Gear.Club Unlimited 2 (Test und Erfahrungen)

TheSwitcher

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Hallo Leute,


hier könnt ihr euch zur Eden-Games-Raserei austauschen. Außerdem steuere ich meinerseits ein umfassendes Review bei.


Gear.Club Unlimited 2 Kritik



Sie gehören zu einer seltenen Art auf der Nintendo-Switch – Automobil-Rennspiele mit auf realistisch getrimmter Grafik. Ein eben solches ist der Eden-Games-Titel Gear.Club Unlimited 2. Es handelt sich hierbei um eine Fortsetzung einer Raserei, die ihren Anfang auf mobilen Endgeräten gefunden hat. Der zweite Teil ist nun Switch-exklusiv, wobei, wenn man ehrlich ist, die Konsolen aus dem blauen und grünen Lager mehr als gesättigt mit dem Rennspiel-Genre sind. Gear.Club Unlimited 2 wäre neben Forza, Gran Turismo und Konsorten gnadenlos untergegangen. Ob uns bei diesem Titel ein Geheimtipp für Gamer mit Benzin im Blut erwartet oder das Spiel auf den Schrottplatz gehört, klären die folgenden Zeilen.

Ladies and Gentlemen, start your Kaffeemaschine

Zu Beginn bremst einen die Reifenquälerei mit einem Update aus, dieses ist aber nur wenige Hundert Megabyte groß und je nach Leitung schnell auf die Konsole geschaufelt. Anschließend sieht der geneigte Zocker gespannt auf den Ladebildschirm – eine Beschäftigung, die es bei GCU 2 häufig gibt. Deshalb mein dezenter Hinweis in der obigen Überschrift, sich eine Tasse Kaffee vorzubereiten. Oder besser eine ganze Kanne. Befindet sich der Spieler schließlich im Geschehen, wird er von einer in Comic-Standbildern präsentierten Story begrüßt. Anschließend gibt es das erste Auto, einen Mini John Cooper Works. Nach dem Lade-Frust macht sich ein wenig Verzückung breit, denn die Wagenmodelle sind durchaus detailliert und grafisch gelungen. Auf einem Parkplatz abgestellt lassen sich sogar die Türen und die Motorhaube öffnen und das Innere inspizieren.



Besagter Parkplatz befindet sich auf einer riesigen Fläche, die mit allerlei Objekten und Tuning-Möglichkeiten gefüllt werden kann. Eine Werkstatt und eine Grafik-Abteilung sind bereits vorhanden. Bei ersterer lassen sich die Boliden tunen, was selbstredend Stück für Stück freigeschaltet wird, damit man auch den letzten Casual-Gamer nicht überfordert. Verschiedene Ausbaustufen von Motor, Getriebe und Co. lassen sich in das Vehikel stopfen wie eine Füllung in die Weihnachtsgans. Das ist recht hübsch animiert, komplexeres Tuning glänzt aber mit Abwesenheit. Apropos Glänzen: die Grafik-Abteilung bietet optische Schmankerl in Hülle und Fülle, unzählige Sticker können nach Belieben auf dem Wagen angebracht werden. Schnell schaut man auf die Uhr und stellt fest, dass man bereits eine halbe Stunde im Flitzer-Panini-Album verbracht hat.

Generell fällt die Detailverliebtheit von Eden Games positiv auf, von der Zierpflanze bis zur Kaffeemaschine sind Unmengen an Dekorationen für das Gelände vorhanden. Der ganze Spaß kostet natürlich In-Game-Währung – und die verdient man schließlich mit den Rennen.

Heckspoiler-Polonaise



Was haben wir denn für Modi, um den Reifengummi auf den Straßen zu verschmieren? Es gibt die Standard-von-A-nach-B-Huscherei mit einem oder mehreren Rennen , die K.O.-Variante, Offroad-Einlagen und Zeitrennen. Eine kleine Anmerkung: hier schreibt ein Arcade-Need-for-Speedler ohne Auto, der sich zu Fuß, mit Bus oder Bahn oder mit dem „Freundin-Taxi“ durch die Weltgeschichte bewegt. Dennoch versuche ich mir ein Urteil über die Fahrphysik zu erlauben. Diese mutet durchaus gelungen an, jedes Automobil reagiert merklich anders. So verzeiht etwa ein Bentley Continental GT V8 S ein eher ungeschicktes Einlenken in Kurven, während ein McLaren 570S eine solche Aktivität mit einem nervösen Zucken quittiert. Da sich stufenlos Fahrhilfen hinzu schalten lassen, werden aber auch virtuelle Raser glücklich, die auf echten Straßen Gummibäume bräuchten.

Der Start eines jeden Rennens verläuft leider stets gleich: die Wettbewerber scheinen Raketentreibstoff, Red Bull oder beides getankt zu haben und zischen nach vorne. Die Rivalen reihen sich dann brav wie an einer Perlenschnur hintereinander auf. Wenn man sich ungeschickt verhält und die Leitplanke öfters küsst, dauert es also, bis man erneut einen Gegner sichtet. Dann lassen sich jedoch mehrere Plätze auf einmal gutmachen. Trotz des KI-Gänsemarschs machen die Gefechte auf dem Asphalt durchaus Spaß, da die Computer-gesteuerten Autos äußerst gut fahren und Überholmanövern geschickt kontern. In GCU 2 gibt es übrigens keine einstellbare Schwierigkeit, viel mehr lässt sich die Herausforderung mit dem Aktivieren beziehungsweise Deaktivieren der Fahrhilfen feinjustieren. Netterweise hat Eden Games auf die Kritik am vom Smartphone portierten Erstlingswerk gehört: die Rennen sind jetzt endlich so lang, wie sie sein sollten und nicht direkt wieder vorbei, kurz nachdem sie begonnen wurden.

Hübsche Autos in karger Landschaft



Widmen wir uns nun dem grafischen Grundgerüst von Gear.Club Unlimited 2. Bereits der Vorgänger hatte ansehnliche Vehikel, der 2018er Titel legt noch eine Schippe drauf, etwa durch Echtzeit-Reflektierungen der Umgebung auf der Karosserie. Auf die Umgebung hat das Entwicklerstudio aber nach wie vor kaum Wert gelegt. Zwar sind die Landschafts-Settings an sich, wie Wüste, verschneide Berge oder Wälder, recht nett, es gibt aber häufige Déjà-vus. Copy-and-Paste-mäßig finden sich viele Elemente erneut wieder, Animationen am Wegesrand sucht man vergebens. Immerhin sind die Lichteffekte sowie die Lichtstimmung im Generellen gelungen. Manche Bäume oder auch Gebäude könnten hingegen gut und gerne aus dem Game-Cube-Zeitalter stammen. Insgesamt schwankt das Gebotene zwischen beinahe State-of-the-Art (Autos, Beleuchtung) und deutlich unter den Möglichkeiten der Switch (Objekte am Straßenrand).

Im kreativ gestalteten Performance-Shop, wie sich die Halle mit den Werkstätten und anderen Anlaufstellen nennt, gibt es ebenfalls visuelle Höhen und Tiefen. Hübsche Glanzeffekte der Bodenbeläge und schicke Animationen beim Einbauen neuer Komponenten begeistern. Die umher streunenden Mitarbeiter mit ihrer Polygon-Armut eher weniger.

Wir haben Kosten und Mühen gescheut

Nein, ich habe nicht das „kein“ in der Überschrift vergessen, Eden Games hat sichtlich an vielen Ecken und Enden bei GCU 2 gespart. Das ist äußerst schade, da das Grundgerüst für eine tolle Rennspiel-Erfahrung definitiv vorhanden ist. So gibt es nur zwei Musiktitel – und diese auch nur in den Menüs oder im Performance-Shop. Sobald ein Rennen startet, ertönen lediglich die mittelmäßigen Motorensounds sowie die restliche Sound-Kulisse. Eine Cockpit-Perspektive gibt es ebenfalls nicht – und das obwohl die Innenräume der Fahrzeuge äußerst detailliert umgesetzt sind. Die Tatsache, dass das Spiel lediglich um die 2 GB groß ist, unterstreicht weitere Spar-Maßnahmen. Höher aufgelöste Texturen oder Zwischensequenzen in Bewegtbildern wären bestimmt machbar gewesen, hätten Eden Games aber wohl zu einer 8 GB Game-Card gedrängt.

Besonders ärgerlich ist das Fehlen des Online-Multiplayers, der künftig nachgereicht werden soll. Der Menüpunkt ist da, jedoch mit einem Vermerk „bald verfügbar“ versehen. Das namensgebende Club-Feature ist also momentan noch nutzlos. Splitscreen-Partien lassen sich alternativ bestreiten.

Fazit zu Gear.Club Unlimited 2



Wie sich unschwer an dem vorangegangenen Text erkennen lässt, ist dieses Rennspiel mitnichten perfekt. Dennoch habe ich bereits viele Stunden in GCU 2 verbracht. Woran liegt das? Nun, die Vorteile wie der motivierende Performance-Shop, die gelungene Fahrphysik, die hübsche Automobil-Gestaltung und das durchaus gut umgesetzte Geschwindigkeitsgefühl überwiegen. Rennen für Rennen zu bestreiten, um sich sein nächstes Traum-Fahrzeug leisten zu können und dieses mit der vielseitigen Grafik-Abteilung zu personalisieren, artetet zu einer Art Suchtspirale aus. Die Bildwiederholrate ist zudem meistens bei stabilen 30 FPS. Wer also nach einem Racing-Game mit realistischem Stil sucht und über Patzer wie die langen Ladezeiten, die teils mäßige Umgebungsgrafik und die fehlende Musik hinwegsehen kann, wird gut unterhalten. Online-Fans sollten hingegen noch mit dem Kauf warten, bis Eden Games endlich das Multiplayer-Update nachreicht.

 

JethroTull

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Schön, dass du dir Mühe gemacht hast mit dem Bericht. Zu solchen findet man ja seltener einen deutschprachigen Test und Gear Club 2 interessiert mich auch durchaus, weil ich ein "richtiges " Rennspiel mit eher arcadigen Rennspiel mir auf der Switch fehlt. Ich muss aber auch sagen, dass mir generell der ganze Tuning-Kram ziemlich egal ist, ich will nur stupide Rennen fahren. Hatte gehofft, dass Teil 2 in allen Belangen einen guten Sprung nach vorne machen würde, aber überall als auch hier hört man raus, dass man aus dem Spiel noch einiges mehr herausholen könnte.
 

TheSwitcher

L04: Amateur
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Freut mich, dass euch das Review gefallen hat. Ich kann, sofern entsprechend Interesse besteht, auch künftig hin und wieder solche Berichte verfassen.

@JethroTull

Ja, der ganz große Sprung nach vorne wurde GCU 2 leider nicht, aber wenigstens sind die Rennen nun meist um die dreieinhalb Minuten. Das Medieninteresse an GCU 2 ist erstaunlicherweise erschreckend gering, das stimmt. Der erste Titel bekam noch deutlich mehr Aufmerksamkeit.

Bei meinen N-Zone-Kollegen kam der Titel aber recht gut weg, was ihr dann in der kommenden Ausgabe lesen könnt. Ich hoffe aber, dass sich Eden Games mit dem Multiplayer-Update beeilt.
 

CLANet

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Freut mich, dass euch das Review gefallen hat. Ich kann, sofern entsprechend Interesse besteht, auch künftig hin und wieder solche Berichte verfassen.

@JethroTull

Ja, der ganz große Sprung nach vorne wurde GCU 2 leider nicht, aber wenigstens sind die Rennen nun meist um die dreieinhalb Minuten. Das Medieninteresse an GCU 2 ist erstaunlicherweise erschreckend gering, das stimmt. Der erste Titel bekam noch deutlich mehr Aufmerksamkeit.

Bei meinen N-Zone-Kollegen kam der Titel aber recht gut weg, was ihr dann in der kommenden Ausgabe lesen könnt. Ich hoffe aber, dass sich Eden Games mit dem Multiplayer-Update beeilt.
Sehr sehr gerne! :blushed:
 
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JethroTull

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Es sind mehrere Aspekte, die hier zum Tragen kommen.

Einmal der eigene Horizont, dass ich mit Wertungen ab 75% durchaus zufrieden wäre, vor allem wenn man dann die Vergleiche zur Spitze einfach mal sein lässt. Andererseits würde ich mich natürlich darüber freuen, wenn ein Spiel so sehr reinklotzt, dass es dann doch wertungstechnisch Paroli bieten kann. Das gabs zum Beispiel auf dem N64 recht oft, dass Entwickler versucht haben, den"Gran Turismo Killer" für das N64 zu bringen. Daher gabs auch einige gute bis sehr gute exklusive Rennspiele wie Top Gear Overdrive und vor allem World Driver Championship.

Im Vorfeld klang das Gerede von Eden Games, was alles in Gear 2 verbessert wurde, auch sehr viel versprechend, nur was ist davon wirklich umgesetzt wurden?
 

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L12: Crazy
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Freut mich, dass euch das Review gefallen hat. Ich kann, sofern entsprechend Interesse besteht, auch künftig hin und wieder solche Berichte verfassen.

@JethroTull

Ja, der ganz große Sprung nach vorne wurde GCU 2 leider nicht, aber wenigstens sind die Rennen nun meist um die dreieinhalb Minuten. Das Medieninteresse an GCU 2 ist erstaunlicherweise erschreckend gering, das stimmt. Der erste Titel bekam noch deutlich mehr Aufmerksamkeit.

Bei meinen N-Zone-Kollegen kam der Titel aber recht gut weg, was ihr dann in der kommenden Ausgabe lesen könnt. Ich hoffe aber, dass sich Eden Games mit dem Multiplayer-Update beeilt.
Ja bitte. Sehr gerne :)
 

gettingbetter

L13: Maniac
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Ein wirklich gutes Review. Während meiner Ausbildungszeit war ich auch “Spieletester“ bei einer kleinen 2-Mann-Webseite und weiß, dass in so eim Review alleine vom Text gerne mal 4-5 Stunden fließen.

Ich bin aber leider schon mit dem ersten Teil zufrieden. Der zweite Teil kostet noch zu viel für das gebotene und muss wie Teil 1 erst mal ein halbes Jahr nachgepatcht werden.
 

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L20: Enlightened
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Danke für den guten Test :) Wenn GCU2 mal günstig zu bekommen ist, werde ich wohl zuschlagen, sowas fehlt auf der Switch noch. V-Rally 4 scheint ja technisch leider ein Desaster geworden zu sein.
 

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L20: Enlightened
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So, nachdem ich das Spiel vor kurzem günstig bekommen habe, möchte ich auch nochmal meine Erfahrungen hier reinschreiben :)

Im Grunde besitzt GCU2 alle Zutaten für ein wirklich gelungenes Rennspiel. Ordentliche Anzahl an guten Fahrzeugen, viele Strecken, teilweise ganz gute Grafik und jede Menge Möglichkeiten die Fahrzeuge zu tunen, zu verschönern etc. Eigentlich krankt es für mein Empfinden in erster Linie nur an zwei Dingen (die aber leider recht massiv auf den Spielspaß einwirken): Der Steuerung und den Ladezeiten. Mit letzteren könnte man sich noch arrangieren, wenngleich sie doch recht lange sind (der Witz ist, von 0% - 95% dauert es genauso lange wie dann nochmals von 95% auf 100%). Nervig, aber wie gesagt noch verkraftbar.

Mit der Steuerung sieht es dann schon anders aus. Ich muss sagen, ich habe schon lange keine so schlecht Steuerung in einem Rennspiel mehr erlebt. Der Input-Lag ist heftig... gefühlt dauert es über eine halbe Sekunden, bis Lenkbewegungen umgesetzt werden. Und genauso natürlich auch, wenn man wieder geradeaus fahren will... Stick loslassen... Auto lenkt fröhlich weiter ein, was dazu führt, dass man natürlich wieder gegenlenkt und dadurch oft selbst auf recht geraden Strecken rum schlingert als hätte man ein paar Bier zuviel intus. Fahrspaß kommt so (bei mir) fast keiner auf. Und es ist schaden, denn die Autos fahren sich durchaus unterschiedlich und die Strecken bieten schon Potential für spannende Rennen. Teilweise erinnert mich die Steuerung an die schweren Trucks aus Mud Runner, mit dem Unterschied das man sich dort mit ca. 10 km/h durch den Schlamm wühlt und hier mit 200 Sachen eine Kurve nehmen soll. Auch die möglichen Einstellungen an den Fahrhilfen (Bremshilfe, ABS, Lenkhilfe) ändert leider nichts an dieser grausigen Lenkung.

Ich hoffe ja ein bisschen auf einen Patch, aber ich vermute mal, dass ich da ewig warten werde... was schade ist, denn die Grundzutaten für ein gutes, realistisches Rennspiel für die Switch sind definitiv vorhanden.
 
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