Was den Essay für mich persönlich wertlos macht und die NYT zu einem nicht vertrauenswürdigen Medium.
Vorweg erstmal:
Das kommt nicht wirklich überraschend.
Dir steht es frei, allerlei Quellen abzulehnen, die du mit selektiver Präzision versuchst zu disqualifizieren.
Das entsprechende Muster kennen wir ja: Chirurgisch dort ansetzen, wo man einen begründeten Einwand als Hebel nutzen kann, um ganze Recherchen oder Medien zu diskreditieren und um alles, was unbequem ist, wegzuräumen. Nur um gleichzeitig die Verletzung journalistischer/wissenschaftlicher Standards in die andere Richtung zu ignorieren. Das ist halt keine sachliche Medienkritik, sondern höchstens Selektivität als Prinzip verkleidet.
Nun zum Inhalt:
Die Hundestory stützt sich auf eine anonyme Einzelaussage und einen Euro-Med-Bericht. Das ist tatsächlich die schwächste Stelle des Artikels und Kristof hätte das transparent und kritischer machen müssen. Soweit ist die Kritik berechtigt.
Aber: Israelische Regierungsvertreter, die den Gazakrieg mit seinen zehntausenden zivilen Toten als moralisch richtig und notwendig bezeichnen, werden täglich und ohne Quellenwarnung zitiert. Militärsprecher, die dokumentierte Zivilopfer systematisch kleinreden. Politiker, die ethnische Vertreibung offen als politisches Ziel formulieren. Wer dort keine Transparenzpflicht sieht, hat kein Interesse an journalistischen Standards, sondern an einem Ergebnis.
Entsprechende Artikel hierzu wurden zuhauf im Laufe des Threads verlinkt. Du hast in deinem Post sogar gerade einen Post zitiert, der einen Artikel verlinkt, auf den du nicht eingegangen bist. Da dies für dich offenkundig eine Einbahnstraße ist, möchte ich aber aufklären. Die entsprechende Passage im Bild-Artikel findet sich ganz zum Schluss, als Fußnote eines ausführlich gestalteten Artikels:
Die Organisation wurde gegründet, um die Verbrechen der Hamas-Terroristen und ihren Komplizen zu dokumentieren. Sie wird von der israelischen Menschenrechtsexpertin Cochav Elkayam-Levy geleitet.
Zu Elkayam-Levy:
- Sie hat Geschichten, wonach der Fötus einer schwangeren Frau entnommen worden sein soll, in der internationalen Presse verbreitet. Das hat sich als falsch herausgestellt. Zudem hat s
ie beispielsweise Bilder toter kurdischer Kämpferinnen als Israelis dargestellt. Da gibt es sicher mehr fragwürdige Vorfälle in ihrer „Methodik“.
- Die Arbeit der Kommission bedingt die Zusammenarbeit mit israelischen Behörden und Militärs. Das ist zwar der Natur der Sache geschuldet, führt zwangsläufig dazu, dass ihre Recherchen politisch anschlussfähig an israelischen Regierungsnarrativen sind.
Transparenz des Artikels an dieser Stelle? Fehlanzeige.
Kritik an Ermangelung journalistischer Standards? Fehlanzeige.
Dann lieber das Augenmerk auf den NYT-Artikel werfen, obwohl hier zwei Bild-Artikel verlinkt werden, die journalistische Standards weit gröber vernachlässigen. Nicht, dass man bei der Bild überrascht sein müsste. Aber Elkayam-Levy wurde von westlichen Medien vielfach zitiert, unter anderem von der NYT.
Der NTY-Artikel hat ein echtes Quellenversagen an einer exponierten Stelle. Das verdient Kritik. Aber ein Quellenversagen in einer Behauptung diskreditiert weder den gesamten Artikel, der auf 14 Zeugen, UN-Berichten und unabhängiger Dokumentation durch BTselem und ACRI beruht, noch das Medium als Ganzes. Die Bild und diverse andere Artikel, die man trotz Zitierfähigkeit gekonnt ignoriert? Da findet man leider keine Einstufung als nicht vertrauenswürdiges Medium, oder Quellenkritik, was den Post insgesamt dann doch satirisch wirken lässt. Das sollte man sich aber überlegen, bevor man Kommentare zitiert, die sich auf die Bild berufen.
Deswegen führt das in meinen Augen unweigerlich zur größten Selbstlüge:
Das ist kein Einzelfall, sondern ein Muster. Man könnte das an anderen Beispielen beliebig fortsetzen.
Entsprechende Aufklärungsarbeit zu betreiben ist aber aufwändig und frustrierend, da sie bei denen, die Aufklärung am nötigsten hätten, auf taube Ohren, Widerstand oder Anfeindungen stößt. Weil solche Menschen am Ende ohnehin nur das glauben was sie auch glauben wollen.