirken einzig Fernseher mit einer hohen Leuchtkraft angenehm. Zudem darf die Frontscheibe nur wenig spiegeln und muss das einfallende Licht kompensieren. LCD-Fernseher zeigen unter diesen Bedingungen ihr ganzes Können: Schwarze Frontscheiben wirken selbst bei starkem Gegenlicht pechschwarz, die hohe Leuchtkraft der Displays ermöglicht plastische Bilder. Plasma-TVs wirken unter diesen Bedingungen blass: Hier kann die Frontscheibe das Fremdlicht nur ungenügend abblocken, die geringe maximale Leuchtkraft hat der grellen Umgebung nichts entgegen zu setzen. Im heimischen Wohnzimmer kann sich das Bild allerdings schlagartig wandeln, ganz nach dem Motto: Nachts sind alle Katzen grau.
Plasma-Fernseher erzeugen Bilder durch selbstleuchtende Bildpunkte. Je mehr Bildpunkte zum Leuchten gebracht werden müssen, desto höher ist die Energieaufnahme. In Folge der impulshaften Zündung ist ein leichtes Bildflimmern erkennbar. Plasmas zeigen vorrangig bei dunklen Bildinhalten sehr gute Ergebnisse, der Blickwinkel ist zudem makellos.
Die ganze Wahrheit
Plasmas liegen näher am Bildeindruck eines Röhren-TVs, mit allen damit verbundenen Stärken und Schwächen. In abgedunkelter Umgebung ermöglichen Plasmas plastischere, farbechtere Bilder als LCDs. Zudem ist der Blickwinkel makellos, bei LCDs dagegen deutlich eingeschränkt. Nachteile der Plasmatechnologie ist der im Durchschnitt höhere Energiebedarf sowie die stärkere Wärmeentwicklung. Ganzflächig helle Bilder sind in ihrer Helligkeit meist reduziert, zudem können empfindliche Zuschauer ein Bildflimmern wahrnehmen. Diese Probleme kennt die LCD-Technologie nicht: Flimmerfreie und helle Bilder sind kein Problem. Auch der Energieverbrauch hält sich in Grenzen, neue LED-LCDs verbrauchen fast 50 Prozent weniger Energie als gleichgroße Plasma-Fernseher bei gleichzeitig geringerer Wärmeentwicklung. Probleme im Schwarzwert und Kontrast kann die LED-Technologie deutlich mindern, Plasma-TVs bieten aber auch in Zukunft den besseren Bildkontrast bei dunklen Bildern. Das größte Problem von LCDs bleibt weiterhin der Blickwinkel: Bereits ab 30 Grad verringert sich der Bildkontrast drastisch. Somit fällt die Entscheidung zwischen LCD und Plasma weitaus schwieriger, als es die klaren Marktverhältnisse vermuten lassen. Neben den Lichtverhältnissen in Ihrem Wohnzimmer spielt auch das bevorzugte Material eine große Rolle. Kinofilme in dunkler Umgebung sind das Spezialgebiet von Plasmas, TV-Sendungen oder Videospiele in heller Umgebung kommen dagegen mit LCDs meist besser zur Geltung. Die Wahl der richtigen Technologie schützt aber noch lange nicht vor einer Enttäuschung: Gute und schlechte Fernseher gibt es in beiden Lagern.
Vor- und Nachteile
Die Entscheidung zu Gunsten eines LCDs oder Plasmas ist weniger die Frage nach dem Geldbeutel, als vielmehr die Wahl des richtigen Standortes.
Bereits im ausgeschalteten Zustand sichtbar: In heller Umgebung wirkt die Bildfläche von Plasmas grau (linke Bildhälfte) – echtes Schwarz ist nur in dunkler Umgebung zu erreichen (rechte Bildhälfte)
Plasmas zeigen Schwächen in Licht-durchfluteten Räumen (links). In dunkler Umgebung wandelt sich der Eindruck (rechts). Der Stromverbrauch variiert je nach Bildmaterial. Bildinhalte mit viel Schwarz verringern die Leistungsaufnahme auf LCD-Niveau
LCDs bieten selbst bei starkem Fremdlicht kontraststarke Bilder(links). Erst bei geringem Umgebungslicht und dunklen Bildern wirkt der Eindruck flau (rechts). Der Stromverbrauch bleibt unabhängig vom Bildmaterial konstant. Erst neue LED-LCDs werden dies ändern
LCDs quittieren Blickwinkel ab 120 Grad mit geringerer Helligkeit und aufgehellten Schwarzbereichen – der Bildkontrast nimmt ab
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