In dem Zusammenhang von Indoktrination der Spieler zu sprechen, ist doch sehr weit hergeholt. Es findet keinerlei Zwang statt, dass Spiel zu spielen, weshalb man höchstens von einer Beeinflussung aber nicht Indoktrination sprechen kann.
Ich stimme dem nicht zu. Indoktrination bedeutet nicht nur Schulwesen und Erlernen, sondern Beeinflussung. Auch wiederholte, einseitige Vermittlung, die Unterdrückung abweichender Sichtweisen oder sozialer Konformitätsdruck können darunterfallen.
Wenn etablierte IPs einen plötzlichen Wandel durchmachen und Inhalte umsetzen, die a) nicht in den Vorgängern vorkamen und b) die Immersion brechen (Dragon Age mit dem Non-Binary), dann kann man durchaus von Indoktrination sprechen. Wenn man Fan von Dragon Age ist und gerne die IP mit einem neuen Teil spielen möchte und sich dieser Indoktrination eben nicht aussetzen möchte, dann wird dies automatisch zum persönlichen Verlust einer IP. Die neue Ausrichtung schließt Leute faktisch als Zielgruppe aus und nimmt ihnen die Möglichkeit, die Reihe in der von mir geschätzten Form weiterzuerleben. Das gleiche Problem besteht auch bei Film-Sequels, die ihre Fans enttäuscht haben oder nicht dem Spirit des Originals entsprechen (fehlender Cast, kompletter Richtungswechsel, etc.). Manchmal klappt das (Gremlins 2), doch oft nicht (Jaws 2). Und das ist das generelle Problem mit Wokeness, auch in Serien (Dr. Who war ja ein Paradebeispiel): Eine etablierte Marke kann einen Teil ihrer ursprünglichen Zielgruppe verlieren, wenn ihre neue kreative Ausrichtung frühere Erwartungen ignoriert und gesellschaftspolitische Themen zu stark in den Vordergrund rückt. "The Message" hatten wir bereits in den 80igern in besserer Form, überhaupt im Kinderprogramm. Der Unterschied zu damals ist aber, dass niemand belehrt wurde. Empowerment wird zum Grab einer IP, wenn man bewusst die Core Audience angreift und beleidigt. Ich halte es für möglich, dass etablierte IPs durch politisch aufgeladene oder schlecht integrierte Neuausrichtungen ihre Kernzielgruppe verlieren. Ob das bei Wolverine tatsächlich passiert, lässt sich ohne Kenntnis der konkreten Umsetzung nicht beurteilen. Was ich aber dazu sehe, sagt mir Folgendes: Dass dies überhaupt passiert, zeigt Probleme in der Produktion.
Gleiches gilt für die Annahme einer romantischen Beziehung zwischen Sabretooth und Wolverine, solche Annahmen können nur von Leuten kommen, die sich entweder überhaupt nicht mit dem Ausgangsmaterial beschäftigt haben oder die dies böswillig zur Agitation reinbringen. Von daher sollte man bei vermeintlich ideologischen Inhalten schon genauer hinschauen und sich nicht vor einen ideologischen Karren der Anti-Woke-Fraktion spannen lassen. Es wäre nicht das erste Mal, dass man sich dort eines in der Rezeption schlechten Spiels bedient, um weitere vorgeschobene Kritikpunkte anzubringen, nur um das eigene Weltbild zu verbreiten.
Eine etablierte IP sollte ihre bisherige Identität nicht ohne erzählerische Notwendigkeit zugunsten einer politischen Botschaft aufgeben. Wenn dadurch Fans entfremdet werden, ist Kritik berechtigt. Der Tweet war missverständlich oder kommunikativ ungeschickt und konnte deshalb unnötige Spekulationen auslösen. Alternativ lässt es sich auch so lesen, dass er den Tweet LGBTQ-coded geschrieben hat, um solche Leute überhaupt anzusprechen. Es wäre simpler gewesen Tatsachen zu sprechen, anstatt ausdrucksstarke Wörter zu nehmen, um möglichst fancy und eloquent wirken zu wollen.
Ich habe mich noch ein wenig reingelesen. Walt Williams
bereut seine Wortwahl und hat seinen X-Account gesperrt/gelöscht, weil der Backlash zu groß war für die Firma. Ich habe kein Mitleid mit ihm, es war nicht professionell zweigleisig so etwas zu schreiben.
Over on
X (formerly Twitter), Insomniac Games Director of Community and Marketing James Stevenson clarified that “It’s a brother / best friend thing.”
Die Moral der Geschichte ist: Nicht irgendwelche suggestive Andeutungen zu schreiben, speziell dann, wenn man ein Spiel verkaufen möchte in den heutigen Kulturkriegen. Lächerlich.