Deutschlands Rolle als Stromimporteur im Jahr 2024 - Monitoringbericht 2025
Deutschland hat sich im Jahr 2024 erneut als Nettoimporteur von Strom positioniert und damit den im Vorjahr begonnenen Trend fortgesetzt. Mit Importen von 64,9 TWh und Exporten von 37,6 TWh ergibt sich ein deutlicher Nettoimport von rund 27 TWh. Diese Verschiebung ist kein einmaliger Effekt, sondern Ausdruck einer grundlegenden strukturellen Veränderung im deutschen Stromsystem.
Wesentliche Treiber sind vor allem preisliche und kapazitive Faktoren: Während die Großhandelspreise im europäischen Ausland – insbesondere in Frankreich, Skandinavien und den Niederlanden – deutlich unter dem deutschen Niveau lagen, hat der inländische Kraftwerkspark 2024 erneut an gesicherter Leistung verloren. Vor allem durch die Rückkehr zum Kohleausstiegspfad sowie das Auslaufen des Ersatzkraftwerkebereithaltungsgesetzes verringerte sich die konventionelle Erzeugungskapazität um etwa 14,1 GW. Dadurch steigt der Bedarf an Importstrom insbesondere in Zeiten niedriger erneuerbarer Einspeisung.
Diese sogenannten Dunkelflauten prägten den Herbst und Winter 2024 und führten zu mehreren Tagen, an denen die heimische Erzeugung den Bedarf nur noch mit Hilfe verstärkter Stromimporte decken konnte. Gleichzeitig sanken sowohl die Braunkohle- als auch die Steinkohleproduktion deutlich, während die Gaskraftwerke zwar häufiger eingesetzt wurden, aber primär zur nationalen Versorgung beitrugen. Deutschland exportiert weiterhin Strom, insbesondere bei hoher PV- oder Windeinspeisung, doch diese Exportphasen sind geringer ausgeprägt als die importintensiven Perioden. Insgesamt stieg das grenzüberschreitende Austauschvolumen 2024 auf 102,5 TWh.
Ökonomisch spiegelt sich die Importdominanz auch in den finanziellen Strömen wider: Die Importkosten erhöhten sich trotz gesunkener Großhandelspreise auf 6,167 Mrd. Euro, während die Exporterlöse auf 2,118 Mrd. Euro zurückgingen. Maßgeblich hierfür war der Volumeneffekt – mehr teurer importierter Strom im Verhältnis zu den billigeren Exportmengen.
Kurzfristig ist nicht davon auszugehen, dass Deutschland wieder in die Rolle eines stabilen Nettoexporteurs zurückkehrt. Der steigende Anteil erneuerbarer Energien erhöht zwar die Jahresproduktion, aber nicht die gesicherte Leistung. Ggf. können ausreichend Speicher den Importanteil aber senken.
Die Informationen stammen aus dem Monitoringbericht 2025, insbesondere aus den Seiten 135-136, 23–25 und 11–14.