Also wenn ich die bisherigen Beiträge richtig verstanden habe, haben wir zur Zeit folgende Unterscheidungskriterien:
Anspruch
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Es wird danach unterschieden, welchen Anspruch die Spiele an den Gamer stellen. Hier sehe ich bisher zwei Unterkategorien: den technischen Anspruch und den spielerischen Anspruch. Der technische Anspruch bezieht sich auf Faktoren wie Umfang, Komplexität der Geschichte und der Steuerung, gebotene Präsentation sowie benötigtes Vorwissen. Der spielerische Anspruch wiederum bezieht sich auf den Kern des Gameplays und zeigt sich darin, dass der reine Spielspass erhalten bleibt, wenn alles Beiwerk wie Präsentation, Story & Steuerung aufs Minimum reduziert wird.
Obwohl beide Kategorien grundverschieden erscheinen, sehe ich darin eine Gemeinsamkeit: beide Ansprüche teilen die angesprochenen Gamer in Reifegruppen ein, d.h. bei beiden gibt es einen Unterschied zwischen einem reifen Gamer (technisch: der Spieler kann ein komplexes Spiel geniessen; spielerisch: der Spieler kann den ureigenen Spielspass auch in simpel aufgemachten Spielen geniessen) und einem unreifen Gamer (technisch: dem Spieler sind viele Spiele zu kompliziert und er ist nicht bereit, Zeit in das Überwinden dieser Hürden zu investieren; spielerisch: der Spieler achtet nur auf die Präsentation der Games und ist nicht in der Lage, mit einem Spiel einfach nur Spass zu haben).
Plattform / Zielgruppe
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Die Unterteilung findet anhand der Bevölkerungs- / Altersgruppen statt, die Spiele auf der jeweiligen Plattform spielen. Spiele auf Plattformen, die den "typischen" Gamer (männlich, zwischen 15 und 30) als Zielgruppe haben, werden tendenziell eher als Core Games betrachtet, wohingegen Games auf Plattformen, die eine erweiterte Bevölkerungsschicht (auch Kinder & Hausmütter z.B.) ansprechen, eher als Non Games bezeichnet werden.
Dieses Kriterium kann auch auf einzelne Spiele (unabhängig von der Plattform) angewendet werden, wodurch eine feinere Unterscheidung möglich ist.
Inhalt
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Dieses Kriterium ist verwandt mit den bisherigen, allerdings wird hier wesentlich stärker auf die Thematik des Spiels geachtet. Spiele mit einem "erwachseneren" Inhalt (komplexe Emotionen, Ideologien, Gewalt, Sexualität, Rassismus etc.) werden eher den Core Games zugerechnet, Spiele die auch Kinder "verstehen" können eher den Non Games.
Im Unterschied zum Anspruch kann ein erwachsenes Spiel durchaus auch einfach gehalten sein (z.B. dumpfe Ballerorgie), und ein kindgerechtes komplex (sowohl in der Präsentation als auch der Interaktion).
Die Plattform oder Zielgruppe stimmt auch nicht immer mit dem Inhalt überein, z.B. spielen Jugendliche häufig brutale Egoshooter, die dem erwachsenen Segment zuzuteilen sind. Handkehrum gibt es viele Erwachsene, die regelmässig kindgerechte Spiele spielen (z.B. Jump & Runs, aber auch Kartenspiele etc.).
Insgesamt sehe ich trotz der unklaren Begrifflichkeiten einen Prozess bei den Spiele(r)n, der dem des Erwachsen werdens ähnelt. Auf der Suche nach der eigenen Identität werden Zugehörigkeitsgruppen gesucht, die die eigenen Werte wiederspiegeln. Ich gehe davon aus, dass in einem späteren Stadion die gewonnene Reife bei Spielern und Spielen dafür sorgen wird, dass weniger auf die Unterschiede der einzelnen Gruppen geachtet wird und das gemeinsame Bedürfnis (Spielen, Spass haben, unterhalten und unterhalten werden) für einen konstruktiven Austausch sorgen wird.