Es ist wahrlich faszinierend, dass es hier im Thread immer noch Menschen gibt, die die Situation in Deutschland krampfhaft versuchen besser zu bewerten, als sie tatsächlich ist. Nicht die Kritiker der bisherigen und alten Regierung(en) sind hier auf dem Holzweg - ihr seid es.
Es gibt selbstverständlich immer Bereiche, die positiv herausstechen, das Gesamtbild spricht aber eine mehr als deutliche Sprache. Um es einmal in einfacher Sprache zu erläutern: Wenn ein Unternehmen pleite geht, kann es in dem Unternehmen trotzdem noch Teilbereiche gehen, die gut laufen. Vielleicht ist die Marketingabteilung super und Strom wird auch ganz toll gespart durch LEDs und Bewegungsmelder auf den Fluren. Vielleicht laufen gerade alle Dienstwagen ohne Probleme und das letzte Weihnachtsgeld wurde auch noch gezahlt. Das Unternehmen selbst ist trotzdem zahlungsunfähig und muss Insolvenz anmelden, auch wenn diese vier Punkte als "gut" dargestellt werden können.
So ist es derzeit auch in Deutschland. Natürlich gibt es immer irgendwas, das sich in eine (je nach Sichtweise oder sogar objektiv) positive Richtung entwickelt. Ich gehe davon aus, dass wir bei genauerem Nachdenken selbst für Kuba und Nord-Korea irgendwelche Aspekte finden, die "gut" laufen. Die Summe zeigt aber deutlich, dass es eklatante Probleme gibt.
Wir haben mit die höchsten Energiekosten der Welt, was sich negativ auf das Wachstum auswirkt und die Bürger belastet. Wir sind kurz davon, das AAA-Rating der großen Agenturen zu verlieren, da die Schulden unaufhaltsam steigen und das Wachstum krankt. Wir investieren weniger in Bildung als der OECD-Schnitt und schneiden von Jahr zu Jahr schlechter in der Pisa-Studie ab. Die Anzahl der hochqualifizierten Auswanderer aus Deutschland (Akademiker, Ärzte, IT-Profis, etc) steigt seit Jahren kontinuierlich an, was unter anderem an den hohen Abgaben, der Bürokratie und der Wohnungsnot liegt. Unsere Sozialsysteme (fünf Säulen) ächzen unter der Gesamtlast, was wiederum zu höheren Abgaben und reduzierten Leistungen führt. Die Lebenshaltungskosten steigen viel schneller, als Gehälter steigen können. Die Altersarmut und die Armutsgefährdung in Deutschland steigen von Jahr zu Jahr, ohne dass es Anzeichen für Entspannung gibt. Viele Probleme sind seit vielen Jahren und Jahrzehnten bekannt und sind nicht erst wegen der USA-/Iran-Krise entstanden und trotzdem schafft es bisher niemand, hier nachhaltig zu intervenieren. Deutschland hat ein sogenanntes Allokationsproblem: Die Einnahmeeffizienz und die Allokationseffizienz stehen sich gegenüber, wie man weiß, wenn man sich ein bisschen in VWL auskennt. Die Mittel fließen stark in die Bewältigung der Gegenwart und zu wenig in die Gestaltung der Zukunft.
Und bei all dem habe ich nicht einmal das Thema Migration angeschnitten, was wie ein zusätzliches Brennglas auf all diese Themen wirkt.
Wer angesichts dieser Gesamtlage weiterhin einzelne positive Entwicklungen herauspickt, um daraus ein gutes Gesamtzeugnis für Deutschland abzuleiten, verwechselt Lichtblicke mit einer Trendwende – und genau das ist Teil des Problems.
Netter ki Text. Bekommst daher eine ki Antwort
Deine Argumentation hat ein Problem. Es ist nicht falsch, dass du Probleme in Deutschland aufzeigst, denn die gibt es. Das Problem ist, dass du aus einer Liste von Problemen automatisch schließt, dass das Land insgesamt vor die Hunde geht. Und dann stellst du jeden positiven Punkt als unwichtigen Ausreißer dar.
Dein Vergleich mit einer insolventen Firma passt nicht. Ein Staat ist keine Firma, die einfach pleitegeht. Deutschland hat eine starke Wirtschaft, nimmt viel Geld über Steuern ein, produziert viel industriell und technologisch, kann sich Geld leihen und ist immer noch eine der größten Volkswirtschaften der Welt. Man kann gerne über Wachstum, Schulden, Energiepreise oder die Bedingungen für Firmen reden. Aber daraus zu machen, die Wirtschaft sei pleite, ist keine sachliche Analyse, sondern übertrieben.
Auch bei deinen einzelnen Punkten sollte man genauer hinschauen. Hohe Energiepreise? Ja, das ist ein Problem. Wenig Wachstum? Stimmt auch. Zu viel Bürokratie und hohe Steuern? Das ist berechtigte Kritik. Probleme im Bildungssystem? Ja. Aber nur weil es große Probleme gibt, heißt das nicht, dass Deutschland vor dem Zusammenbruch steht.
Besonders auffällig ist, dass du selbst genau das tust, was du anderen vorwirfst. Du suchst dir nur die Dinge heraus, die deine Meinung vom Niedergang stützen, und erklärst alles andere, was dagegen spricht, zu unbedeutenden Einzelfällen.
Wenn zum Beispiel viele Leute Arbeit haben, Deutschland viel exportiert und forscht, die Infrastruktur trotz Problemen funktioniert, Firmen im Ausland erfolgreich sind und der Lebensstandard im Vergleich zu anderen Ländern hoch ist – dann sind das keine kleinen Lichter in einem insolventen Unternehmen. Das sind wichtige Faktoren, die man bei der Gesamtbewertung berücksichtigen muss.
Und da liegt der Denkfehler: Bei einer Gesamtbewertung zählt nicht nur das Negative.
Auch deine Aussage zur Kreditwürdigkeit ist unnötig dramatisch. Deutschland hat immer noch ein sehr gutes Kreditrating. Selbst wenn einzelne Agenturen ihre Bewertung ändern würden, wäre das kein Beweis für eine bevorstehende Staatskrise. Genauso wenig bedeutet eine schlechtere PISA-Studie, dass das Bildungssystem komplett am Ende ist.
Ähnlich ist es mit der Auswanderung von Fachkräften. Ja, Deutschland muss attraktiver für gut ausgebildete Leute werden. Aber wenn du von der Auswanderung einzelner Gruppen automatisch auf eine allgemeine Abwanderung von Leistungsträgern schließt und daraus einen wirtschaftlichen Niedergang ableitest, ist das eine Kette von Behauptungen, die man erst beweisen müsste.
Und beim Thema Migration wird es besonders deutlich: Wenn du sagst, Migration wirft ein Schlaglicht auf bestehende Probleme, kann man darüber reden. Aber wenn du dann fast jedes Problem – Energiepreise, Wohnungsmarkt, Sozialversicherungen, Bildung, Staatsfinanzen und Wachstum – auf Migration zurückführst, ist das irgendwann keine Analyse mehr, sondern eine politische Darstellung.
Niemand sagt, dass in Deutschland alles super läuft. Ganz im Gegenteil: Es gibt seit Jahren große strukturelle Probleme, die nicht richtig angegangen werden. Aber zwischen „Deutschland hat ernste Probleme“ und „Deutschland ist praktisch die insolvente Firma, die du beschreibst“ ist ein riesiger Unterschied.
Wer aus jeder schlechten Nachricht einen Beweis für den Niedergang macht und jede gute Nachricht als unwichtigen „Lichtblick“ abtut, macht genau das, was er anderen vorwirft: Er sucht sich nur das heraus, was ihm passt.
Man kann Deutschland kritisch sehen, ohne es schlechtzureden. Und man kann positive Entwicklungen anerkennen, ohne gleich ein euphorisches Gesamtbild zu zeichnen. Genau diese Differenzierung fehlt in deinem Beitrag.
Jedoch wollen gewisse Leute auf biegen und brechen alles Schlechtreden weil sie damit eine bestimmte Agenda verfolgen.
Übrigens gibt es Kräfte in Deutschland die den Euro Austritt wie den EU Austritt wollen. Der absolute Sargnagel für die Deutsche Wirtschaft