on Boris Schneider-Johne:
Warum nur mit USK-Rating?
Zur Einleitung mal wieder der Hinweis, daß es sich hier, wie bei allen Beiträgen auf dieser Webseite, um meine persönliche Meinung und nicht die meines Arbeitgebers handelt.
Wie gerade am Beispiel des Spiels Condemned klar wird, hat sich Microsoft schon vor Monaten dazu entschlossen, auf Xbox 360 nur Spiele veröffentlichen zu lassen, die ein Rating der jeweiligen Jugendschutz-Institution bekommen haben - in Deutschland ist das die USK. Nun ist Deutschland dummerweise mit das einzige größere Land, wo einem Spiel das Rating schlichtweg verweigert werden kann. Ist die USK der Meinung, daß der Titel die Kritieren für eine Indizierung oder gar strafrechtliche Kriterien erfüllt, gibt es gar kein Rating. Und was nun? Die Microsoft-Regeln sind klar: Veröffentlichung nur mit national gültiger Alterskennzeichnung, der Titel hat keine, also kann/darf er auch nicht veröffentlicht werden.
Viele Spiele-Publisher sehen die Problematik und passen ihre Titel an den deutschen Markt an, oder programmieren sie von vorneherein so, daß es auch in Deutschland keine Probleme gibt. Einige Firmen ziehen sich hingegen mit einem selbstgemachten Nicht unter 18″ Sticker auf der Schachtel aus der Affäre (ist ja schließlich legal) und verkaufen die Version, die in anderen Ländern keine Probleme macht - bis dann eben doch die Bundesprüfstelle oder gar ein Staatsanwalt kommt.
Jetzt sehe ich schon die ersten Posts in Foren (oder jenen oben verlinkten Golem-Beitrag), in denen sich Leute über eine Kinderkonsole mokieren. Dazu zwei Anmerkungen: Zum einen gibt es ja keine Probleme mit Spielen, die nur für Erwachsene gedacht sind und ein Nicht unter 18 Jahren von der USK erhalten haben. Ich hatte zum Beispiel nach erstem Ansehen Befürchtungen, daß Titel wie Quake 4″, Gun oder Call of Duty 2″ ohne USK-Rating da stehen und demnach auch nicht in Deutschland erscheinen würden. Alle Titel sind aber, wie in der USK-Datenbank zu sehen, mit 16er und 18er Ratings durchgekommen. Und selbst in diesen durchgekommenen Spielen habe ich durchaus persönliche Probleme mit dem Level der Gewalt und den Aufgaben für den Spieler - mehr Details, wenn die entsprechenden Titel auf dem Markt sind. Das ist alles definitiv kein Stoff für eine Kinderkonsole.
Zum anderen glaube ich, daß ein Meckern an der Position von Microsoft nicht angebracht ist. Microsoft macht keine Altersfreigaben, sondern sagt klar: Das macht eine offizielle Institution in den jeweiligen Ländern und wir halten uns an die nationalen Vorgaben. Ich sehe es daher eher als Aufgabe an die einzelnen Spielepublisher, ihre Produkte an nationale Befindlichkeiten anzupassen oder aber eben auf den Gesetzgeber und die Behörden einzuwirken, daß die Kritieren an internationale Standards angepaßt werden. Und wenn ich mir Firmen wie Electronic Arts, Activision, oder Take 2 (drei willkürliche Beispiele) ansehe, dann gehen die eindeutig den Weg der Anpassung an nationale Standards. Das Ignorieren dieser Standards führt nur dazu, daß die Industrie als Ganzes in Mißkredit gerät und irgendwann noch strengere Gesetze kommen (siehe aktuelles Beispiel Kalifornien). Würden sich hingegen sowohl Hersteller wie Handel einfach an die USK-Ratings halten, wäre auch streitsüchtigen Politikern zumindest ein Großteil des Windes aus den Segeln genommen.
Ich persönlich halte sowieso Splatter-Spiele für nicht nur für moralisch bedenklich sondern auch eine doofe Zeitverschwendung. Wenn, wie oft behauptet, Story und Spiellogik den eigentlichen Wert des Produktes ausmachen würden, könnte man ohne Not den Gewaltlevel herunterschrauben, ohne das Produkt in seiner Qualität zu verändern. Daß Verstecken hinter Argumenten wie Das ist doch Zensur oder Das beraubt uns der künstlerischen Freiheit ist bei einem Produkt wie einem Computerspiel doch in der Regel nur eine Ausrede für Mir ist nix besseres als das Blutgespritze eingefallen.
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