Hä?
@5th:
Um es kurz zu halten: Es ist nichts
Schmarotzerhaftes (Deine Wortwahl!) an seinem Verhalten. So wie ich mir ein Buch ausleihe (und der Verleger dadurch nur einen Bruchteil des möglichen Gewinnes erhält) kann er sich auch Filme und Spiele ausleihen. Wo kommen wir denn da hin?
Soll ich mir jetzt
jeden Film (am besten noch in 3D, weil die 2D-Fassung nirgends mehr angeboten wird...) im Kino anschauen, weil "dort der Gewinn gemacht wird"? Ist es schmarotzerhaft von mir, auf die DVD zu warten, diese zu kaufen oder, oh mein Gott, mir diese eventuell auszuleihen? Oder auf Free-TV zu warten?
Die Videospielindustrie muss mit den selben Standards zurecht kommen wie alle anderen Medien auch. Jedes Produkt ist ein
Vorschlag an den Kunden. Wird der Wert wahrgenomen, wird das Produkt gekauft.
Dass Spiele wie Okami nicht gut (genug) ankamen, liegt nicht an den Gebrauchtspiel-Käufern, sondern daran, dass die Industrie schon damals innovationsfeindlich war. Es ist nicht umsonst
jedes Jahr (!) ein FIFA oder gleich eine Reihe an EA-Sportspielen in jährlicher Instanz oben sowie heutzutage Call of Duty (X) und Battlefield (X).
EA und Activision geben Unmengen an Geld aus, um dort den Hype zu schüren. Es sind sicher auch gute Spiele, aber so gut gefertigt, dass diese beiden Reihen alleine einen Millarden(!)-Anteil an der gesamten Industrie halten...? Ich zweifle daran. Der Mainstream-Gamer wurde jetzt so "hinerzogen", dass er bei den beiden Reihen eher zugreift. Und sich Season Passes kauft, anstatt sich zu besinnen, dass diese Inhalte schon ab Release drinnen sein sollten. Und sich "Vorbesteller-Boni" sicher, die keinen physischen Wert haben. Diese Liste lässt sich sicherlich auch stark erweitern, sei es Assassins Creed oder inzwischen Far Cry.
Die Publisher ziehen schon den maximalen Gewinn aus
jeder Kleinigkeit heraus. Es ist fast schon eine Verzweiflungstat, was mir Leid tut, aber das ist nun einmal die Realität, die sie sich geschaffen haben.
Ich als Gamer bin darauf nicht angesprungen. Spiele, die nach DLC miefen, werden von mir abgestraft, ungeachtet vom Hersteller. Spiele, die mir einen Spielspaß-pro-Stunde-Kostenfaktor von über 5€ auftischen wollen, werden sehr kritisch beäugt.
Wenn ich oder User wie ich die Industrie zum Abgrund führen, dann bin ich so zynisch und sage: Get on with it!
Denn so wirkt es auf mich, als ob die Hersteller auf sehr wackeligen Beinen stehen und sich Sündenböcke (siehe letztes Peter Moore Interview) noch und nöcher suchen, anstatt die Probleme zu lösen.
Wenn ein Spiel als wertvoll wahrgenommen wird, wird es gekauft werden. Probleme entstehen nur dann, wenn diese Wert-Wahrnehmung quasi ausschließlich durch ein Millionen-Marketing-Budget in die Köpfe der Leute reinsuggeriert wird (jetzt mit noch mehr Pixeln!) und das Spiel selbst quasi unter den Versprechen erdrückt wird (und andere Projekte mit weniger Hype daneben untergehen). So eklatant wie Ubisoft ihre Downgrades schamlos durchspielt ... ist es leider eine normale Marketingstrategie geworden. Sie hoffen, dass der Mainstream das Gedächtnis eines Goldfisches hat. Meines reicht ein bisschen länger als das.
Als Vergleich: mein meist-gespieltes PC-Spiel ist Crusader Kings 2. Damit habe ich 250+ Stunden verbracht (200 davon im MP mit Freunden) und ich habe damals 10€ für das Spiel gezahlt.
Damit müssen die Hersteller nun mithalten.
Zum Beispiel: Ein The Order wirds bei mir somit nur geben, wenn ich entweder eine vergleichbare Anzahl an Spielstunden rauskriege (70-100 sind auch OK, CK2 ist für mich eine Ausnahmeerscheinung) oder der Preis an die wenigen Spielstunden angepasst sein wird (3-8€ sind OK, Tendenz eher fallend).
Klar ist für mich: Sollte es ein Crusader Kings 3 geben, und es gut werden, zahle ich gerne auch mehr für das Spiel. Es hat mich schlicht und ergreifend überzeugt, und zwar durch Erfahrung und weil der Publisher extrem sympathisch agiert. (DLC-Inhalte sind für diejenigen, die ihn nicht haben, auch im MP spielbar; schnelle Patches bei Problemen; immenser Support auch weit nach Launch; keine jährlichen Neuveröffentlichungen)
Zig positive Artikel in einer Gaming-Zeitschrift oder über 200 Awards reichen bei mir nicht für dieses Vertrauensverhältnis.
Aber das hält jeder so wie er will und es ist solange richtig, wie man selbst damit klar kommt. Was nicht in Ordnung ist: Andere als Schmarotzer zu bezeichnen. Der Tipp ist direkt an dich gerichtet, 5th.