Die Verantwortung des Vatikans für sexuellen Missbrauch ist deutlich größer als bekannt. Dies zeigen geheime Dokumente einer weltweiten Recherche von CORRECTIV. Eine besondere Rolle spielte Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI.
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Der Vatikan war seit den 1930er Jahren über Missbrauchstaten von Priestern informiert – und handelte oft gar nicht oder extrem verzögert.
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Die von CORRECTIV ausgewerteten Briefe zeigen jedoch, dass der Vatikan über den weltweiten Missbrauch Bescheid wusste und seit fast 100 Jahren in einem Geheimarchiv Informationen zum Missbrauch durch seine Priester sammelt.
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Auf den Briefen ist jeweils eine Protokollnummer verzeichnet, über die das Jahr der Meldung ersichtlich wird. Sie zeigen, wie Missbrauchsfälle über Jahrzehnte erfasst wurden und dementsprechend dem Vatikan bekannt waren.
1981 etwa ging eine Anfrage zu einem Priester aus Kalifornien im Vatikan ein, der mehrere Kinder missbraucht hatte und dafür verurteilt wurde. Ratzinger übernahm ein Jahr später das Amt als Präfekt der Glaubenskongregation. Der Fall lag sechs Jahre in der Kongregation, weil der Priester so jung war, dass man ihn nicht entlassen wollte.
1986 holte ein Fall aus München Ratzinger ein. Der Priester Peter H., den Ratzinger 1980 aus dem Bistum Essen nach Bayern versetzt hatte, wurde wegen mehrfachen Kindesmissbrauchs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Die Verantwortlichen im Erzbistum München und Freising entschieden jedoch, dass der Priester wieder eingesetzt werden sollte, wenn er auf Alkohol verzichtete. Rom erlaubte ihm, die Messe mit Traubensaft zu feiern. Diese Erlaubnis trug die Unterschrift von Kardinal Joseph Ratzinger und zeigt, dass für die Versetzung dieses Priesters die Verantwortung nicht nur beim bayerischen Bistum liegt, sondern auch im Vatikan.
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Diese Recherche entstand in Zusammenarbeit mit The Boston Globe, El País, Observador, Casa Macondo und mit Unterstützung durch Bishop Accountability.
Geheime Dokumente einer weltweiten CORRECTIV-Recherche zeigen: Das Wissen und die Verantwortung für sexuellen Missbrauch liegt im Vatikan.
correctiv.org
Geheime Dokumente zeigen die Verantwortung des Vatikans für klerikalen Missbrauch. Eine besondere Rolle spielte Papst Benedikt XVI.
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