Immer wenn das Thema einer kapitalgedeckten Rente aufkommt, entsteht hier der Eindruck, als wäre das ein neoliberales Experiment, bei dem der Staat sein Rentensystem im Casino verzockt.
Das Lustige ist: Deutschland macht genau das bereits. Seit fast zehn Jahren. Und zwar mit einem Staatsfonds.
Der KENFO wurde 2017 gegründet und erhielt einmalig 24,1 Milliarden Euro von den Betreibern der Kernkraftwerke. Seitdem darf dem Fonds gesetzlich kein weiteres Geld zufließen. Er muss die Zwischen- und Endlagerung des deutschen Atommülls bis weit ins nächste Jahrhundert ausschließlich aus seinen Kapitalerträgen finanzieren.
Die Anlagestrategie klingt dabei erstaunlich unspektakulär:
- 41 % globale Aktien (über 3.600 Unternehmen)
- 39 % Staats- und Unternehmensanleihen
- 14 % Private Equity, Infrastruktur und Private Debt (langfristig sogar 29 % geplant)
- 5 % Liquidität
Also ziemlich genau das, was man jedem privaten Anleger empfiehlt, wenn der Anlagehorizont mehrere Jahrzehnte beträgt.
Und jetzt kommt der interessante Teil.
Seit seiner Gründung hat der KENFO bereits rund 5,3 Milliarden Euro für die Atommüllentsorgung an den Bund ausgezahlt.
Trotz dieser laufenden Entnahmen liegt das Fondsvermögen heute wieder bei rund 28 bis knapp 30 Milliarden Euro. Rechnet man Vermögen und bereits geleistete Auszahlungen zusammen, wurden aus den ursprünglich eingezahlten 24,1 Milliarden inzwischen über 33 Milliarden Euro an Vermögenswerten bzw. Zahlungen.
Mit anderen Worten: Der Fonds hat seit 2017 einen Mehrwert von über 8,8 Milliarden Euro erwirtschaftet – trotz Corona, Ukrainekrieg, Inflation, Zinsschock und zeitweise zweistelligen Börsenverlusten.
Offenbar funktioniert langfristiges Investieren also selbst dann, wenn man zwischendurch Geld entnehmen muss und die Welt nicht ausschließlich aus steigenden Aktienkursen besteht.
Genau deshalb finde ich die deutsche Rentendebatte teilweise etwas befremdlich.
Beim KENFO vertraut der Staat den internationalen Kapitalmärkten die Finanzierung eines Projekts an, das über Generationen hinweg Milliarden kosten wird. Dort gelten Aktien plötzlich als vernünftige, langfristige Anlageklasse.
Geht es dagegen um die Altersvorsorge der eigenen Bevölkerung, wird häufig so diskutiert, als würde bereits ein ETF auf den MSCI World den unmittelbaren Staatsbankrott bedeuten.
Natürlich würde ein Kapitalstock die umlagefinanzierte Rente nicht ersetzen oder müsste sie nicht unbedingt ersetzen. Das behauptet auch kaum jemand. Aber warum sollte der Staat ausgerechnet bei der Rente auf den Renditetreiber verzichten, den er bei seinem größten Staatsfonds längst erfolgreich nutzt?
Man muss ja nicht einmal nach Norwegen oder Schweden schauen. Das Gegenbeispiel existiert bereits in Deutschland. Es heißt KENFO.