Zero Tolerance Der Nahe Osten und seine politische Situation

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Ihr befindet euch in einem ZT-Thread, entsprechend gelten hier folgende extra Regeln(Sonderregeln ggf. im Startpost sind mitzubeachten):

1) ZTF für Zero Tolerance Forums Provokationen/Beleidigungen/Bashes/Trollen/OffTopic/Spam/etc führen zur sofortigen Bestrafung in Form von Bans. Entscheidungen sind endgültig und nicht diskutierbar.

2) Gepflegte Diskussionskultur ist das Gebot! ZTFs koexistieren neben den normalen Foren. Wenn ihr mit den harten Regeln hier nicht klarkommt, nutzt die normal moderierten Foren.

3) Einwanderungspolitik und Forderungen diesbezüglich sind nicht Teil des Threads und werden entsprechend behandelt. Davon nicht betroffen sind die Reaktionen von Muslimen hierzulande auf die Vorkommnisse, wie z.B. Pro-Palästina Demonstrationen.

4) Bei kurzen Clips oder Videos, welche bewusst durch vermeintlich unangebrachtes Verhalten Stimmung machen oder Empörung auslösen sollen, bedarf es einer Einordnung in den Kontext der eigenen Argumentation.

5) Benutzt bitte Spoiler-Kästen und benennt diese entsprechend, wenn ihr besonders grausame Darstellungen, Fotos sowie Videos postet.

6) Verzichtet bitte darauf, eurem Gegenüber pauschal bestimmte Ansichten und politische Einstellungen in Bezug auf die Konfliktparteien zu unterstellen, um dessen Meinung abzuwerten.

Da sich der Streit beim Völkermordvorwurf fast ausschließlich um die spezifische Zerstörungsabsicht dreht (über die von Israel begangenen und eindeutig der Völkermordkategorie zurordbaren Handlungen sind wohl keine Widersprüche zu erwarten, trotz der dauerhaft wohlwollenden Billigung, Leugnung oder Relativierung), gibt es hier zwei Punkte, an denen sich diese Absicht messen lässt, nämlich 1) die Absicht muss aus dem Handlungsmuster eindeutig erkennbar sein und keine alternativen vernünftigen Deutungen erlauben oder 2) die Absicht muss explizit durch Aussagen offengelegt werden.

Unsere Israelversteher spekulieren auf das Scheitern von 1), was durchaus mit der heißen Nadel gestrickt ist, während es eigentlich die ganze Zeit um 2) geht, nämlich die expliziten Deklarationen einer Vernichtungskampagne durch israelische Politiker, deren Aussagen praktischerweise und in grob fahrlässiger Weise ausgeblendet werden, um die eigene pseudo-feinjuristisch präzisierte Gegendeutung nicht zu sabotieren. Die dokumentierten Äußerungen sind ranghoch und von einem hässlichen Vernichtungswillen geprägt. Und eben diese Äußerungen gehören bei der Feststellung der Absicht in offensichtlich logischer Weise zuerst verwertet, ehe man Schlüsse aus dem Handlungsmuster zieht.
Der Beitrag suggeriert, dass sich das Intent-Element auch unabhängig vom Handlungsmuster alleine an Aussagen direkt beweisen lässt. Das ist falsch und entspricht nicht der internationalen Rechtsprechung. Der dolus specialis verlangt nicht lediglich den Nachweis einer Vernichtungsabsicht, sondern den Nachweis, dass Taten auch  mit dieser Absicht begangen wurden (kleiner aber juristisch bedeutsamer Unterschied). Was regelmäßig zu verneinen ist, wenn das beobachtete Handlungsmuster durch andere Absichten besser erklärbar ist. Gerichte prüfen daher auch beim direkten Intent-Beweis nicht nur die politischen Statements auf genozidale Elemente. Sie prüfen stets auch ob und inwieweit sich klar geäußerte Absichten einzelner Akteure im operativen Vorgehen wiederspiegeln bzw. ob sie dieses auch tatsächlich beeinflusst haben. Scheitert der Nachweis dieser Verknüpfung, scheitert auch der Nachweis des special intents. Und zwar selbst dann wenn politische Aussagen klar und eindeutig formuliert sein sollten (tatsächlich sind sie es nicht).
 
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Kognitiver Fehlschluss. Dass sich Antisemitismusvorwürfe nicht immer nach Deinen enger gefassten Maßstäben und Regeln richten, bedeutet nicht, dass sie gar keinen Regeln folgen, also wahllos seien. Erst recht folgt daraus nicht, dass sie als Rechtfertigung für irgend etwas dienen.
Wenn ich einen Mörder, Kinderschänder oder Kriegstreiber für seine Taten verurteile und jemand dann sagt das sei Antisemitisch weil die Person auch Jude ist durchaus. Die einzigen welche hier Netanjahu und sein Kabinett immer wieder auf ihre Eigenschaft als Jude reduzieren sind doch diejenigen welche mit Antisemitismusvorwürfen um sich werfen.
Der Marshallplan ist der Gegenbeweis zur Genozidabsicht. Welche von der intentbereinigten Definition ja gerade nicht berücksichtigt wird. Es ist somit nicht meine Argumentation, die hier ad absurdum geführt wird.
Der Marshallplan ist ebenso der Gegenbeweis der intentbereinigten Definition, er ermöglichte dem deutschen Volk nach dem 2ten Weltkrieg in ihrem eigenen Land eine florierende Wirtschaft und freie Gesellschaft zu errichten.

Also Israel, die im Kernstaat die palästinensische Bevölkerung weitestgehend gleichberechtigt leben lässt trauen wir nicht zu, dass sie die palästinensische Bevölkerung unterstützen?
Ganz so gleichberechtigt sind sie nicht und die Situation hat sich über die Jahre eher verschlechtert. Siehe z.B. https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalstaatsgesetz_(Israel)
Aber gleichzeitig hält man es für plausibel, dass in Palästina wie durch Zauberhand die offen antisemitische und genozidale Hamas, die nach jeder Untersuchung bei einer Wahl die stärkste Kraft im Staat wäre, keine Rolle spielt und / oder die Juden einfach in Ruhe leben lässt?
Wir sind uns absolut einig dass die Hamas weg muss, genauso wie die NSDAP damals in Deutschland oder die IRA in Irland. Die Zivilbevölkerung in Gaza ist aber nicht = Hamas. Während man sowohl in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg als auch in Irland Lösungen gesucht und gefunden hat welche der Bevölkerung schlussendlich eine Perspektive und eine florierende Zukunft ermöglicht hat, arbeitet Bibi an der Zerstörung, Eroberung und Vertreibung in Gaza und die Welt schaut machtlos zu.
 
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Ganz so gleichberechtigt sind sie nicht und die Situation hat sich über die Jahre eher verschlechtert. Siehe z.B. https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalstaatsgesetz_(Israel)

Nach westlichem Verständnis hast du Recht. Du hast in der entsprechenden Region aber kein Land, in dem die Minderheiten ähnlich viele Rechte haben. Und vielleicht sollte man das schon regional betrachten? Sonst haben wir wieder das Problem, dass wir weitaus höhere Ansprüche an Israel stellen als an ihre genozidalen Nachbarn.

Wir sind uns absolut einig dass die Hamas weg muss, genauso wie die NSDAP damals in Deutschland oder die IRA in Irland. Die Zivilbevölkerung in Gaza ist aber nicht = Hamas. Während man sowohl in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg als auch in Irland Lösungen gesucht und gefunden hat welche der Bevölkerung schlussendlich eine perspektive und eine florierende Zukunft ermöglicht hat, arbeitet Bibi an der Zerstörung, Eroberung und Vertreibung in Gaza und die Welt schaut machtlos zu.

Dad Problem ist: die Befürworter eines unabhängigen Palästinas lehnen in der Regel auch ab, dass solche Dinge geregelt werden. Und ohne ausländische Intervention ist die Machtübernahme der Hamas nicht nur möglich, sondern das mit Abstand wahrscheinlichste Szenario.

Das wäre, als hättest du nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs komplett ohne Kontrolle gesagt 'Okay, Hitler ist tot. Wir lassen das mal alles so stehen und lassen die Deutschen völlig frei wählen.' Da wäre die NSDAP auch weiterhin eine signifikante Kraft gewesen
 
Warum wundert es mich nicht, dass Du von Popper noch weniger Ahnung hast als vom Geschehen in Gaza? Popper unterscheidet nicht nach eigenen und fremden Hypothesen. Das Falsifikationsprinzip ist auf jede Hypothesen gleichermaßen anzuwenden. Kritiker spielen nach Popper aber eine besonders wichtige Rolle, da sie nicht zugunsten der Hypothese voreingenommen sind und somit weniger anfällig dafür sind, mögliche Schwächen und Fehler auszublenden.

Anyway: wenn wir uns ernsthaft mit der Genozidhypothese auseinandersetzen wollen, müssen wir versuchen sie zu falsifizieren.


Die Frage ist eher, ob Popper Dir diese tendenziöse Darstellung abkaufen würde. Der offensichtliche Appeal-to-authority in Gesellschaft mit der bloßen Behauptung, die Falsifikation des Kritikers sei gescheitert, würden Dir Poppers Vertrauen ganz sicher nicht einbringen. :lol2:
Natürlich unterscheidet Popper in seiner Methodik nicht zwischen der eigenen und einer fremden Hypothese. Liest man aber seine Ausführungen zum kritischen Rationalismus, wird deutlich, dass er dazu anhielt, die Möglichkeit des Irrtums zunächst bei sich selbst zu suchen und zugleich offenzuhalten, dass der andere recht haben könnte!

Abgesehen davon mag zwar deine Aussage aus meiner Perspektive wie eine Alternativhypothese erscheinen. Aus deiner Perspektive ist sie aber zunächst einmal genau das: eine Hypothese. Auch die Behauptung, es gebe in Gaza "zweifelsfrei keinen Genozid", müsstest du daher erst einmal selbst dem Falsifikationsprinzip unterwerfen.

Aber!!! ob Popper sein Falsifikationsprinzip jenseits der Naturwissenschaften und eines eng umgrenzten Bereichs der Sozialwissenschaften auf einen derart komplexen Sachverhalt wie die rechtliche Einordnung eines Genozids angewandt wissen wollte, ist fraglich. Hier spielen so viele historische, politische, rechtliche und soziale Komponenten zusammen, dass sich die Frage nicht durch eine einzelne Gegenbeobachtung entscheiden lässt, wie etwa die Behauptung, die Sonne kreise um die Erde -> es ist die Erde, die sich um die Sonne dreht. Deshalb ist der Verweis auf ihn irrsinnig. Dein Verweis auf Popper geht auf das bloße Namedropping (Herr Lehrer, Herr Lehrer, ich weiß was!) nicht hinaus.

Popper war zudem kein Freund solcher Absolutsätze wie: "Es gibt zweifelsfrei keinen Genozid." Sein Fallibilismus richtet sich gerade gegen die Vorstellung, man könne endgültig und zweifelsfrei feststellen, im Besitz der Wahrheit zu sein. Insbesondere für den späteren Popper war Wahrheit eher ein regulatives Ziel: Man kann sich ihr schrittweise annähern, aber niemals mit letzter Gewissheit behaupten, sie erreicht zu haben.

Ich habe sowohl die Logik der Forschung als auch beide Bände Offene Gesellschaft und ihre Feinde im Regal und kann dir bei Bedarf gerne die entsprechenden Stellen heraussuchen.

Die Frage, ob Popper mir eine solche Darstellung abkaufen würde, behaupte ich mal mit einem klaren Ja. Natürlich wird sojemand wie Popper auf einen Erfahrungswert bzw. Verlässlichkeitswert zurückgreifen müssen, und diesen liefern die entsprechenden Journals. Sie legen zudem ihre Ergebnisse und Methodik offen und geben sie somit zur Falsifizierung preis. Das tun deine Twitter-Quellen schon gar nicht.

Und mein allerletzter Punkt: Popper, selbst jüdischer Herkunft und ein entschiedener Anhänger des Völkerrechts, nahm gegenüber dem Staat Israel eine äußerst kritische, eigentlich ablehnende Haltung ein. Die palästinensischen Flüchtlinge verglich er einmal mit den Opfern des Pol-Pot-Regimes.

Deshalb halte ich es für ziemlich wahrscheinlich, dass Popper heute erstmal die Hypothese, "in Gaza finde kein Völkermord statt", einer kritischen Prüfung unterzogen hätte (und nicht nur den gegenteiligen Verdacht). Das folgende Zitat spricht jedenfalls für sich:

"Von allen Ländern, die von der europäischen Zivilisation profitiert haben, haben Südafrika und Israel Rassengesetze, die die Rechte verschiedener Bürgergruppen unterscheiden. Die Juden waren gegen Hitlers Rassismus, aber ihr Rassismus geht noch einen Schritt weiter. Sie definieren das Judentum allein über die Mutter. Ich lehnte den Zionismus anfangs ab, weil ich gegen jede Form von Nationalismus war, aber ich hätte nie erwartet, dass die Zionisten zu Rassisten werden würden. Es beschämt mich meiner Herkunft: Ich fühle mich verantwortlich für die Taten der israelischen Nationalisten."
 
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Nach westlichem Verständnis hast du Recht. Du hast in der entsprechenden Region aber kein Land, in dem die Minderheiten ähnlich viele Rechte haben. Und vielleicht sollte man das schon regional betrachten? Sonst haben wir wieder das Problem, dass wir weitaus höhere Ansprüche an Israel stellen als an ihre genozidalen Nachbarn.
Israel definiert sich als westliches Land, also muss es sich imho auch an diesen Massstäben messen lassen. Gerade auch da es finanziell, militärisch und politisch enorm vom Westen unterstützt wird. Aussenpolitisch würde ich sogar behaupten das sie schon jetzt deutlich gewalttätiger unterwegs sind als die meisten ihrer Nachbarn.
Dad Problem ist: die Befürworter eines unabhängigen Palästinas lehnen in der Regel auch ab, dass solche Dinge geregelt werden. Und ohne ausländische Intervention ist die Machtübernahme der Hamas nicht nur möglich, sondern das mit Abstand wahrscheinlichste Szenario.

Das wäre, als hättest du nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs komplett ohne Kontrolle gesagt 'Okay, Hitler ist tot. Wir lassen das mal alles so stehen und lassen die Deutschen völlig frei wählen.' Da wäre die NSDAP auch weiterhin eine signifikante Kraft gewesen
Mag sein, dass es diese Stimmen gibt, dass diese die Regel sind würde ich aber klar widersprechen.
Für mich ist es völlig klar, dass Gaza falls der Krieg vorbei ist für eine längere Zeit internationale Unterstützung, Guidance und Struktur braucht. Alleine schon desshalb, weil die zerstörte Infrastruktur und vielzahl entwurzelter Menschen ansonsten direkt in die nächste Katastrophe führt (ob weiteres Terrorregime, Flüchtlingskatastrophe oder beides). Ich bin einfach klar der Meinung, dass dies nicht durch Israel (zumindest unter gegenwärtiger Führung) oder Trumps USA (LuxusResort ahoi) geschehen kann. Spontan würde mir die Uno oder auch eine gemeinschaft arabischer Staaten (welche die Abraham Accords unterschrieben haben) einfallen.
 
Wenn ich einen Mörder, Kinderschänder oder Kriegstreiber für seine Taten verurteile und jemand dann sagt das sei Antisemitisch weil die Person auch Jude ist durchaus. Die einzigen welche hier Netanjahu und sein Kabinett immer wieder auf ihre Eigenschaft als Jude reduzieren sind doch diejenigen welche mit Antisemitismusvorwürfen um sich werfen.
Du kannst Dich entweder weiter kontrafaktisch darauf versteifen, dass hier jeder unterschiedslos als Antisemit bezeichnet wird, nur weil er die israelische Regierung kritisiert. Oder Deine diesbezgl. Vorurteile überwinden und Dich weniger ärgern. Mir ist es gleich. Es sind Deine Nerven, nicht meine.
Der Marshallplan ist ebenso der Gegenbeweis der intentbereinigten Definition, er ermöglichte dem deutschen Volk nach dem 2ten Weltkrieg in ihrem eigenen Land eine florierende Wirtschaft und freie Gesellschaft zu errichten.
Nope. Die Kriegsführung der Alliierten erfüllt die objektiven Tatbestandsmerkmale eines Genozids im Sinne der Genozidkonvention. Streicht man die subjektive Komponente, wäre das ein Genozid gewesen. Dass der Marschallplan die Genozidkriterien nicht erfüllt, ändert daran nichts.

Natürlich unterscheidet Popper in seiner Methodik nicht zwischen der eigenen und einer fremden Hypothese. Liest man aber seine Ausführungen zum kritischen Rationalismus, wird deutlich, dass er dazu anhielt, die Möglichkeit des Irrtums zunächst bei sich selbst zu suchen und zugleich offenzuhalten, dass der andere recht haben könnte!

Abgesehen davon mag zwar deine Aussage aus meiner Perspektive wie eine Alternativhypothese erscheinen. Aus deiner Perspektive ist sie aber zunächst einmal genau das: eine Hypothese. Auch die Behauptung, es gebe in Gaza "zweifelsfrei keinen Genozid", müsstest du daher erst einmal selbst dem Falsifikationsprinzip unterwerfen.

Aber!!! ob Popper sein Falsifikationsprinzip jenseits der Naturwissenschaften und eines eng umgrenzten Bereichs der Sozialwissenschaften auf einen derart komplexen Sachverhalt wie die rechtliche Einordnung eines Genozids angewandt wissen wollte, ist fraglich. Hier spielen so viele historische, politische, rechtliche und soziale Komponenten zusammen, dass sich die Frage nicht durch eine einzelne Gegenbeobachtung entscheiden lässt, wie etwa die Behauptung, die Sonne kreise um die Erde -> es ist die Erde, die sich um die Sonne dreht. Deshalb ist der Verweis auf ihn irrsinnig. Dein Verweis auf Popper geht auf das bloße Namedropping (Herr Lehrer, Herr Lehrer, ich weiß was!) nicht hinaus.

Popper war zudem kein Freund solcher Absolutsätze wie: "Es gibt zweifelsfrei keinen Genozid." Sein Fallibilismus richtet sich gerade gegen die Vorstellung, man könne endgültig und zweifelsfrei feststellen, im Besitz der Wahrheit zu sein. Insbesondere für den späteren Popper war Wahrheit eher ein regulatives Ziel: Man kann sich ihr schrittweise annähern, aber niemals mit letzter Gewissheit behaupten, sie erreicht zu haben.
Wem genau möchtest Du hier eigentlich mit diesem eiskalten, wissenschaftstheoretischen Kaffee einheizen?

Ja, ein kritischer Rationalist zeichnet sich v.a. auch durch eine Skepsis- und Korrekturbereitschaft gegenüber den eigenen Ansichten aus.
Ja, Wissenschaft kann sich der "Wahrheit" immer nur annähern.
Ja, man kann selten etwas ganz sicher und zweifelsfrei ausschließen.

Geschenkt.

Und ja, gerade komplexe Hypothesen lassen sich nicht durch eine einzelne Beobachtung falsifizieren. Keiner erwartet oder behauptet das.
Hättest Du Dich etwas mit Wissenschaftstheorie beschäftigt, wüsstest Du, dass dieselbe Einschränkung allerdings auch für naturwissenschaftliche Theorien gilt. Und mit einem grundlegenden, erkenntnistheoretischen Problem zusammenhängt, das die prinzipiellen Grenzen des Falsifikationsprinzips aufzeigt. Das macht den Verweis auf Poppers Falsifikationsprinzip aber keineswegs "irrsinnig". Auch wenn man die Hypothese nicht im strengen Sinne falsifizieren kann: Bei einzelnen Teilhypothesen, hypothesenstützenden Annahmen, Hilfshypothesen oder Beobachtungen ist eine Widerlegung durchaus möglich.

Im Sinne Poppers bleibt es dabei: wer sich ernsthaft mit der Genozidhypothese auseinandersetzen will, darf das nicht nur mit bestätigender, sondern muss es gerade auch mit widersprechender Information tun. Falls Du derselben Ansicht bist, muss ich Dich darauf aufmerksam machen, dass Du gerade sehr erfolgreich daran arbeitest, sie zu verschleiern. :lol2:

Die Frage, ob Popper mir eine solche Darstellung abkaufen würde, behaupte ich mal mit einem klaren Ja. Natürlich wird sojemand wie Popper auf einen Erfahrungswert bzw. Verlässlichkeitswert zurückgreifen müssen, und diesen liefern die entsprechenden Journals. Sie legen zudem ihre Ergebnisse und Methodik offen und geben sie somit zur Falsifizierung preis. Das tun deine Twitter-Quellen schon gar nicht.
Die Frage war nicht ob Popper die Genozidhypothese, sondern Deine Zusammenfassung des Threadverlaufs kaufen würde: Die eine Seite berufe sich stets auf valide Quellen, Hasenauge hingegen nur auf unseriöse, nichtfalsifizierbare Twitter-Posts.
Und mein allerletzter Punkt: Popper, selbst jüdischer Herkunft und ein entschiedener Anhänger des Völkerrechts, nahm gegenüber dem Staat Israel eine äußerst kritische, eigentlich ablehnende Haltung ein. Die palästinensischen Flüchtlinge verglich er einmal mit den Opfern des Pol-Pot-Regimes.
Das macht zwar die Hypothese, dass Du Popper tatsächlich gelesen hast, wahrscheinlicher. Darüber hinaus bringt es keinen Erkenntnisgewinn.
 
Kleiner Unterschied: das römische Reich hatte keinen jüdischen Staat an der Grenze, dessen Hauptsiel offen die Zerstörung des römischen Reiches und die Ermordung aller Römer war. Dein Vergleich mit dem römischen Reich hinkt darum ganz gewaltig und rein ideologisch gibt es absolut keinen Zweifel, dass Israel Sicherheitsinteressen verfolgt. Und Kräfteverhältnisse spielen keine Rolle in diesem Kontext, btw. Was die Hamas für einen Schaden anrichten können hat der 7. Oktober gezeigt.
Natürlich konnte auch Rom auf reale, radikal-fanatische Rebellengruppen, mit apokalyptischen Vernichtungsphantasien sowie auf Massaker an römischen Bürgern verweisen. Religiöse Fanatiker erlebten damals eine regelrechte Blüte! Folgt aber daraus schon ein legitimes Sicherheitsinteresse, das eine Kriegsführung rechtfertigt, die am Ende die gesamte unterworfene Bevölkerung treffen soll?
Und natürlich spielen die Kräfteverhältnisse eine Rolle. Im Kontext der jüdischen Aufstände war die Aussicht auf eine erfolgreiche Rebellion erheblich größer. Die Hamas verübte dagegen einen Terroranschlag, ohne jede realistische Aussicht, Israel militärisch zu besiegen oder eine erfolgreiche Rebellion auszulösen. Der Verweis auf eine angebliche existenzielle Bedrohung trägt hier noch weniger.
 
Natürlich konnte auch Rom auf reale, radikal-fanatische Rebellengruppen, mit apokalyptischen Vernichtungsphantasien sowie auf Massaker an römischen Bürgern verweisen. Religiöse Fanatiker erlebten damals eine regelrechte Blüte! Folgt aber daraus schon ein legitimes Sicherheitsinteresse, das eine Kriegsführung rechtfertigt, die am Ende die gesamte unterworfene Bevölkerung treffen soll?
Und natürlich spielen die Kräfteverhältnisse eine Rolle. Im Kontext der jüdischen Aufstände war die Aussicht auf eine erfolgreiche Rebellion erheblich größer. Die Hamas verübte dagegen einen Terroranschlag, ohne jede realistische Aussicht, Israel militärisch zu besiegen oder eine erfolgreiche Rebellion auszulösen. Der Verweis auf eine angebliche existenzielle Bedrohung trägt hier noch weniger.
Was du dabei vergisst
Israel ist ein souveräner Staat, der seine Bevölkerung gegen Angriffe einer bewaffneten Organisation verteidigt. Das Völkerrecht unterscheidet zwischen imperialer Eroberung und Selbstverteidigung eines Staates. Hier geht es primaer um Verteidigung!
 
Was du dabei vergisst
Israel ist ein souveräner Staat, der seine Bevölkerung gegen Angriffe einer bewaffneten Organisation verteidigt. Das Völkerrecht unterscheidet zwischen imperialer Eroberung und Selbstverteidigung eines Staates. Hier geht es primaer um Verteidigung!

Welche Verteidigung?

Ein Palästinensischer Rettungswagen wurde willkürlich gestoppt und angegriffen / attackiert



Eine Hochzeit und deren Gäste tyrannisiert


Einfache Frage


Warum wird nicht über die Gewalttaten israelischer Siedler gegen Christen berichtet bzw dann tot geschwiegen?



Verteidigung gegen Kirchen also


Selbstverteidigungsrecht will niemand absprechen. Nur Selbstverteidigung sieht anders aus.
 
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Was du dabei vergisst
Israel ist ein souveräner Staat, der seine Bevölkerung gegen Angriffe einer bewaffneten Organisation verteidigt. Das Völkerrecht unterscheidet zwischen imperialer Eroberung und Selbstverteidigung eines Staates. Hier geht es primaer um Verteidigung!
Du führst die Unterscheidung ja schon selbst ein. Die imperialen Verhältnisse zu Zeiten Roms, die sich auf Steuerabgaben beschränkten, sind natürlich anders zu betrachten, als das koloniale Besatzungsregime, das Teile seiner nach dem Völkerrecht als illegal zu klassifizierenden Siedlungsgebiete gegen eine bewaffnete Organisation verteidigte.
 
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