Ok, ich möchte einmal gerne für Ordnung sorgen.
Erstens muss man mal festhalten, dass die Epstein-Files alles beinhalten, was mit dem Fall grundsätzlich zu tun hat. Dies schließt belegte Darstellungen ebenso ein wie völligen Unsinn. Wir haben also ein tausende Seiten umfassendes Sammelsurium voller Aussagen, Beschreibungen und Dokumentationen vor uns, von dem mindestens ein gewisser Teil erfunden sein wird. Dazu zähle ich ich beispielsweise die Behauptung, die Eliten auf der Insel hätten Babys ausgeweidet und gegessen. Andere Aussagen, die den allgemeinen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen angeht, zweifle ich hingegen nicht an.
Jetzt aufgepasst: Der Vorwurf gegen Trump, er habe sich an einer 13-Jährigen vergangen, basiert ausschließlich auf einem unbestätigten, anonymen FBI-Hinweis ("Intake-Report") aus dem Oktober 2020, der später in den Epstein-Files auftauchte. Er basiert nicht auf einer Strafanzeige, Beweisen oder einem bestätigten Ermittlungsverfahren. Das US-Justizministerium erklärte dazu, dass es sich um nicht verifizierte Hinweise handelt, aus denen keine Ermittlungen oder Anklagen resultierten und dass die bloße Erwähnung in freigegebenen Akten keine Tatsachenfeststellung darstellt. Heißt das, Trump ist sicher unschuldig? Nein. Aber: In dubio pro reo.
Jetzt wird der eine oder andere sagen, dass das Department of Justice unter Trumps Regierung nur bedingt vertrauenswürdig ist. Und ja, man kann dem DOJ misstrauen, was politische Motive angeht, aber im konkreten Fall stützt sich die Ablehnung der Vorwürfe vor allem auf objektive Mängel der Hinweise, nicht auf Trumps Einfluss – und genau deshalb bleibt der Vorwurf juristisch substanzlos, unabhängig davon, wer gerade regiert.
Ich denke aber, dass wir uns in einer Sache alle einig sind: Wenn Beweise vorliegen und Täter überführt werden können, dann sollen auch "Köpfe rollen". Und wenn Trump sich doch schuldig gemacht haben sollte, gehört er genau so zur Rechenschaft gezogen wie die anderen Täter.