Virtua Tennis 4

Habe es heute Abend ergattern können :).

Zu Beginn braucht man etwas um sich wieder umzugewöhnen, denn das Spielgefühl unterscheidet sich deutlich von Virtua Tennis 3/2009, ist viel langsamer und taktischer, eher Richtung Virtua Tennis 2, was nach so langer Zeit gerade bei den recht langsamen Rückhandbällen zu Beginn etwas irritiert und sogar etwas enttäuscht weil das Spielgefühl ungewohnt wirkt.
Man merkt, dass das original Arcade-Team hinter dem Spiel steht, im Vergleich zu VT 2009 ist es um Welten besser.
Knackiger Schwierigkeitsgrad und es schwitzt einfach aus jeder Pore das Arcade-Spielprinzip "easy to learn, hard to master". Da waren Spielhallen-Profis am Werk.
Hier ist es, nach bisherigem Eindruck, wichtiger als bei jedem VT-Spiel zuvor sich richtig zu positionieren, im Rhythmus zu schlagen und vorallem: jeder Spieler spielt sich anders und man muss wirklich erst lernen mit jemandem zu spielen, dessen Stärken zum Vorteil einzusetzen und die Schwächen zu vermeiden. Fast wie bei einem Beat em Up. Hatte ich so ausgeprägt bisher nie in einem Tennisspiel.

Der Aufschlag von Roddick z.B. ist hier wirklich ein echter Vorteil und nicht nur mehr oder weniger Zierde. Nadal spielt auf Sand mit extremem Spin auf der Vorhand. Auch spielen sich Grundlinienspieler wie Gonzalez, Nadal oder Kohlschreiber z.B. komplett anders. Beherrscht man also einen Grundlinienspieler kommt man nicht automatisch mit jedem aus dieser Spielerkategorie gleich sofort klar. IMO sind die Unterschiede viel ausgeprägter als bei der Konkurrenz.

Das Roster ist gut. Federer, Nadal, Djokovic, Murray, Del Potro, Roddick dabei. Monfils und Haas sind wieder dabei, dazu Gonzo, Kohlschreiber und Seppi. Kohlschreiber spielt sich sehr ähnlich wie Kafelnikov damals, ziemlich cool.

Bei den Legenden ist bisher nur Jim Courier zu sehen, zwei weitere Fragezeichen sind noch nicht freigeschaltet. Rafter und Becker scheinen PS3-exklusiv zu sein. Courier allerdings ist ziemlich cool umgesetzt, ist ja auch so etwas wie das Gesicht der Serie;). Kein Agassi, Lendl oder Sampras wie bei TS 4.
Das Roster ist zwar nicht so groß, aber jeder Spieler hat wie gesagt seinen eigenen Charme und durch die für jeden Spieler realistisch nachgemachten Schlaganimationen, Spezialschläge und den Spielstil versprühen sie deutlich mehr Charisma als die bei Topspin 4.

Was mir etwas fehlt ist allerdings ein echter Surf+Volley Spezialist. Gut, die gibt es momentan auch nicht wirklich, aber ein großer Spieler wie Karlovic oder Cilic hätte hier schon geholfen. Baghdatis, Tsonga, Verdasco oder Söderling wären auch cool gewesen ebenso wie Rios, Kuerten oder Ivanisevic bei den Legenden, aber naja, wie gesagt, die Auswahl ist sonst schon ganz ok.

Damen auch kurz angetestet, und ziemlich schnell das Fenster zugemacht*g*, das Gestöhne wirkt schon ziemlich realistisch und ist omnipräsent;). Machen aber als Abwechslung auch Spaß, habe Ivanovic getestet, die vom Spielstil an Mary Pierce damals erinnert.

Grafisch ist es schwächer als Topspin 4, aber besser als VT 2009. Etwas schwach sind die Texturen mancher Bodenbeläge, die aus der ferne ein bisschen wie Wachsfiguren wirkenden Spieler sowie das Gesicht von Nadal, der ein bisschen aussieht wie Scarface mit seinem zerfurchten Gesicht;). Schön hingegen der verwehte Sand bei den French Open, die Cutscenes mit toll modellierten Gesichtern und auch die neuen Spieler wurden wirklich gut getroffen.

Soundkulisse geht so, nicht so tot wie bei Topspin 2, aber etwas mehr könnten die Zuschauer während der Ballwechsel mitgehen, eine Reaktion kommt meist nur nach den Punkten. Dafür hört sich das Treffergeräusch des Balles und die Umgebung z.B. bei den French Open deutlich anders an als in Australien. Haben sie gut getroffen.

Was AM3 ebenfalls sehr gut getroffen hat ist IMO der Spielstil der aktuellen Spielergeneration. Sie haben diese Grundlinien-geprägte Spielweise gut eingebaut und betont, dabei aber geschafft dass es sich immer noch anfühlt wie ein Virtua Tennis mit all seinen Eigenheiten. Gefühlt muss man die Spieler jetzt deutlich weiter hinter der Grundlinie positionieren und kann trotzdem viel Druck aufbauen bzw muss bei manchen Spielern weiter nach hinten um überhaupt erst Druck aufbauen zu können.

Und es macht einfach nur Spaß und ist enorm befriedigend wenn man ziemlich schnell einen guten Aufschlag mit Drall nach Außen hinbekommt und den anschließenden Volley versenkt, den Passierball hart am nach vorne eilenden Gegner vorbei schlägt, die Rückhand umläuft und den Punkt gegen die Laufrichtung des Gegners macht oder mit peitschenden Grundlinienschlägen (die man übrigens nicht so aus dem Ärmel schütteln kann, sondern wo man schon viel richtig machen muss bezüglich Timing und Positionierung) den Gegner dominiert.

Überhaupt ist das für mich der Hauptunterschied zu Topspin 4.
Das 2K-Spiel sieht wunderbar realistisch aus, aber es ist für mich einfach deutlich langweiliger während der Ballwechsel. Bei VT 4 ist man dauernd beschäftigt, hat keine Sekunde Pause, denn immer ist man beschäftigt zu überlegen welchen der vier Schläge man nun ausführt, ob mit Vorhand oder Rückhand, ob kurz oder lang und wie man seinen Spieler da am besten positioniert da dies nunmal absolut essentiell ist. Man muss Vieles vor dem Schlag richtig machen um sich den Punkt zu verdienen.
Stand auch schön öfters zu nah am Ball und dann schlägt er daneben. Aber nie in dem Maße, dass es frustrierend wird weil man keinen Ball trifft. Auch braucht es länger, bis die Spieler beim Zurücklaufen die Schlaganimation ausführen, man kann also Bälle nicht mehr so einfach zurückschlagen wenn man vom Netz zurückläuft, was ebenfalls Tempo rausnimmt und einen Flipper-Effekt verhindert.
Da ist viel Spieltiefe und Taktik drin, das alte, serientypische "easy to learn, hard to master".

Topspin 4 ist zwar taktisch auch fordernd, aber die eigentlichen Ballwechsel sind irgendwie deutlich weniger dynamisch und weniger spannend.
Wie schon erwähnt wurde das Spieltempo im Vergleich zu VT 3 deutlich zurückgeschraubt, dem Spiel gegen die Laufrichtung wurde mehr Bedeutung verliehen.
Die Gegner reagieren auf dich, das heisst wenn du den ersten Aufschlag mit Spin nach Außen drehst und zum Netz stürmst um den Volley reinzuhauen positioniert sich der Gegner das nächste Mal weiter nach Außen und spielt den Passierball in die kurze Ecke statt Crosscourt...

Die Spieler machen keine Hechtsprünge an der Grundlinie und es ist auch nicht mehr so, dass sie die Bälle nur noch gerade so erreichen, sondern das sieht alles schön flüssig aus.
Der Gegner versucht auch eigentlich auch fast immer noch den Ball zu erreichen; das hat mich bei TS 4 sehr gestört, dass die da bei erreichbar aussehnden Bällen oft einfach stehen bleiben.
Lobs sind auf den ersten Blick gut ausbalanciert, der Gegner schmettert nicht mehr jeden Lobversuch rein, sie gelingen manchmal aber halt nur wenn man sie gut spielt.
Schläge ins Aus kommen auch vereinzelt vor.

Was ich noch nicht hinbekomme ist das wirklich punktgenaue Positionieren des Balles genau auf die Linie, sofern es möglich ist(?), die Schläge bleiben alle etwas eher mittig im Vergleich zu den Vorgängern, was allerdings dazu führt, dass man den Gegner nicht so schnell mit normalen Grundlinienschlägen raustreiben kann und zu längeren Ballwechseln führt.
Auch das Timing beim Aufschlag-Return habe ich noch nicht drauf, bei VT2 konnte man da immer schön Winner schlagen wenn man den gut traf, hab ich hier noch gar nicht geschafft.
Auch das Volleyspiel hab ich noch nicht so drauf, bekomme noch nicht wirklich Druck hinter den Ball außer direkt nach guten Aufschlägen.

Dann ist da der "Superschuss". Ich war ja vorher extrem skeptisch und habe sowas befürchtet wie bei Sega Superstars Tennis oder so, aber ich muss mich korrigieren. Es schadet dem Spiel nicht nur nicht, es bereichert das Spiel sogar. Gegen starken Druck des Gegners rettet er einem teilweise schon den Arsch, er verhindert Monotonie bei Ballwechseln und ist nicht überpowered. Das heißt, man kann ihn bei ganz guten Reaktionen meist erreichen und kommt auch nicht zu oft vor.
Nur, wie man ihn gezielt auflädt, hab ich noch nicht so raus, das ist wohl bei jedem Spieler anders.

Im Arcade-Modus kommt schnell das alte Gefühl auf, ganz anders als bei VT 09. Habe bisher nur die zweitniedrigste Stufe "Normal" gespielt und während man die ersten beiden Gegner noch locker besiegt , wird der dritte schon stärker und gegen den Endspielgegner verliert man plötzlich 0:2.
Man hat aber dieses "nur noch einmal" Spielgefühl und wenn man den Gegner dann nach dem vierten-fünften Mal endlich besiegt ist dies befriedigend und der Endgegner wartet, hier war es die bisher einzig spielbare Legende Jim Courier.

Ein Minuspunkt ist hier, dass der serientypische Arcade-Countdown auf dem Feld fehlt:(. Nach Niederlagen wählt man dann im Menü "Neuversuch", was aber weniger Charme hat als die alte Animation auf der Bank. Ist aber zu verschmerzen;).

Zur World Tour kann ich nix sagen, hat mich bei VT noch nie interessiert und auch zur Motion-Control kann ich nix sagen, da ich kein Kinect habe.

Insgesamt kann man nach einem Ersteindruck !!(eineinhalb Stunden) sagen, dass Virtua Tennis zurück ist, sich teilweise neu erfindet, dabei aber nie die grundsätzliche Ausrichtung der Serie verleugnet und alte Stärken beibehält.


Es sieht auf Videos nicht so schön realistisch aus wie Topspin 4 (das Spiel zeigt ja quasi grafisch durch verunglückte Bälle an, wenn du irgendwo einen Fehler vor dem Schlag machst), spielt man es aber selbst macht es zumindest mir mehr Spaß. Eines dieser typischen Spiele welche beim Zugucken nicht so viel Spaß machen, beim selbst spielen aber umso mehr.

So, die Pause hier tat gut, denn die Hände taten schon weh von all dem Gampad drücken, jetzt muss ich aber weiter spielen.
 
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@Dawkins

Ich war so frei und habe deinen Thread mit diesem hier zusammen gefügt. Und damit gleich in das nun passende Forum verschoben.
 
Was aber IMO auch dem Fakt geschuldet ist, dass viele Reviewer das Spiel als Simulation sehen und bei der absolut realistischen Nachbildung des Spiels mit TS4 vergleichen. Virtua Tennis war immer ein Arcadespiel mit Tennisthema und wollte auch immer nur dies sein. Und als Arcadespiel ist es fast perfekt und hat eine geniale Spielmeachanik, eine der komplexesten überhaupt. Nur wird dieser Fakt oft übergangen und es werden die Schwächen als pure Sim aufgezeigt. Das ist so als würde man kritisieren, dsss ein Punch-Out Wii keine realistischen Boxkampf abbildet. Es überzeichnet die Charaktere und deren Spielweise, indem es bei ihnen wie bei einem Beat em Up die markanten Fähigkeiten überdeutlich charakterisiert. Roddick das Aufschlagmonster, Nadal der Grundlinienwühler, Monfils die Defensivmaschine etc..

Gibt übrigens auch andere Reviews, wie die 8/10 von Eurogamer:

The core strength of the experience ensures Virtua Tennis 4 is best in class where it matters, on the court.

http://www.eurogamer.net/articles/2011-04-29-virtua-tennis-4-review

Oder das Xbox Magazin mit 9/10:
http://www.oxm.co.uk/27967/virtua-tennis-4-review/

It's an unexpected blight on what is otherwise a simple, exciting and utterly addictive game. Even if you're only a casual fan of the genre, it's all just incredibly fun stuff.


Edit:
Hier übrigens jemand, der das Spiel nach der Demo und das Spiel verteufelt hatte und jetzt nicht mehr davon loskommt, sogar ein Topspin-Fan:

http://www.intertopspintour.net/forum/viewtopic.php?t=14681

Habe die Demo nicht gespielt, aber scheint einen falschen Eindruck vom Spiel zu vermitteln.
 
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