Sehr geehrte Damen und Herren
Mit Entsetzen musste ich von Ihrer kommenden Aktion "Familien gegen Killerspiele" lesen und bin maßlos enttäuscht über die Tatsache, dass selbst jene Menschen, die das Massaker und seine Folgen direkt gespürt haben, sich so leicht von der Profilierungsmaschinerie der Politiker blenden und missbrauchen lassen. ich möchte Sie bitten, meinen Text wenigstens bis zum Ende zu lesen, denn ich bin der Meinung, dass ich sehr wohl etwas konstruktives und Sinnvolles zu diesem Thema beizutragen zu habe. Vielen Dank.
Zunächst einmal möchte ich betonen, dass ich das Massaker von Winnenden, sowie sämtliche andere unmenschlichen Gräueltaten aufs Tiefste verurteile und allen betroffenen Personen mein Beileid ausspreche. In der Tat gibt es keine vernünftige Rechtfertigung für eine solche Untat und ich verstehe, dass es im Interesse aller Menschen ist, die Ursache, und eine Erklärung für ein solches Verhalten zu finden, um weitere Exzesse solcher Art zu vermeiden. In diesem Sinne finde ich die Gründung eines Verbandes wie des "Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden" nicht nur erfreulich und lobenswert, sondern auch dringend notwendig.
Allerdings muss ich in bestimmten Bereichen am Vorgehen Ihrer Organisation Kritik üben. Mir fehlen leider die Qualifikation und vor allem die Erfahrung um in allen Bereichen zu argumentieren, daher werde ich mich nur auf zwei Ihrer Zielpunkte, die mit dieser Aktion unmittelbar verbunden sind, beschränken:
-Eltern zu sensibilisieren, dass Sie Ihrer Aufsichtspflicht im Umgang mit Killerspielen ihrer Kinder nachkommen.
-Verbot von Killerspielen die dazu dienen Menschen zu ermorden.
Zunächst einmal, die Frage, was ein "Killerspiel" überhaupt sein soll. Dieser Begriff ist eine reine Erfindung von Politikern. Es gab ihn vorher nicht, er wird nirgends sonst auf der Welt verwendet und hat weder eine juristische noch eine wissenschaftliche Definition. Allein der "Killer" Teil im Wort soll eine negative Konnotation hervorrufen, das Wort soll als bedrohlich und unangenehm empfunden werden. Doch was ist nun damit gemeint? Im Prinzip nichts anderes als Spiele, in unserem Fall PC- und Videospiele, in denen Gewalt vorkommt.
Doch der springende Punkt ist, dass Gewalt nicht eindimensional ist. Gewalt ist ein vielschichtiges, alltägliches Phänomen. Gewalt kann destruktiv sein, Gewalt kann aber aus konstruktiv sein. Wenn ein Lehrer seinen Schülern Hausaufgaben auferlegt, dann ist das Gewalt. natürlich ist das eine konstruktive Gewalt, und kein vernünftiger Mensch würde dieses System in Frage stellen.
Ebenso verhält es sich in Videospielen. Man muss sich jedes Mal fragen: Warum gibt es diese Gewalt? Welchen Zweck erfüllt sie? Ist sie notwendig?
Lassen Sie mich einige Beispiele liefern: Wenn ein Spiel in einem Kriegsszenario spielt, dann ist Gewalt ein notwendiges Stilmittel. Niemand kann einen Krieg ernst nehmen, in dem kein Blut fließt, keine Menschen sterben. Ohne Gewaltdarstellung verliert das komplette Szenario an Atmosphäre und Glaubwürdigkeit. Ein negatives Beispiel wäre etwa, wenn der Spieler die Möglichkeit hat, besiegten Gegner einzelne Organe aus dem Leichnam zu entnehmen. Das erfüllt keinen Zweck, es ist geschmacklos und widerlich. Doch auch hier stellt sich die Frage, ist es wirklich nur das, was man oberflächlich sieht? Wie ist das im Gesamtkontext zu bewerten? Wie sieht das gesamte Szenario aus? Wie ist die dazugehörige Geschichte? Sie sehen, man darf diese Dinge nicht pauschal beurteilen. Ein Videospiel ist ein Gesamtwerk, nicht die Summe seiner Einzelteile.
Aus diesem Grund ist es schon einmal falsch, alle Spiele, die Gewalt enthalten, pauschal gleich zu behandeln.
Eine weitere Punkt, der immer wieder diesen Spielen vorgeworfen wird, ist, dass sie reale Gewalt induzieren. Schließlich gäbe es diese gesamte Diskussion nicht, wenn niemand diese Ansicht vertreten würde.
Ich möchte es an dieser Stelle kurz machen und sage: Sie werden belogen.
Ich kann jetzt verstehen, dass Sie mir nicht glauben, also lassen Sie mich meinen Standpunkt bitte erläutern.
Es ist seit jeher eine übliche Praxis der mächtigen, das Volk mit angeblichen Problemen und Feindbildern von den wahren Problemen abzulenken. In unserer heutigen Zeit sind es beispielsweise "Killerspieler". Es ist ganz einfach, denn Videospieler haben keine Organisation, keine Repräsentanten und abgesehen von wütenden Forumsbeiträgen und der einen oder anderen Demonstration zeigen sie keine Gegenwehr. Menschen, die sich mit Videospielen nicht, oder nur sporadisch auseinandersetzen, lassen sich leicht überzeugen, schließlich sehen Videoaufnahmen von solchen Spielen auch schlimm genug aus.
Doch ich wage, das Gegenteil zu behaupten. Es gibt keine Studie, die belegt, dass virtuelle Gewalt reale Gewalt induziert. Auch wenn entsprechende Gruppen argumentieren "Wissenschaftliche Studien belegen, dass.." werden diese Studien nie explizit genannt, man wird nie konkret. und das liegt daran, dass es keine solche Studien gibt. Es gibt Studien, die zeigen, dass bestimmte Gehirnareale beim Spielen und einige Zeit danach anders durchblutet und gereizt sind als sonst, aber kein ernsthafter Wissenschaftler würde daraus Erkenntnisse ableiten, dass das reale Gewalt begünstigt.