Dafür gibt es durchaus "normale" Gründe.
Zum einen ist Silverstone keine reifenmordende Strecke. Dann war es mit 22° recht kühl und zu guter letzt fuhr man ja mit den härtesten Mischungen.
Außerdem darf man nicht vergessen, dass auch in den letzten Jahren ab Saisonmitte viele ihre Probleme in den Griff bekommen haben.
Ferrari und Lotus hatten auch noch immer eine gute Rennpace und Red Bull war im Rennen auch wieder etwas schneller als der Mercedes. Etwas von der alten Ordnung ist also noch immer da.
Reifenmordend ist egal - wir hatten in jedem Rennen in der Hinsicht große Unterschiede. In Barcelona hatten Lotus und Ferrari noch große Vorteile. Seit dem Reifentest von Pirelli und Mercedes funktioniert nicht nur der Mercedes besser, sondern der Reifenabbau spielt allgemein bei allen Teams eine kleinere Rolle.
Mercedes hatte häufig gerade mit den härteren Reifen Probleme beim Abbau. Man erinnere sich an den ersten Stint von Rosberg in Barcelona (ich glaube es war Barcelona), als er auf der weicheren Mischung noch halbwegs mithalten konnte und dann auf der härteren hoffnungslos unterlegen war und extreme Probleme hatte.
Im letzten Jahr haben auch nicht alle Teams gleichzeitig Fortschritte gemacht, wie das in dieser Saison der Fall zu sein scheint. Noch dazu hatte manch Team bis zum Ende der Saison Probleme. Eine kleine Ausnahme stellte Austin dar, wo Pirelli konservativ zu harte Reifen für den Asphalt und die Strecke mitbrachte, was zu Problemen beim Aufwärmen führte. Der Grand Prix wurde auch als Grund angegeben warum Pirelli zu Beginn des Jahres wieder aggressivere Reifen brachte, die mehr abbauten.
Man denke hier aber auch an Rennen wie Abu Dhabi, wo Alonso im letzten Stint zunächst seine Reifen schonte um dann fast noch Kimi den Sieg streitig zu machen. Man denke weiters an Korea, wo Massa angewiesen wurde Alonso nicht anzugreifen damit dieser in Ruhe seine Reifen schonen konnte um dann eventuell doch noch Webber etwas unter Druck zu setzen. Man denke auch an Monza und die Perez-Show. Noch dazu gab es im Laufe der Saison keine plötzlichen Umschwünge im Kräfteverhältnis wenn es ums schonen der Reifen ging. Ferrari und Alonso hatten hier das ganze Jahr über einen Vorteil.
Wir haben in Kanada einen großen Sprung bei Mercedes gesehen was den Umgang mit den Reifen betrifft im Vergleich zum restlichen Feld. Auch RB hat seit Barca kein Problem. Hier hatten nun Ferrari und Lotus überhaupt keinen Vorteil mehr - im Gegenteil, Hamilton greift mit älteren Reifen am Ende des Rennens gar noch Alonso an und fährt in Runde 51 seine schnellste Rennrunde...
Das sind nur Vermutungen und die Zusammenhänge sind nur schwer zu begreifen, aber man sollte sich nicht wundern, wenn man zweifelt.