Es bringt eher wenig, die Aussagen von Leuten anzuzweifeln, die an vorderster Front stehen. Warren weiß über den Markt sicherlich mehr als jeder Poster hier auf cw.
Leider machen das trotzdem die meisten hier. Ich kann es auch ein wenig nachvollziehen: Eine Industrie, die auf der einen ganz klar Seite boomt und uns alle sehr viel Freude bereitet, wie kann es dieser angeblich so schlecht gehen? Wer sich mit dem Thema intensiv beschäftigt hat oder eben in der Industrie tätig ist, der weiß ganz genau, dass die Situation ernst ist, ganz ernst. Nur wer sich damit nicht beschäftigt und in dieser nicht tätig ist, der kann die Probleme nicht erkennen und nachvollziehen und sieht das saubere Bild des Videospielmarktes. Leider wollen die meisten nicht, dass ihr sauberes, glänzendes Bild des Videospielmarktes zerstört wird oder ihnen interessiert das Thema nicht, schließlich wollen sie die Spiele nur spielen (dennoch "diskutieren" einige dieser Personen immer wieder mit).
Ich hab das Thema auf Consolewars auch schon mehrmals (!) durchgekaut, es hat im Grunde wenig gebracht. Anscheinend sind die meisten - jedenfalls in dieser Community - für ein derartiges Thema nicht bereit. Ich habe es schließlich schon mehrmals versucht und immer wieder hat man diese Probleme bei zukünftigen Diskussionen komplett unter den Tisch fallen lassen oder hat sie gutgeredet.
Ich kann für jeden der sich mit dem Thema noch nicht intensiv beschäftigt hat, aber dennoch mehr über die Situation im Videospielmarkt wissen möchte, wieder den einen Artikel anbieten (wobei das Magazin sein Layout verändert hat und das zum großen (!) Nachteil des Artikels):
Death to the Games Industry
Part 1: http://www.escapistmagazine.com/articles/view/issues/issue_8/50-Death-to-the-Games-Industry-Part-I
Part 2: http://www.escapistmagazine.com/articles/view/issues/issue_9/55-Death-to-the-Games-Industry-Part-II
Ich kann es auch allen nur wieder und wieder sagen: Dem Videospielmarkt ging es schlecht und auch Nintendo hat noch lange nicht (!) das Allheilmittel ausgepackt, was es dem Markt von heut auf morgen besser gehen lässt. Nur Nintendo hat endlich wieder darauf aufmerksam gemacht, dass sich Dinge ändern müssen, ansonsten läuft die Industrie ins offene Messer und das könnt ihr wörtlich nehmen. Die Industrie ist schon mal ins offene Messer gerannt (bekanntlich hat sie das letzte Mal auch Nintendo aus dem Dreck gezogen). Nur diesmal sind die Probleme um ein vielfaches größer.
Die Entwicklungskosten steigen rasant an und bekanntlich steigen sie auch immer rasanter an. Abgesehen davon, dass die meisten Entwicklerteams solche Budgets gar nicht mehr aufbieten können, selbst für die großen Entwicklerteams heißt das, dass ihr Spiel ein voller Erfolg werden muss, ansonsten könnt es auch für sie das Ende bedeuten. Innovationen, neue Konzepte, verrückte Ideen - all das bleibt verständlicherweise auf der Strecke. Der Markt lässt es nicht mehr zu. Es wird hier mit zweistelligen Millionenbeträgen gespielt (alleine die Videospielentwicklung, ohne Marketing). Das Spiel muss sich verkaufen, also kann man nichts riskieren. Die kleinen Entwicklerteams und Publisher kämpfen täglich um ihr Überleben, wissen nicht wie lange sie noch durchhalten, sehr viele mussten schon aufgeben. Firmen wie EA freut die Situation, haben ihre Freude auch veröffentlicht und bekanntgegeben, dass es ihnen zusagt, dass immer weniger Entwickler und Publisher mit der Marktsituation klarkommen, schließlich hätte man dann weniger Konkurrenz. Das ist der moderne Videospielmarkt, wo sich ein großer Publisher öffentlich über das Entwickler- und Publishersterben freuen darf. Videospiele werden auch immer komplizierter und der Videospielmarkt hat extrem große Probleme zu wachsen. Missachten darf man aber den Fakt nicht, dass es dennoch immer wieder einige Spieler gibt, die mit dem Videospielen aufhören. Der Videospielmarkt erreicht in letzter Zeit auch immer wieder nur die gleichen Menschen, die Hardcore Gamer. Man hat große Probleme neue Spieler zu überzeugen, Non und Casual Gamer werden nur schwer in den Markt integriert. Der Videospielmarkt produziert auch immer wieder die gleichen Spiele. Verständlich, keiner traurt sich mehr große Risiken einzugehen. Differenzierungen zwischen den Konkurrenten werden immer rarer. Der Videospielmarkt präsentiert sich wie eine Buchladen in dem man nur Romane kaufen kann (was gleichzeitig unterstreicht, weshalb es dem Markt schwer fällt neue Spieler zu erreichen). Wohin wandert der Markt gerade? Er wandert direkt in die Hölle. Das Entwickler- und Publishersterben hat längst begonnen, Innovationen und große Differenzierungen sind längst zur Rarität geworden, der Markt dreht sich nur noch um den Hardcore Gamer und die großen Publisher (Non und Casual Gamer als auch die kleinen Entwickler sind schon fast in Vergessenheit geraten). In Japan zerfällt der Videospielmarkt. Lediglich Pokemon kann sich noch eine große Aufmerksamkeit erkämpfen und füllt die Regale, der Rest ist weit in den Hintergrund gerückt. Der japanische Videospielmarkt erzittert: Was ist los? Der Videospielmarkt ist nur noch wenige Meter von der Hölle entfernt. Das ist los und es muss endlich reagiert werden!
Nintendo hat nun den Anfang gemacht und hat den Markt halbwegs wachgerüttelt. Dennoch ist das aktuell mehr oder weniger nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die ganze Industrie muss aufwachen und die ganze Industrie muss reagieren - richtig reagieren. Es muss sich was tun und zwar so einiges muss sich ändern.
PS: Es ist auch kein Zufall, dass ausgerechnet Nintendo mal wieder den Stein ins Rollen bringt. Einerseits ist Nintendo natürlich extrem verbunden mit diesem Markt (man ist schließlich schon seit über 30 Jahren in diesem Markt tätig, nicht wie Sony oder Microsoft), andererseits haben sie selbst in den letzten Jahren viel zu spüren bekommen. Gleichzeitig fing der japansiche Videospielmarkt das Zerfallen an. Nintendo sah was in Japan passierte und Nintendo ging es selbst nicht mehr ganz so gut. Gleichzeitig ging Hiroshi Yamauchi und Satoru Iwata wurde neuer Präsident. Satoru Iwata war Programmierer bei HAL, er war Entwickler und hat alles zu spüren bekommen. Er hat wirklich die volle Härte zu spüren bekommen. Sein HAL war kurz vor dem Ende und dann wurde er zur Führungsperson von HAL ernannt und hat sie ihnen wieder zu altem Ruhm verholfen. Aber um ein Haar wäre es das Ende für sein Entwicklerteam gewesen. Als ehemaliger Entwickler weiß er ganz genau was in der Industrie abläuft. Es war kein Zufall, dass ausgerechnet Nintendo auf den Tisch haut.