Der Versuch, die NATO zu testen, soll nicht zwingend auf konventionelle Art hinauslaufen. Das kann passieren, muss aber nicht. Insofern sagt das Fehlen eines sichtbaren Aufmarschs für sich genommen wenig aus, denn es schließt nur ein bestimmtes Szenario aus, nicht die Bedrohung an sich.
Die öffentliche Kommunikation und Rhetorik mutet aber nicht gerade an, dass man bei möglichen Szenarien präventiv sondern einfach reaktiv vorgeht und dass man Russland irgendeine klare, eskalatorische Grenze zieht. Dieses Duckmäusertum ist gerade das, was Russland u.a. als Schwäche interpretiert und dazu veranlasst, den Ermessensspielraum von Artikel 5 zu testen, wobei man jede Anreize in der Richtung schon, vorab im Keim ersticken sollte. Generell wirkt es so, als gäbe es kein kollektives Bewusstsein einer gestiegenen Bedrohungslage und da sehe ich die Politik in der Pflicht, entweder sich darüber bewusst zu werden oder dieses Bewusstsein in die Öffentlichkeit zu tragen. Das ist sie der Bevölkerung schuldig.