1. Wie Games dazu beitragen können? Indem sie auf Gewalt verzichten. Wie auch sonst? In einer (utopischen) gewaltfreien Welt, darf es selbstverständlich auch keine Videospiele mit gewalttätigem Inhalt geben. (Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich nicht, dass Games zu den Gewalttaten führen oder diese begünstigen! )
Nun, da Du ja der Ansicht bist, dass bereits die Darstellung von Gewalt moralisch verwerflich sei (eine Meinung, die ich nicht teile), ist diese Forderung aus Deiner Sicht natürlich konsequent. Mir geht es, wenn ich von einer gewaltfreien Gesellschaft spreche jedoch ausschließlich darum, wie Menschen mit ihren Mitmenschen (und mit Abstrichen auch Tieren) umgehen. Die Existenz von Gewaltdarstellungen ist für mich kein ausschlaggebendes Kriterium.
Tatsächlich denke ich, dass auch Gewaltdarstellungen zu einem friedlicherem Miteinander beitragen können, wobei es natürlich auf die Form ankommt. ND möchte z.b. erreichen, dass sich der Spieler unwohl dabei fühlt, wenn er seiner Rache nachgeht und virtuell tötet. Falls das gelingt, darf man das schon als starkes Statement gegen Rache und Gewalt werten. Stark, weil der Spieler die Problematik nicht nur rational, sondern auch emotional nachvollziehen kann (die Voraussetzung für Sensibilisierungsprozesse).
Letztlich sind es neben persönlichen Erfahrungen vor allem Statements, mit denen wir uns als Gesellschaft fortlaufend von unseren Wertevorstellungen überzeugen und sie uns ins Bewusstsein rufen. Man begegnet ihnen daher überall im Alltag. In der Regel geschieht das ganz unbewusst. Auch unsere Beiträge hier sind solche Statements. In gewissem Sinne sind sie auch Beziehungstests, mit denen wir uns vergewissern, dass wir Wertvorstellungen, die wir für fundamental halten, teilen und deshalb einander vertrauen dürfen (die Grundveraussetzung für gemeinschaftliches Zusammenleben). Gerade in einer zunehmend gewaltfreien Gesellschaft, wo die direkte Konfrontation mit Gewalt und damit das Lernen durch Erfahrung eine immer unbedeutendere Rolle spielt, sind wir auf Statements angewiesen. Und ich habe hier immer noch keinen plausiblen Grund gelesen, weshalb Videospiele nicht in der Lage sein sollten, sensibilisierende Statements zu setzen und damit Gewalt entgegenzuwirken.