Wer kriegsaffin ist und gerne andere Länder zerbomben will ohne selbst Konsequenzen tragen zu müssen, wird seinen Interventionismus sicher schmerzlich vermissen. Das stimmt.
Worin Graham das genaue US-Interesse beim Eingreifen in den Libanon gesehen habe, kannst du sicher erklären, wobei hier die naheliegendste Möglichkeit vermutlich komplett ignoriert wird: Sein persönliches Interesse ist zufällig deckungsgleich mit den Interessen seiner Unterstützer aus der Rüstungs- und proisraelischen Lobby, weswegen seine „interventionistische Doktrin“ im Nahen Osten auch recht konsistent ist mit dem Beschuss von Staaten, die Israel als Bedrohung oder als Hindernis der eigenen regionalen Interessen empfindet.
Es ist im Übrigen auch bis heute nicht ganz klar, worin das US-Interesse beim Angriff auf den Iran bestand.
Die Ironie daran: man vermutet erst, dies beziehe sich auf Grahams maximal verabscheuungswürdigenden Äußerungen im Rahmen seiner „interventionistischen Doktrin“ aber es meint tatsächlich mich. Offenkundig herrscht nur rhetorische Maximaleskalation, wenn sie das eigene Weltbild dekonstruiert.
Israel ist ein messbarer Sonderfall in der US-Außenpolitik. Kurz zusammengefasst: Es ist der größte kumulative Empfänger von US-Militärhilfe seit dem Zweiten Weltkrieg, abgesichert über ein langfristiges Memorandum statt jährlicher Einzelentscheidungen. Die USA legen im UN-Sicherheitsrat routinemäßig ihr Veto gegen Israel-kritische Resolutionen ein, öfter als für jeden anderen Zweck. Und es gibt mit AIPAC eine der schlagkräftigsten Lobbys in Washington, die offen damit wirbt, Wahlen zu beeinflussen. Die US-Administration möchte den IStGH wegen des Haftbefehls an Netanyahu in die Knie zwingen und sanktioniert die Institution, die in Tradition von Nürnberg steht. Dazu hat das US-Repräsentantenhaus über eine Integration des israelischen Militärs in die amerikanische Supply Chain entschieden, ein sehr sensibler Angriff auf die militärische Souveränität einer Weltmacht. Das ist nur ein kleiner Teil einer größeren und recht offensichtlich beobachtbaren Verquickung.
„Konstruiert“ ist dieser Sonderfall tatsächlich, allerdings nicht von mir.
Freude über Gewaltanwendung, die man seit Jahren geplant hat, oder Aussagen wie „I love blowing stuff up“ sind keine Standpunkte. Ein solcher Sadismus erfordert insofern kein Gegenargument, höchstens eine Einordnung. Man muss auch niemanden von außen delegitimieren, denn die Aussage tut das aus sich heraus.
Einen Euro ins Phrasenschwein.